Von Philipp Lamm und der Deutschlandratsche

Was gibt es nicht alles, in diesen trostlosen, weil fußballlosen Tagen, was einem tierrisch auf den Zeiger geht.  Der eine verzweifelt an einer Einstellung in seinem Blog, andere sind von WM 2010 oder eher von dem, was die meisten Deutschen daraus machen, extrem genervt. Der DTS es wie auch 11 Freunde haben sehr gut auf den Punkt gebracht. Auch wenn ich zugeben muss, dass mir die deutsche Fußballnationalmannschaft schon etwas bedeutet. Ich verfolge ihre Pflichtspiele und natürlich die großen Turnier schon ganz gerne, allerdings vorm TV. Ihr hinterher zu reisen ist nicht so mein Fall, da ich mir generell im Stadion keine Spiele ohne Beteiligung des BVB anschauen kann. Mein letztes Länderspiel im Stadion habe ich im März 2006 in Dortmund gegen die USA gesehen. Und schon damals, vor der WM 2006, ging mir das drum herum derbe auf die Nüsse.

Laute Musik von Oli Pocher, überall Werbespielchen von Coca Cola (die trinke ich auch ohne nervige Werbung) und Co. und als Höhepunkt die Fans, die sich kleideten wie im Karneval. Schwarz-rot-goldene Gesichtsfarbe, schwarz-rot-goldene Irokesenperrücken oder ein Kleidungsstück, wo der Sponsor des Ganzen mehr auffällt als die Nationalfarbe.
Zugegeben, auch ich habe im Sommer 2006 ein Fähnchen am Auto gehabt (an mein jetziges Auto kommen die nicht mehr dran) und bei jedem großen Turnier weht eine Deutschlandfahne an meinem Fenster. Warum ich es mache? Keine Ahnung. Ich hab damit 1992 angefangen und es einfach beibehalten. Ich kann mich also letztendlich nicht gänzlich dem Hype entziehen. Aber einem kann ich mich ganz Gewiss entziehen: Dem Rudelgucken.

2 mal habe ich in meinem Leben einem großen Public-Viewing Event beigewohnt: 2006 in Dortmund, als Deutschland gegen Ecuador um die goldene Ananas gespielt hat und 2008 beim EM-Finale in Haltern. Wenn ich ein Fußballspiel schaue, dann gibt es für mich 2 goldene Regeln: Ich will was sehen und dem Spiel folgen. Beim Public-Viewing kann man das nicht. Entweder sieht man nichts wie in Dortmund oder man wird von irgendwelchen Betrunkenen so dermaßen genervt, dass man schon Kinder dafür bezahlt, dass sie dem Harald-Juhnke-Double die “Fanratsche” wegnehmen und damit abhauen. Danke an der Kind, ich hoffe die 10 Euro wurden sinnvoll investiert.

Das Corpus Delicti

Natürlich gibt es auch in meinem näheren Umfeld diese Menschen, die mich für verrückt halten, weil ich soviel Zeit und Geld in mein Hobby investiere. Aber alle 2 Jahre kommen die Experten wieder aus ihrer Hölle und begeistern alle mit ihrem fußballerischen Wissen. Da wird  – im übrigen wie vor jedem Turnier – dem deutschen Team ein Aus in der Vorrunde prophezeit, aus Philipp Lahm wird der Klasseverteidiger Philipp Lamm und man erzählt sich heldenhaft, wie sehr man von der Nationalmannschaft überzeugt war vor Beginn des Turniers, wenn dann wieder ein Halbfinale mit deutscher Beteiligung gespielt wird. Es wird über die Mode der Spieler debattiert oder deren Frisuren. Andere fahren, vom Fußballvirus ja eh schon Jahre infiziert, mal kurz nach Berlin zur Loveparade Empfang der Nationalmannschaft am Brandenburger Tor. Das ist natürlich weit weniger bescheuert als gleiche Strecke einige Monate später für ein Spiel der Borussia zurückzulegen. Schließlich geht es dabei um Deutschland. Um Schweini, Poldi oder Metze. Quasi eine nationale Aufgabe, kein privates Vergnügen. Zum Glück verschwinden die meisten nach einem Turnier aber wieder in Ihrer Höhle. Einige versuchen zwar noch, ihre Liebe zum Fußball aus einen Bundesligaspieltag zu projizieren, aber spätestens beim ersten Gruselkick an einem tristen Novembersonntag ist es dann vorbei und man verschwindet von der Bildfläche. Fußball ist nämlich oft ganz schön harte Kost. Und am Ende zählt der Fußball und nicht das Drumherum.

Apropos Drumherum: Im Groben erinnert die ganze Bierhoffsche Eventisierung der Nationalmannschaft ja dem, was man in der so gelobten Rhein-Neckar Metropolregion (was ein Wortkonstrukt) geboten bekommt, wo man gerne mal andersdenkenden Menschen “Dummheit und schlechtes Benehmen” attestiert. Wie ich da jetzt drauf komme: Auf Sky lief vorhin die Wiederholung der Partie unseres Ballspielvereins gegen das Spielzeug von Herrn Hopp. Jetzt ist die Sehnsucht nach einer gepflegten Auswärtsfahrt noch größer als vorher.

PS: Eigentlich wollte ich euch was ganz anderes nahe legen, ein echtes Highlight menschlicher Dekadenz. Leider habe ich aber völlig den Pfaden verloren, so dass ich mein eigentliches Anliegen euch erst in den nächsten Tage zeigen werde.

3 Antworten auf „Von Philipp Lamm und der Deutschlandratsche“

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