Von Dummheit und schlechtem Benehmen

Eigentlich hatte ich gestern nicht viel erwartet vom Dortmunder Gastspiel in Sinsheim gegen die dort spielende TSG aus Hoffenheim. Und eigentlich hatte ich mir auch vorgenommen, mich nicht an den üblichen Gesängen (andere nehmen gerne noch das Wort Hass dazu, weil es populistischer klingt) gegen den Herrn Hopp zu beteiligen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Aber der Reihe nach.

Bei windigem und regnerischen Wetter ging es mit den üblichen 3 Verdächtigen aus den Bergen in Richtung Sinsheim. Auf der Hinfahrt amüsierten wir uns köstlich über die Einträge auf der Internetseite smsvongesternnacht.de. Sehr empfehlenswert das Ganze. Vorbei an diversen Heimen (Mannheim, Hockenheim, Heppenheim, Dielheim etc.pp.) erreichten wir problemlos Dietmar-Hopp-Heim . . . ähm Sinsheim. Von außen sah das Stadion aus wie jeder andere 0815-Neubau, sei es Gladbach, Rostock, Wolfsburg oder eben Sinsheim. Und bis eine halbe Stunde vor Anpfiff deutet nicht wirklich viel darauf hin, dass ich von meinem obengenannten Vorhaben abweichen würde. Aber dann betrat „Hoffi“ die Bühne.

Eigentlich ist es nicht weiter erwähnenswert, wenn ein Maskottchen auf den Rasen kommt, sei es Erwin aus der Stadt des Vizerekordmeisters oder die Biene Emma beim BVB. Man muss es nicht gut finden, aber sie benehmen sich meist eines Fußballspiels angemessen, beschäftigten sich vornehmlich mit den kleinsten Fans im und außerhalb des Stadions. Nicht so aber „Hoffi“. Mit lauter Diskomusik kommt das Vieh auf den Rasen, tanzt vor der Heimtribüne, springt auf den Zaun und versucht in bester Ballermann-Manier, dass Publikum zu animieren. Das erinnerte schon ein wenig an das, was man aus Salzburg gehört hat, nachdem R*dbull dort den Laden übernommen hat. Ob „Hoffi“ auch zum „soziales Engagement“ von Herrn Hopp zählt, weil er einem bei DSDS kläglich gescheitertem diesen Job gegeben hat, wird er uns sicherlich bald unter die Nase halten.

„Hoffi“ machte sich also weiter zum Affen, was den Dortmunder Anhang erstmalig zum Gruß an die Hoppsche Mutter animierte. Das dies entsprechend laut zuhören war zeigte sich daran, dass man die Musik gleich noch lauter machte. Aber man muss dem Gästepöbel, wo „schlechtes Benehmen und Dummheit“ (Danke Herr Schindelmeiser) zusammenkommen, zeigen, wer hier Herr im Hause ist. Das Eventpublikum im Stadion konnte das ja nicht. Oder lieber durfte, was mich dann gleich zum nächsten Highlight bringt: Das Vereinslied und das Badenerlied. Ganze 2 mal war vor dem Spiel Bewegung im restlichen Stadion, genau bei diesen beiden Liedern. Normalerweise braucht es ja keine gesonderte Aufforderung des Stadionanimateurssprechers, nicht aber so bei der großen, traditionsreichen TSG Hoffenheim von 1899. Dort werden die Menschen noch aufgefordert, ihre Schals zu schwenken und die Texte werden auf der Anzeigetafel eingeblendet wie bei SingStar auf der Playstation. Der Großteil der mitgereisten Dortmunder quittierten das erneut mit Grüßen an Herrn Hopp. Und die Musik wurde wieder laut angeschmissen. Vor dem Spiel wurde auf dem Spielfeld dann noch einem toten Fan der TSG gedacht, was ich weiter nicht kommentiere möchte. Das dieser Fan allerdings der TSG nicht viel bedeutet haben dürfte zeigte sich darin, dass man uns weiterhin mit „Scooter“, „Faithless“ und „The White Stripes“ beschallte. Da Lob ich mir den BVB, der, wenn er einem Fan in solch einer Form Gedenken lässt, dies mit Würde tut, wie es in diesem Jahr schon 2 mal leider zu beobachten war. Ich hatte jedenfalls mein Vorhaben aufgegeben, mich dem Gepöbel gegen Hopp zu entziehen. Denn wenn das, was in Hoppenheim gemacht wird, der Weg der Zukunft sein soll, wenn es nur noch um Party geht statt um Fußball, dann gute Nacht Bundesliga. Zum Glück war dann 15:30 und das Vorgramm endlich rum.

