Wie ein WM-Qualispiel einen Krieg ausgelöst haben soll

Am 08. Juni 1969, heute vor 40 Jahren, kam es zwischen den Ländern Honduras und El Salvador zum 1. von ingesamt 3 Duellen beider Nationen um die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko.

Bei allen drei Spielen kam es im Vorfeld zu Unruhen, so dass die Lage sich mehr und mehr aufheizte. So musste unter anderem das Militär und die Polizei eingreifen.

Die Spieler sind übermüdet, denn die Fans der Gastgeber haben die Kicker mit Tröten und Pfeifkonzerten malträtiert. El Salvador verliert mit 0:1. Beim Rückspiel in San Salvador werden die honduranischen Spieler ihrerseits von Fans belästigt – und unterliegen 0:3. Ein drittes Spiel auf neutralem Boden bringt mit 3:2 für San Salvador die Entscheidung.

Mit einem 3:2 im entscheidenen Spiel für die Mannschaft aus El Salvador qualifizierten sich selbige für die WM in Mexiko ein Jahr später.  Schon einen Tag zuvor schickte der damalige General Fidel Sánchez Hernández, Präsident von El Salvador, Bomber nach Honduras, ohne selbigen den Krieg zu erklären.

Natürlich diente der Fußball nur als Vorwand für diesen Krieg. Der Konflikt zwischen El Salvador und Honduras schwelte seit den 50er Jahren. Zwischen beiden Ländern gab es schon immer wieder Spannungen, da bis zu 300.000 Salvadorianer nach Honduras auswanderten und dort Land in Besitz nahmen ohne es rechtmäßig erworben zu haben.

Kurz nach den Spielen begann Honduras mit einer paramilitärischen Gruppe namens Mancha Brava mit Säuberungsaktionen, welche 100.000 Salvadorianer in die Flucht trieb. El Salvador antwortete mit Waffengewalt.

Mit alten MIG-Flugzeugen aus dem zweiten Weltkrieg und Cessnas von Privatpiloten lässt Sánchez Hernández den Flughafen von Tegucigalpa bombardieren. Danach kann die salvadorianische Infanterie fast ohne Gegenwehr auf honduranisches Territorium eindringen. Erst auf Druck der Organisation amerikanischer Staaten kommt es im „Fußballkrieg“ zum Waffenstillstand.

Der Krieg dauerte 100 Stunden, daher wird er in Mittelamerika auch „100-Stunden Krieg“ genannt. Erst 1980 kommt es zu einem offiziellen Friedensvertrag zwischen beiden Ländern und erst vor 3 Jahren bekam Honduras ein umstrittenes Grenzgebiet zugesprochen.

Kaum noch Konfliktpotenzial gibt es zwischen den Einwohnern beider Länder, außer bei Fußball spielen, wo man seine Rivalitäten pflegt. Gemeinsam verbindet beide Nationen die Abneigung gegen über Costa Rica.

„Bei Fußballspielen aber“, weiß Geschichtsprofessor Julio Martínez aus San Salvador, „bekämpfen sich El Salvador und Honduras bis aufs Blut“. Bei Gefahr tun sich der 39. und der 102. der Fußball-Weltrangliste aber doch zusammen: Dann ist die Mannschaft von Costa Rica der größte Feind.

Quelle: WDR 2
Audio: Stichtag

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