Skandal: BVB-Blogger Tinneff eigentlich Bayernfan

Ich zähle ja bekanntlich zu der seltenen Spezies von Fußballfan, der keine offene Abneigung gegen den FC Bayern München hat. Ich glaube weder an den Bayern-Dusel noch an eine Schiebung durch die Unparteiischen zugunsten des FC Bayern. Der Rekordmeister spielt zudem einfach in einer ganz anderen Liga, gerade finanziell. All die anderen Klubs – ob Köln, Gladbach, Bremen, Kaiserslautern, Dortmund oder die schalenlosen aus Leverkusen und Gelsenkirchen – haben den Vergleich mit dem FC Bayern sportlich wie finanziell teuer bezahlt. Und natürlich kann ich nicht verhehlen, dass ich den Bayern (und Markus Merk) dankbar bin, dass sie u.a. 2001 eben deutscher Meister wurden und den „worst-case“ verhindert haben. Wie tief der Stachel bei den Blauen darüber auch noch 10 Jahre später immer noch sitzt, durften wir ja erst am Samstagabend noch live bestaunen.*

Ich lese gerne in Blogs der Bajuwaren (und auch anderer Vereine) und diskutiere auch gerne mal mit. Aktuell hat es mir der „Paule“ von Breitnigge.de angetan, der in seinem Blogeintrag zum Spiel gegen die Hertha sich einen kleinen Seitenhieb gegen den BVB nicht verkneifen konnte. Mein heutiger Blogeintrag basiert im Grunde auf seine Antwort auf meinen Kommentar. Natürlich sind Blogs selten neutral und aalglatt. Sie sind ja auch von Fans geschrieben und sollten daher ruhig auch mal provozieren dürfen. Mache ich ja auch. Jedoch empfinde ich die Seitenhiebe der Bayern weniger als Provokation. Für mich sind sie eher Nachwehen der vergangenen Saison.  Der Stachel der Demütigung in der letzten Saison sitzt scheinbar tief. Unter „mia san mia“ stelle ich mir persönlich was anderes vor. Im Grunde weiß doch jeder, der sich für Fußball interessiert, dass die Meisterschaft der Borussia 2 elementare Gründe hat: Zum einen die eigene, bärenstarke Saison und zum anderen die schwache Saison der Bayern. In den seltensten Fällen wird doch ein anderes Team als die Bayern deutscher Meister ohne das die Bajuwaren selbst eine eher durchschnittliche Saison gespielt haben. Irgendwann in den 80ern soll ja mal so eine Saison gegeben haben, wo sowohl die Bayern als auch der Konkurrent aus München eine klasse Saison gespielt haben und erst das direkte Duell die Entscheidung brachte. Meister wurden aber doch die Bayern, wenn ich mich recht erinnere. Man könnte sich als doch locker denken: „Was kümmert es die Eiche, wenn sich die Wildsau dran reibt.“ Tun sie aber nicht. Sie brauchen den Seitenhieb auf den BVB.

Dass die Medien natürlich schon längst wieder den bayerischen Fußball mit dem des FC Barcelona vergleichen, überrascht da natürlich auch wenig. Letztes Jahr war es der beeindruckende Fußball der Borussia, nun halt die Rekordjagd der „Rekord-Bayern“. Armselig wird es aber schon, wenn man nun anfängt, Äpfel mit Birnen – sprich die BVB-Saison 2010/2011 mit der aktuell von Bayern dominierten Saison 2011/2012 zu vergleichen, wie im Stern geschehen. Ob der Autor – Markus Krämer von Sportal.de – Bayernfan ist, ist nicht überliefert. Aber verwunderlich wäre es nach dem einseitigen Artikel jedoch nicht. Natürlich ist der Kader 2011/2012 der Bayern stärker als der des BVB 2010/2011. Und natürlich hatte der BVB letzte Saison weniger Vorsprung als der Rekordmeister heuer. Dieses Jahr ist ja auch kein Team mit 7 Siegen in die Saison gestartet, nicht mal Bayern München. Und natürlich sind die Roten aus München mit besseren Einzelspielern bestückt. Aber andere Punkte verschweigt der Schreiberling lieber.

Warum zum Beispiel geht der Autor nicht darauf ein, dass alle Spieler im Kader der Borussia weniger Champions League Spiele auf dem Rücken hatten als Bastian Schweinsteiger alleine? Oder das die Bayern sich für ihren aktuellen Kader mit deutlich mehr Geld auf dem Transfermarkt bedienen haben als es der BVB getan hat für den Meisterkader? Liegt auf der einen Seite der Glanz der Meisterschaft 2010/2011 nicht viel mehr darin, aus unerfahrenen Talenten eine Meisterschaft auf die gesehenen Art und Weise zu dominieren und auf der anderen Seite der Erfolg der Bayern darin, neue Spieler zu kaufen, zu integrieren und damit die Schwachstellen der letzten Saison zu schließen?  Es sind also 2  völlig unterschiedliche Grundlagen, auf denen die jeweilige Dominanz basiert.

*Natürlich wäre das vermutlich auch in Dortmund, Kaiserslautern oder sonst wo passiert.

10 Antworten auf „Skandal: BVB-Blogger Tinneff eigentlich Bayernfan“

  1. Du hättest aber ruhig auch bei mir direkt antworten können… 😉

    Aber zu Deinem Beitrag.

    Wieso fühltest Du Dich erst nach meiner Antwort auf Deinen Kommentar genötigt einen eigenen Beitrag dazu zu schreiben?

