Sezierstunde 2010/2011: Fc Sankt Pauli

Nach dem vorgestern Florian den Hamburger Sport-Verein e.V. seziert hat, kommt nun Jekylla zu Wort. Jekylla ist, wie unschwer an ihrem Blog zu erkennen, Fan des Hamburger Stadtteilvereins, dem FC Sankt Pauli, welcher eine kuriose Saison mit Derbysieg, Abstieg, Stani-Abschied und Becherwurf hinter sich hat. Was am Ende am ehesten hängen blieb im Norden erzählt euch Jekylla. Viel Spaß dabei.

1. Wie fällt dein/euer Fazit zur Saison deines/eueres Vereins aus?
Durchwachsen. Alles drin, von verhaltener Zuversicht über vorsichtige Euphorie bis hin zu verständnisloser Resignation. Vermutlich ging es dem Team genauso, zumindest hat man über den Saisonverlauf den Eindruck. Fazit? Ein in vielerlei Hinsicht interessantes Jahr, sowohl in Bezug auf das sportliche Ergebnis wie auch auf Entwicklungen innerhalb des Vereins und der Fanszene. Das Erlebnis 1. Liga war auf jeden Fall lehr- und aufschlussreich. Aber das Ergebnis unterm Strich, der Abstieg in die zweite Liga, gerechtfertigt und bei Weitem nicht so schlimm, wie viele meinen.

2. Wo sind die Stärken deines / eueres Vereins?

Die Stärken des Vereines liegen weniger in technisch hochqualifizierten Spielern, die wir uns ja auch nicht wirklich leisten können, sondern in denen mit viel Herz und Kampfgeist, die Mankos im spielerischen Bereich durch Einsatz ausgleichen. Der Team Spirit, den wir in der Aufstiegssaison gezeigt haben und der zu Beginn der Hinrunde auch noch zu sehen war, ist extrem wichtig für eine derart aufgestellte Mannschaft, man hat gesehen, wohin der Weg ging, als es begann zu kriseln. Abwärts.

3. Wo besteht Handlungsbedarf?
Zur Zeit besteht durch die diversen Abgänge quasi überall Handlungsbedarf. Ob Marius Ebbers zu alten Zweitliga-Stürmerqualitäten zurückfinden wird, weiss man ja nicht, im Sturm hat es ja mächtig gehapert bei uns, nach vorne ging nicht viel. Unsere Defensive war mal stark zu Beginn, wie schnell sie allerdings nach den Ausfällen von Rothenbach und vor allem Zambrano auseinandergefallen ist, hat man gesehen. Allerdings sind Thorandt und Morena verlässliche Spieler, die ja beide bei uns bleiben. Man sagt, das Mittelfeld wird durch den Abgang von Matthias Lehmann nach Frankfurt sehr geschwächt, aber da sehe ich durchaus Potential in Dennis Daube. Zu den Neuzugängen kann ich gar nichts weiter sagen, ich weiß noch zu wenig über sie, ich vertraue da mal unserem neuen Trainer, über den ich allerdings auch noch zu wenig weiss.

4. Wo seht/siehst ihr/du euren/deinen Verein in der kommenden Saison?
Wo ich den Verein gern sehen würde, wäre nach einer Konsolidierungsphase im oberen Drittel der Tabelle. Ob das machbar ist, werden die ersten Spiele schon zeigen. Ich denke nicht, dass es sinnvoll wäre, gleich wieder über den Aufstieg zu reden, das ist mir persönlich auch nicht wichtig. Ich möchte das zurück, was uns immer ausgezeichnet hat. Den Mannschaftsgeist. Eine funktionierende harmonische Truppe, die auf dem Platz alles in die Schale wirft, was sie hat. Da können sie zumindest sicher sein, dass die unverbrüchliche Unterstützung der Fans mit ihnen ist. Ergebnisunabhängig.

5. Wie beurteilt/beurteilst ihr/du die abgelaufene Saison? Was hat dir/euch gefallen? Was war enttäuschend?
Wie schon gesagt: lehrreich. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle war schon interessant. Zu Beginn war man vorsichtig optimistisch, aber immer mit dem Wort „Abstieg“ auf Du und Du. Die Hinrunde gab dann Anlass zu leichter Euphorie, da hatte man das Gefühl, da geht was. Bis dann der Einbruch kam, meines Erachtens aber schon deutlich vor dem Spiel gegen den Vorstadtverein im Februar, das ist nur der datumsmässige und zählbare Einbruch. Danach ging ja so gut wie nichts mehr.
Gefallen haben mir natürlich die beiden Derbys, nach über dreissig Jahren zunächst ein Unentschieden und dann der Derbysieg – das tröstet auch viele andere über den verkorksten Rest hinweg.
En detail war es aufschlussreich über einige Spieler im Einzelnen, die mir bei Weggang auch nicht fehlen würden und bei manchen stelle ich fest, dass ich sie sehr vermissen würde.
Enttäuschend war für mich persönlich auch die Leistung –und das ist nicht allein aufs Sportliche bezogen- von Gerald Asamoah, da haben wir wohl in vielerlei Hinsicht zuviel hineineuphorisiert. Was allerdings auf der anderen Seite heisst, dass uns auch vermeintlich hochkarätige Einzelverpflichtungen nicht so viel nützen wie eine in sich vor allem mental starke Mannschaft. Da müssen wir wieder hin.
Vieles, was den Verein und die Vereinsführung angeht, wird in den kommenden Monaten hinterfragt werden (müssen), auch da war das Abenteuer 1. Liga nützlich, viele der Fans wissen jetzt noch ein bisschen besser, was das alles in letzter Konsequenz mit sich bringt.

Wie man vielleicht bemerkt hat, hielt sich die Abstiegstrauer in sehr übersichtlichen Grenzen, ich denke, das zeichnet uns auch ein bisschen aus, dass wir den Überblick und den Realitätssinn nicht verloren haben. Die Selbsteinschätzung kommt schon hin, wir sind ab Mitte Juli zunächst einmal da, wo wir hingehören. Ob wir gekommen sind, um dort zu bleiben? Mal sehen.

Hier wie immer die Gesamtübersicht.

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