Und jetzt?

Berlin hat in meinem Fanleben irgendwie immer einen besonderen Status. Nach Berlin fuhr ich das erste Mal ohne Begleitung von Erziehungsberechtigten mit dem schwatzgelb.de-Bus zu einem Auswärtsspiel im Jahre 2001, in Berlin erlebte ich die höchste Auswärtsniederlage (2:6) außerhalb von München in meinem Fanleben, zudem gab es in Berlin aber auch das unvergessliche Pokalfinale 2008. In Berlin verpasste ich im Jahr 2007 mein letztes Bundesligaspiel und interessanterweise ist Berlin der Ort, an dem ich gestern das 100 Bundesligaspiel in Serie gesehen habe. Nur zu Feiern gab es leider nichts.

Zu Beginn der Woche mussten mir leider meine 3 eingeplanten Mitfahrer auf Grund eines Trauerfalls absagen, so dass ich mich nach kurzer Überlegung dazu entschloss, auf Grund zu erwartender Spritpreise jeseits von Gut und Böse mit dem ICE nach Berlin zu fahren. Bei Ebay wurde dann für 50 Euro ein Lidlticket geschossen und dann ging es auch schon los. Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass der ICE um 10:48 Uhr ab Dortmund nichtso überfüllt sein würde wie der Zug eine Stunde vorher, aber das war ein richtig Griff ins Klo. Schon in Dortmund war der Zug rappelvoll mit Urlaubsreisenden, so dass ich die komplette Fahrtzeit von ca. 3 Stunden stehend verbringen musste. Zeitweise war es wie in einer Sardinenbüchse und eigentlich fehlte nur noch jemand, der die Steine für den Saunaaufguss besorgte. Aber mit einer Verspätung von nur 7 Minuten erreichte man dann Berlin-Spandau. Das tolle an Berlin ist ja, dass der ÖNPV ziemlich gut ist. Nach nur weiteren 10 Minuten war man dann mit der S-Bahn schon am Olympiastadion. Nachteil allerdings war, dass es scheinbar keine Schließfächer – oder ich hab sie nicht gefunden.

Nach kurzem Warten auf meine Eintrittskarte ging es dann auch schon ins Stadion, wo ich mich noch an der lobenswerten Aktion Remember Benny der Harlekins Berlin finanziell beteiligte. Die Jungs von TU und Co. hatte im Gästebereich ihren Part übernommen an dieser Aktion. Schön zu sehen, dass die oft gescholtenen Ultragruppierungen generell solche Aktion ins Leben rufen bzw. man sich vereinsübergreifend dafür engagiert. Leider wird sowas in der großen Presselandschaft nie erwähnt, wenn man wieder auf die entsprechenden Gruppen drauf hat. Sie sind eben nicht NUR „sogenannte Fans“.

Zum Spiel selber möchte ich einfach mal Pete Postlethwaite aus dem Film „Brassed Off“ zitieren: „Das war Mist! Von Vorne bis hinten Mist!“ Die Stimmung im gut gefüllten Gästebereich war diesmal ziemlich mau, wie eben auch das Spiel der Elf auf dem Platz. Aber man kann eben auch nicht jedes Wochenende alles in Grund und Boden singen, zumal wenn das Spiel einfach nicht läuft. Wenn die Mannschaft gut und engagiert spielt, dass ist auch automatisch mehr Stimmung in der Bude.

Die Herthaner, welche im letzten Jahr für die durschnittliche Stimmung kritisierte, wussten in diesem Jahr deutlich besser zugefallen. Sowohl optisch (Schalparade vor dem Anpfiff) als auch akustisch wussten sie zu gefallen. Mich hat es überrascht, dass die Ostkurve scheinbar geschlossen die Mannschaft unterstützte, obwohl es in Wolfsburg noch unterschiedliche Auffassungen gegeben haben soll, wie man mit der Situation umgehen sollte. Aber auch die sportliche Leistung dürfte ihren Anteil daran gehabt haben. Vielleicht packen sie es ja noch, die Liga zu erhalten. Wäre mir alle mal lieber als gegen Augsburg oder so.

Nachdem Spiel ging es das um 18:05 schon wieder mit dem ICE zurück nach Dortmund, wo der Tag dann nen miesen Abschluss fand mit dem Ergebnis aus Leverkusen. Hoffentlich richten die Bayern das in der nächsten Woche. Auf der Rückfahrt lernte ich dann noch so komische Typen kennen, die scheinbar in Deutschland den Ticketschwarzmarkt im Griff haben. Sollen wohl massig Geld machen und immer an günstige Karten kommen. Komische Freaks auf jeden Fall. Zum Glück stiegen die auch bald wieder aus.

Generell weiß ich so gar nicht, wie ich diesen Spieltag einordnen soll. Hat der BVB nun einen Punkt auf Leverkusen gewonnen oder hat man 2 Punkte auf Stuttgart und Frankfurt verloren? Sollte man sich über die verpasste Chance ärgern, dass man nicht 3 Punkte in Berlin geholt hat um den Abstand auf Leverkusen noch kleiner zu machen und sich „die da unten“ vom Leib zu halten? Oder soll man glücklich sein, trotz der miesen Darbietung in Berlin nicht verloren zu haben (Dank an den Schiri)? Soll man eher nach Unten gucken oder ist der Blick auf Platz 3 und die schwächelnden Leverkusener erlaubt? Kopf und Bauch im ewigen Duell….

Vielleicht sind wir nächsten Samstag einen deut schlauer, denn dann kommt der SV Werder Bremen ins Westfalenstadion. Bei einem Sieg kann der BVB sich nicht nur den direkten Konkurrenten vom Leib halten, sondern auch davon profitieren, dass mit Frankfurt und Leverkusen sich 2 Mannschaften duellieren, dessen Ergebnis so oder so positiv für den BVB sein könnte. Dazu spielen noch die Blauen gegen die Bayern und Stuttgart gegen Gladbach – alle zeitgleich. So Gott will, wird es ein grandioses Osterfest für alle BVB-Fans – oder eben nicht.

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