    Soo schlimm war die Antwort doch jetzt auch nicht. Eher erklärend. Weshalb wir Bayern (seit dem ersten Spieltag) ab und an gerne mal auf dem BVB rumhacken. Wobei es ja, dies sei hier noch einmal erwähnt, gar nicht um die Geringschätzung der letzten Saison geht, denn da waren wir – vor allem in der Hinrunde – mehr als schlecht und ihr mehr als gut.

    Es ging und geht uns vor allem um eine Replik auf die Barca-esken Lobeshymnen nach dem Eröffnungsspiel in diese Saison. Und hier vor allem aus dem Kreise der Medien.

    Was da abging war an Penetranz kaum noch zu ertragen. Deshalb und zumeist nur deshalb kann ich mir einen Satz, ein Wort zum aktuellen BVB oft nicht verkneifen.

    Ich finde es erfrischend, dass es BVB’ler wie Dich gibt, die offenbar die letzte Saison korrekt einordnen und sich tatsächlich an meinen Ratschlagen gehalten haben, alles einfach nur so lange zu genießen wie es dauert und dass diese Saison um einiges schwieriger werden dürfte.

    Persönlich hatte ich den Eindruck, dass nicht das gesamte schwarz-gelbe Umfeld so dachte.

    Ach und Herr Dickel und Netradio-Kollege sind natürlich auch immer wieder Grund für diverse Schenkelklopfer. Mehr iss aber wirklich nicht… 😉

    1. Ich habe mich nicht genötigt gefühlt, ich wollte eh mal was dazu Schreiben und dein Beitrag war ein guter Aufhänger. Wollte deinen Blog halt auch nicht mit einem BVB-Posting überstrapazieren 🙂 Im Grunde warst du „nur“ der Aufhänger, der mir gefehlt hat. Das der Stern da noch so ein „tollen“ Beitrag raushauen würde, damit konnte ich nicht rechnen und ich wollte den Antexter nicht komplett vernichten.

      Natürlich gibt es auch im unserem Lager die Sorte Fan, die nun und gerade nach dem Hamburgspiel geglaubt haben, dass wir den Bayern auch in diesem Jahr Zeigen, das ein Fernglas manchmal nicht ausreicht, um uns noch zu sehen. Aber die haben es auch nicht besser verdient.

      Ich denke, dass wir in Tenor ziemlich gleich liegen: Die Saison war einmalig, ein Hochgenuss sozusagen. Und die Medien sind halt immer auf der Suche nach Neuem. Gibts für die Bayern in der CL einen auf die Mütze irgendwann, wird der Boulevard wieder drauf hauen (außer auf den Philipp 😉 )

  2. Bayernfan? ich muß gleich mal den Blog aus dem feedreader kicken 😉

    Wird nicht immer der Meister der letzten mit dem Kandidaten dieser Saison verglichen? Das ist doch normal.

    Und die Bayernarroganz ist mir auch lieber als das Geheule. So ist es um Platz eins eben geschehen und wir schauen zu, wie sie im Halbfinale der CL scheitern. Hat doch auch was.

    1. Genau das meine ich. Eigentlich schenkt man dem BVB viel zu viel Beachtung. Jetzt kommt der Rummenigge und redet sich ein, dass der BVB ein Konkurrent im Kampf um die Schale wäre. Das halte ich für unrealistisch. Aber die Medien nehmen das auf und nerven dann wieder mit den stetigen Vergleichen.

      1. Moment mal! Ich glaube schon, dass Rummenigge Recht hat. Allerdings dürfte zwischen Borussia und den Bayern ein mächtiger Punkteunterschied liegen. Aber für die Bayern wird man damit trotzdem bis zum bitteren Ende der Konkurrent um den Titel sein. 😉

        Die Medien sollte man immer mit Vorsicht betrachten. Die meisten Journalisten schreiben doch über Themen an denen sie gar nicht nah genug dran sind. Grad bei unserm BvB wird dies immer wieder deutlich. Wer spricht denn noch von einer Ausnahmesaison und stuft uns demnach richtig ein (von der Fast-Pleite und unserer damit verbundenden Einkaufspolitik fang ich erst gar nicht an)? Da muss man sich als Leser rauspicken was man braucht, entweder die passenden Lobeshymnen oder die passende Kritik.

        Diese Saison ist deutlich schwieriger, das war klar. Eigentlich sind die Vorzeichen umgekehrt (natürlich bei völlig verschiedenen Erwartungshaltungen). Der Meister wird immer mit 110% bespielt und man stellt sich hinten rein. Die Bayern waren es letztes Jahr und konnten, trotz viel Ballbesitz und vieler Chancen, nicht dagegen anspielen, wir sind es nun dieses Jahr und tun uns auch teilweise sehr schwer. Aber im Endeffekt spielen wir erneut eine klasse Runde. Unser Spiel hat sich nicht groß verändert, lediglich die kreative 6 braucht noch eine Weile. Trotzdem stehen wir momentan auf Rang 3 mit 16 Punkten. Dieses Gefasel von einer Krise beim Meister habe ich eh nicht verstanden. Was erwarten die Leute denn? Ich wäre am Ende auch mit dem 6. Platz zufrieden (und an Platz 6 waren wir zu jeder Zeit dran). Solang die Einstellung stimmt, und das tut sie, mache ich mir keinerlei Gedanken. Vielmehr genieße ich grandiose Auftritte wie gegen den HSV oder Siege wie jetzt gegen Werder Bremen. Und Niederlagen gehören halt auch zum Sport dazu, wenn man sich nach der vergangenen Spielzeit auch erstmal wieder dran gewöhnen musste.

        Am Ende werden wir erneut in die Championsleague einziehen. Die Bayern? Sie werden wohl zurecht als Titelverteidiger in die 50. Saison der Fußballbundesliga gehen.

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