Und jährlich grüßt der Wendt

Es gibt Sachen, die sind so sicher wie der Amen in der Kirche. England verliert im Elfmeterschießen einer EM oder WM, Leverkusen verliert in München oder Babak Rafati bekommt eine 6 für seine „Leistung“ als Schiedsrichter. Ebenso sicher wie Rafatis Glanzleistungen ist es dann auch, dass Rainer Wendt – Plaudertasche und Vorsitzender der Polizeigewerkschaft – in den Medien wieder mal populistisch fordert, dass die Bundesligavereine sich an den Einsätzen der Polizei im Rahmen des Ligabetriebes beteiligen sollen. Das ist natürlich völliger Blödsinn, was aber scheinbar auch nicht jedem einleuchtet (oder einleuchten will).

Im Grunde kann ich Herrn Wendt verstehen. Macht seines Amtes vertritt er die Interessen von cirka 80.000 Amtsträgern der Polizei. Er muss sich also schon allein deshalb dafür einsetzen, dass die Truppe möglichst gute Arbeitsbedienungen hat (wobei sich mir nicht erschließt, wieso sich das ändern sollte, wenn die Vereine noch mehr Geld in den Staatstopf buttern). Darüber hinaus dürfte dem ein oder anderen auch die „klare Kante“ der „DPolG“ gefallen. Die Konkurrenz der „DPolG“, die Gewerkschaft der Polizei (GdP, 170.000 Mitglieder) hat nämlich eine etwas andere Sichtweise zu dem Thema, zumindest von man den Worten des Vorsitzenden Bernhard Witthaut glauben schenken mag. Dieser sieht nämlich „die Forderung nach einer vom Fußball zu zahlenden Sicherheitsgebühr“ als die „falsche Antwort auf die zunehmende Gewalt rund um den Fußball“ an. Bravo möchte man ihm da zurufen. Denn soviel Weitsicht würde man sich auch von Rainer „Plaudertasche“ Wendt wünschen.

Der Ruf nach Beteiligung der Bundesligaverein ist ja nun bekanntlich nichts wirklich überraschend Neues. Pünktlich, wenn die DFL einen Spielplan bekannt gibt, kommt von Herrn Wendt die erwähnte Forderung. Ein gerne genanntes Argument ist es ja, dass die Vereine soviel Geld verdienen, dass sie sich ruhig an den stetig steigenden Kosten für die Einsätze der Ordnungshüter beteiligen sollten. Zudem wären die Vereine mittlerweile mehr Wirtschaftsunternehmen den jene. Vor allem erstgenanntes ist natürlich populistischer Müll.

Nehmen wir die Fakten: Laut eines Artikels in der „Neue Osnabrücker Zeitung“ wurden in der Saison 2009/2010 6043 Strafverfahren gegen Fans der 36 Profiklubs eingeleitet. Die Einsätze der Beamten sprengten nach Angaben von Rainer Wendt „allein für die Personalkosten“ die „100-Millionen-Euro-Grenze.“ Klingt alles genau wie es klingen soll: Dramatisch und populistisch. „100 Millionen“ und „6043“ sind natürlich für sich genommen eine Hausnummer. Warum also nicht die Verursacher – für Herrn Wendt sind das unerklärlicherweise die Vereine – zur Kasse bitten?

Nun, weil es gute Gründe gibt, die dagegen sprechen. Zunächst einmal sollten wir sehen, wie viele Zuschauer denn in den Stadien waren in der Saison 2009/2010 in Liga 1 & 2. Das waren etwas über 17.000.000. Das hieße also, dass jeder 2915. Stadionbesucher im Zuge des Fußballspiels Mist gebaut und entsprechend ein Strafverfahren gegen denjenigen eingeleitet wurde. Keine Zahl, auf die man stolz sein könnte. Aber Strafverfahren bedeutet ja noch lange nicht, dass die zu Last gelegte Tat auch tatsächlich vom Angeklagten begangen wurde. Als bei den Demonstrationen zu „Stuttgart 21“ die Situation im letzten Jahr eskalierte, wurde gegen 121 Demonstranten sowie 18 Staatsdienern ein Strafverfahren eingeleitet. Würde man nun sagen, dass jeder 2915. Demonstrant ein Strafverfahren am Halse hat, müssten auf der Demo 352.715 Leute gewesen sein. Das haut aber im Leben nicht hin.

Im Stadion sind die Vereine mit den von ihnen finanzierten Ordnungsdiensten unterwegs. Im Grunde ist das auch ausreichend, wenn man von den wenigen Risikospielen absieht. Ich kann mich, mit Ausnahme der Partie gegen Frankfurt im vergangenen Mai nicht daran erinnern, dass ich mal eine große Polizeiaktion innerhalb des Stadions gesehen habe. Aber hier gab es eben auch besondere Begleitumstände. Die Sicherung des Spiels vor dem Stadion auf den An- und Abreiserouten findet meist im öffentlichen Raum statt und hier ist es schlicht die Aufgabe der Polizei, für Ordnung zu sorgen, finanziert durch Steuergelder. Man bittet ja zum Beispiel auf keinen Diskothekenbetreiber oder Festwirt zu Kasse, wenn auf dem Weg zur entsprechenden Lokalität eine oder mehrere Straftaten begangen werden. Oder den Schützenverein, wenn es außerhalb des Festzeltes eine Schlägerei gibt? Das zahlt der Steuerzahler.

Aber der wirklich entscheidende Punkt und damit das größte Argument gegen die Wünsche von Rainer Wendt ist eine Studie von McKinsey. Glaubt man dieser Studie, haben die Vereine in der Saison 2007/2008 1,7 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen gespült, dem gegenüber stehen Leistungen des Staates in Höhe von knapp 200 Millionen Euro. Daher gibt es überhaupt keine Grundlage für die Forderung der „DpolG“.

Aber so sicher wie nächste Fehlentscheidung von Rafati ist es wohl auch, dass Herr Wendt sich bei der nächsten Gelegenheit wieder mit seiner populistischen Forderung ins Gespräch bringt.

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