Was nun, „Kloppo“?

Es gibt einfach Sachen, die funktionieren nicht. Man kann sich nicht in die eigene Handfläche beißen und die meisten Leute scheitern auch an dem Versuch, mit der Zunge den Ellbogen zu berühren. Ebenfalls unmöglich ist es, in der Champions League ohne ordentlichem Defensivverhalten was zu reißen. Den besten Beweis für diese These lieferte gestern Abend wieder einmal der deutsche Meister aus Dortmund. Hatte man sich das 0:3 in Marseille noch als einmaligen Ausrutscher schönreden können, so war die Niederlage in Piräus gestern schlichtweg peinlich. Okay, Piräus hat auch andere deutsche Vertreter zu Hause besiegt, als zum Beispiel die Bremer 2004 mit 0:3 den Kürzeren zogen oder die Leverkusener,  die anno 2002 mal mit 2:6 dort unter die Räder kamen. Dennoch war das Spiel eines deutschen Meister unwürdig.

Natürlich ist die Champions League eine Kür. Eine Belohnung vor allem für die Spieler für die letzte Saison. Für die deutsche Meisterschaft. Aber es fühlt sich eher an wie ein großer Sack gefüllt mit Steinen, den die Mannschaft in der CL mit sich rumschleppt. Sieht es offensiv noch recht ansehnlich aus, so ist die Chancenverwertung und vor allem das Defensivverhalten eine Katastrophe. Vor dem Spiel gab der BVB in den 2 vorherigen Spielen in der Königsklasse 43 Torschüsse ab. Nur ein Team schoss öfter aufs Tor – der FC Barcelona. Der Unterschied ist nur: Während der BVB nur ein Tor machte, traf Barca 7x ins Schwarze.

Viel schlimmer als die Chancenverwertung ist jedoch die Defensive. Dort herrscht schlicht Chaos. Gestern gab es in der 2. Halbzeit eine Szene, die Sinnbild dafür war, wie sehr ein gewisser Nuri Sahin dem BVB fehlt. Bei einem Angriff der Griechen steht das defensive Mittelfeld derart hoch, so dass Innenverteidiger Mats Hummels noch in der Hälfte der Griechen in den Zweikampf gehen muss. Konsequenz im Anschluss an den verlorenen Zweikampf ist dann eine völlig chaotische Zuteilung im Abwehrverbund und eine Großchance für Piräus. Die Schwäche des defensiven Mittelfeldes, egal ob da nun Kehl, Bender, Gündogan, da Silva oder Leitner in beliebiger Formation spielen, zieht sich wie ein roter Pfaden durch die Saison. Dortmund bekommt das Spielzentrum schlichtweg nicht dicht. In der Liga mag das nicht so ins Gewicht fallen (wobei ich mit sicher bin, dass es noch mal ein richtiges Debakel in dieser Saison geben wird, wenn die Löcher nicht geschlossen werden können), aber in der Königsklasse nutzen selbst 0815 Teams wie Piräus diese Schwäche eiskalt aus.

Aber auch offensiv kommt nicht viel aus dem defensivem Mittelfeld. Wo letztes Jahr ein Nuri Sahin das Spiel an sich gerissen hat und mit traumhaften Pässen vor allem die Außenverteidiger immer wieder stark in Szene setzen konnte, so lahmt in diesem Jahr das Spiel deutlich unter der fehlenden  Kreativität. Es kommt nicht von ungefähr, dass ein Mario Götze oftmals 3 Gegenspieler hat oder dass ein Mats Hummels bzw. Neven Subotic die Spieler mit den meisten Ballkontakten sind. Und wenn sie sich offensiv einschalten fehlen sie natürlich hinten. Jürgen Klopp steht hier also vor der Wahl: Versuche ich, die Defensive zu stabilisieren, in dem ich die Spielgestaltung anderen Spielern überlasse als den Innenverteidigern, so besteht gegebenenfalls Gefahr, dass das Spiel nach vorne völlig zusammenbricht. Lasse ich die Innenverteidiger aber weiter das Spiel (mit)gestalten laufe in der Liga gegen gute Gegner und vor allem in den ausstehenden Spielen in der Champions League dem Gegner weiter ins offene Messer. Kein leichtes unterfangen, zumal auch einige Spieler wie Kagawa, Schmelzer, Bender oder Gündogan einfach nicht in der Form sind, den Angriffsbemühungen Struktur zu verleihen und die Innenverteidiger zu entlasten.

Man darf gespannt sein, wie Klopp auf die neuerliche Pleite reagiert. Riskiert er taktisch etwas oder lässt er das Team so weiterspielen? In der Liga ist man ja zum Glück nicht so schlecht, wie es sich bisweilen anfühlt.

7 Antworten auf „Was nun, „Kloppo“?“

  1. Ich habs auch geschafft! Das mit dem Ellbogen ist schon deutlich schwieriger. Und die Borussia? Das mit der hoch stehenden Viererkette ist ein Ansatzpunkt. Vielleicht muss Klopp hier wirklich einen Schritt zurückgehen und in der CL etwas weniger riskant spielen lassen. Das heißt auch: abwartender, defensiver. Gegen Piräus zuhause muss es auch anders gehen, aber für die letzten beiden Spiele könnten derartige taktische Korrekturen uns weiterbringen.

    1. Stelle mir gerade bildlich vor, wie ihr alle vor dem Bildschirm sitzt und versucht, euch in die Handfläch zu beißen 🙂

      Das mit der Geduld ist so eine Sache: Geduldig auf ein qualvolles 1:0 oder mit Saus und Braus zu einem 3-3 zu Hause?

  2. Also bei Bender sehe ich absolut kein Problem, der war neben Lewandowski der einzige Borusse der internationale Klasse versprüht hat. Bezeichnend waren seine Versuche als 3. Innenverteidiger (zwischen Mats und Neven) den kreativen 6er zu geben und sich die Bälle dort abzuholen. Gündogan muss sich da erneut kritisieren lassen, ist es doch eher seine Aufgabe. Stattdessen versteckt er sich irgendwo in der Offensive und lässt die Truppe im Stich. (!)So mutlos(!) hat er keine Zukunft beim BvB. Bender hingegen macht aktuell das Mädchen für alles. Ich bleibe dabei, gerne würde ich Mario neben Manni sehen. Da hat er das Spiel vor sich, kann das Bindeglied zwischen der Defensive und dem Angriff sein und in der offensiven 3er-Reihe haben wir sowieso genug Alternativen (Perisic, Großkreutz, Shinji, Lewandowski, Leitner und evtl. dann auch Gündogan). Es schlummert genügend Potenzial, aber Klopp braucht jetzt auch mal etwas Mut. Bender schmeißt sich weiterhin überall erfolgreich in die Bälle und versucht darüber hinaus auch die Schwächen der Mitspieler auszubügeln. Der Junge hat eine richtig starke Phase mMn.

    1. Du sprichst genau das an, was mich an Bender etwas stört: Er will zu viel. Das hat zu konsequenz, dass Hummels hoch stehen muss und wenn er dann den Zweikampf verliert, hat der Gegner viel Raum und die Viererkette ist indisponiert. In der Liga ist das nicht so dramatisch, in der CL aber schon.

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