Während die Hoffenheimer „Krakäler“, aus welchen Grund auch immer, den Block mit Anpfiff verließen, regierte der Schwarzgelbe Anhang sofort das Stadion und wurde dank einer schnell Führung durch Kuba zum absoluten Regenten im Hoppschen Wohnzimmer. Das Hoffenheimer Eventpublikum wurde nur dann hörbar, wenn entweder der Schiri gegen sie Pfiff oder aber der Dortmunder Pöbel ihrem König Dietmar der I. böse Schmähgesänge um die Ohren haute. Dortmund beherrschte Spiel und Stadion über fast 90 Minuten, lediglich beim 1:1 durch Demba Ba (was besondern die „Demba Bären“ gefreut haben wird) war der Eventfan zu hören und zu sehen. Es kam zu den üblichen Pöbeleien und Gesten von der Heimseite, getoppt durch die rote Karte gegen einen aus der schon Jahre alle Jugendteams der TSG durchlaufen hat, dem Brasilianer Maicosuel. Da wurden doch glatt die BVB-Fans persönlich als Hurensöhne und Roman Weidenfeller darüber hinaus noch als W**** und Arschl**** bezeichnet. Angeblich sollen auch diverse Gegenstände auf den Torwart der Borussia geflogen sein. Ob Herr Hopp das dulden kann? Weidenfeller hingegen stellte lapidar fest:

„Ich glaube das wir gegen ein sehr gutes Team gewonnen haben. Und deswegen sag ich auch, es ist ganz wichtig das wir sportlich gewonnen haben. Das ganze Gezeter drumherum, das interessiert mich eigentlich ’nen Haufen Scheißdreck.“

Wie dem auch sei, Sahin nutzte einen Elfmeter zum verdienten 2-1 Sieg der Borussia, welcher sich im Endeffekt als riesiger Big Point rausstellen sollte, da die Mannschaften vorm BVB in der Tabelle fast alle Unentschieden spielten und eine sogar verloren hat. Also sportlich wars ein super Tag.

Nach einer ereignislosen Rückfahrt mit dem üblichen Stop beim goldenen M, ergötzte ich mich dann zu Hause an dem, was sich nachdem Spiel so alles tat. Rangnick fand den Schiri schlecht, Hildebrandt gab Weidenfeller ein Lob für seine gute schauspielerischen Leistung, die ARD setzte sich wie gewohnt neutral mit einem Thema wie 50+1 auseinander und als Krönung sah der arme Dietmar Hopp, der einfach nicht begreifen will, dass man sich für Geld nicht alles und vorallem keine Symphatien kaufen kann, dieser sah schon den Untergang des Abendlandes kommen, wenn seine Truppe, die auf Grund des bekannten Jugendstils so erfolgreich ist, gestern gewonnen hätte.

Hoffenheim-Boss wirft BVB „Brandstiftung“ vor
Die Trainer Ralf Rangnick und Jürgen Klopp hatten „nichts gesehen“, Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wollte am liebsten nicht mehr über die Krawallmacher im Borussia-Lager reden – doch der übel attackierte Dietmar Hopp konnte nicht zur Tagesordnung übergehen. „Das ist ja heute noch glimpflich ausgegangen. Aber stellen Sie sich vor: Die Dortmunder hätten nicht gewonnen. Dann hätten die Fans hier möglicherweise alles kurz und klein geschlagen“, sagte der Mäzen von 1899 Hoffenheim nach der 1:2 (0:1)-Niederlage und den unschönen Begleiterscheinungen. Das Bundesliga-Spiel stand unter dem Motto: Hass auf den Rängen, Hektik auf dem Rasen.

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Da „lobe“ ich mir Manuel N. oder auch das „Schwabelschwein“. Auch sie werden oder wurden in Dortmund aufs übelsten beschimpft, haben sich aber nie in der Öffentlichkeit so mimosenhaft darüber beschwert wie die Hoffenheimer. Und ich denke, dass die indiskutablen Rufe gegen Asamoah beim letzten Derby schlimmer waren als das, was Herr Hopp erleiden musste. Im Gegenzug kann ich als Fan auch damit Leben, wenn sich Herr N. gebührend von der Südtribüne verabschiedet. Herr Hopp und sein Gefolge können es nicht.

Apropos Blaue: Am Samstag bekommt der BVB Besuch vom 1. Fc Nürnberg, einem Verein mit langer Tradition, mit Höhen und Tiefen, einer gewachsenen Fanszene. Sportlich wird es sicherlich nicht minder schwer für den BVB, das Spiel zu gewinnen, aber wenn sie an die Leistung von gestern anknüpft, sollten 3 wichtige Punkte zu holen sein.

sinsheim

PS: Hier mal ein netter Bericht über den tollen Herrn Hopp

httpv://www.youtube.com/watch?v=IpoD8_ydTdU

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