Warum die Frauen-Weltmeisterschaft nervt…

Am kommenden Wochenende beginnt – mehr oder weniger bekannt – die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft DEUTSCHLAND 2011™. Und die deutsche Mannschaft ist als Titelverteidigerin auch noch der Top-Favorit. Ideale Bedingungen also für eine 3-wöchige Sommersause, die uns Fußballfans die Zeit in der sonst öden Sommerpause versüßen wird. Alles soll so sein wie 2006, als die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ Millionen von Fans in Deutschland und der Welt in ihren Bann zog. Und genau hier beginnt die Farce.

Zugegeben, die deutschen Fußballfrauen sind extrem erfolgreich. 2x Weltmeister, 7x Europameister, 3x Bronze bei Olympia und auf Vereinsebene sind deutsche Mannschaften immer mit in der Verlosung, wenn es um einen europäischen Pokal geht. Im Grunde hat der Frauenfußball genug Erfolge vorzuweisen, um eine eigene Identität zu entwickeln. Da er dies aber nicht tut und immer wieder den Vergleich zum Männerfußball bemüht, bekommt das ganze Thema immer einen faden Beigeschmack.

Ich will gar keinen Hehl daraus machen, dass mich der Frauenfußball im Grunde nicht interessiert und ich auf Grund des Desinteresses über keinen großen Erfahrungsschatz verfüge. Im Grunde erinnere ich mich nur an 2 Frauenfußball Spiele, die ich länger als 10 Minuten geschaut habe: Das WM-Finale 2007 und das Champions-League Finale 2010. Ich habe beim Männerfußball schon die langweiligsten Partien gesehen, die man sich vorstellen kann und oft war das Ganze so sterbendlangweilig, dass man sich fragt, warum man sich das antut. Aber bisher hat es nur eine Partie geschafft, mich mittendrin ins Reich der Träume zu schicken: Eben jene Finalpaarung 2010. Und das ist schon eine Glanzleistung, wenn man bedenkt, dass ich mir auch so Kracherpartien wie England – Algerien (WM 2010), Preußen Münster – Glasgow Rangers (Freundschaftsspiel) oder den BVB unter Thomas Doll angesehen habe. Aber gut, wem Frauenfußball gefällt ist auch kein schlechter Mensch.

Was mich wirklich nervt am Frauenfußball und ganz speziell an dem uns bevorstehenden „Sommermärchen“ ist es, dass man immer wieder einen Vergleich zum Männerfußball zieht und so dem Turnier dann doch ein Image verpasst, dem es nicht gerecht werden kann. Werbung gehört bekanntlich zum Fußball dazu und wenn die Spielerinnen für Frauenrelevante Produkte werben, dann ist das logisch und nachvollziehbar. Ob nun Herscharen von Menschen bei einer Elektronikkette wegen der WM einen neuen Flachbildschirm erwerben wird, bezweifele ich dann schon eher. Völlig deplatziert sind dagegen ein Werbespot eines in Köln ansässigen Handelskonzerns und eines großen Transportunternehmens. Ich bezweifele doch sehr stark, dass bei der Frauen-WM Tausende von Zuschauern durch die Republik fahren um zu den Spielen zu kommen. Abgesehen davon, dass der Spielort Sinsheim nur schwer per Bahn erreichbar ist.
Und was man sich wohl in Köln gedacht hat, als man einen Werbespot mit Lukas Podolski drehte? Ich vermute, man hat einfach keine andere Idee als so zu tun, als würden sich eine Gruppe Frauen auf dem Sofa (schön mit dem Klischee, man würde doch beim nächsten mal leise jubeln, damit die Männer nicht gestört würden beim Grillen) sitzen, um dann beim Torjubel von den Männer im Garten entsprechend übertrumpft zu werden. Dabei höchst emotional mit dabei: Thomas Müller und eben jener Lukas Podolski.

httpv://www.youtube.com/watch?v=g3hjFd1B0LU

Es bedarf keiner großen Fähigkeiten um zu erahnen, dass es so in Deutschland nicht ablaufen wird. Im Grunde funktioniert das seit 2006 bekannte Rudelgucken nur alle 2 Jahre, wenn die Herren eine Welt- bzw. Europameisterschaft spielt. Ansonsten mag es Regional noch klappen, sei es am letzten Bundesligaspieltag oder bei Endspielen im DFB- oder Europapokal. Aber ansonsten funktioniert ein nationales Rudelgucken nicht. Fehlt eigentlich nur noch, dass jemand dafür wirbt, wieder die Autofahnen vom letzten Jahr in die Scheibe zu hängen.

Auch unverständlich finde ich, warum man immer wieder das „Sommermärchen“ bemüht um für die Weltmeisterschaft zu werben. Rekapitulieren wir: Deutschland war 2006 im Vorfeld der WM vom späteren Weltmeister Italien in Florenz böse vermöbelt worden und so wirklich glaubte niemand in Deutschland daran, dass die Nationalmannschaft 3 Monate später ein fußballerisch sehr ansehnliches Turnier spielen würde. Im Grunde erwartete man den üblichen Rumpelfussball der Jahre zuvor. Die Nationalmannschaft der Frauen hingegen eilt von Testspielsieg zu Testspielsieg und ist als amtierender Weltmeister Topfavorit auf dem Titel im eigenen Land. Alles andere als eine Titelverteidigung wäre für die meisten Spielerinnen eine Enttäuschung. Wo hier nun der Stoff für ein Märchen liegen soll kann ich nicht erkennen.

Einen weiteren Höhepunkt der PR-Maschinerie durfte man dann gestern erleben, als es einen Tatort zum Thema Frauenfußball gab. Das Ganze wirkte eher wie eine Auftragsarbeit des DFB für die PR-Maschinerie rund um die Frauen-Weltmeisterschaft als ein guter Krimi. Höhepunkt war dann der Auftritt von Theo Zwanziger, bekennender Förderer des Frauenfußballs, welcher eine Trauerrede auf das Opfer hielt, die mehr oder weniger an die Rede zum Tode von Robert Enke erinnerte. Grandios auch die Szene, in der die Herren Löw und Bierhoff zusammen mit Organisationschefin Steffi Jones und Nationalspielerin Celia Okoyino da Mbabi (den Namen musste ich nachschlagen) ein fiktives Organisationsmeeting abhalten und die Nachricht vom Mord an der Nationalspielerin die Runde macht. Neben dem überaus aufgesetztem authentischem Entsetzen bei den Beteiligten stellt sich immer noch die Frage, was ein Bundestrainer, eine Nationalspielerin und der Team-Chef in einem entsprechenden Meeting für die Frauen-WM machen. Aber wie dem auch sei, mit diesem Tatort hat man sich beim DFB und der ARD ordentlich vergaloppiert. Es macht sich ein bisschen der Eindruck breit, als wolle der DFB und die TV-Sender hier ein Interesse an einem Turnier erzeugen, auch wenn die Leute darauf eigentlich keinen Bock haben bzw. ihr Interesse gering ist.

Aus meiner Sicht sollte der Frauenfußball seinen eigenen Weg gehen und nicht immer wieder den Vergleich zum Herrenfußball suchen. Stattdessen könnte man sich damit begnügen, dass man neben den Erfolgen immer mehr Frauen und vor allem junge Mädchen dazu bewegt, in einem Verein vor den Ball zu treten und somit immer mehr Vereine eine Abteilung für Fußballerinnen gründen. Darüberhinaus sollte die Werbung eben auch genau dieses Klientel ansprechen: Junge Frauen, die sich mit dem Frauenfußball identifizieren.  Das würde dem Frauenfußball gerechter als der stetige Vergleich mit dem übergroßen Bruder.

4 Antworten auf „Warum die Frauen-Weltmeisterschaft nervt…“

  1. Den Tatort, den ich grundsätzlich nicht verfolge, habe ich mir allein deshalb nicht angeschaut, weil ich schon den zum Thema "schwule Fußballer" vor einigen Wochen geschaut habe. Dieser war so verdammt schlecht (z.B. die Hooliganszene), da habe ich gar kein Interesse mehr an einem weiteren Klischeehighlight gehabt.

    Ansonsten stimme ich dir zu, der Vergleich hinkt gewaltig und man sollte ihn deshalb nicht suchen. Aber wenn ich sehe, dass die Fußballerinnen für Expert-Waschmaschinen etc. werben, dann wundert mich überhaupt nichts.

    Eigentlich dachte ich, der Frauenfußball in Deutschland ist auf einem guten Weg eigenständig zu werden. Die Verlegung des Pokalfinals vom "Vorspiel" beim Herrenfinale in Berlin zum reinen Frauenfinale nach Köln war da eine sehr gelungene Maßnahme. Im Vorfeld dieser WM, die wirklich etwas besonderes hätte werden können, hat man einfach eine Chance verpasst.

    Insofern stimme ich auch komplett mit dir überein.

    Schwatzgelbe Grüße und Glück Auf!

    Tim

  2. Ich stimme zu, dass die Vermarktung des WM-Turniers nicht glücklich ist, da man sich zwar wohl um eine Emanzipierung vom Männerfußball bemüht, diese aber aus genau den genannten Gründen nicht so recht gelingen will (bzw. nicht gelingen kann) und somit des Öfteren den Eindruck von Peinlichkeit erweckt.

    Als Verfolger des Sports an sich ist mir persönlich der schwer gekünstelte Hype dann auch wurscht. Ich möchte ein paar ordentliche Spiele sehen und in den letzten Jahre hat der Frauenfußball IMHO durchaus einiges zu bieten gehabt, das hoffnungsfroh für das Turnier stimmt. Ich freue mich auf jeden Fall drauf, auch wenn mich die Art und Weise der deutschen Öffentlich-Rechtlichen keinen Funzen anspricht.

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