Schwein gehabt…

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Manchmal erwische ich als Fan dabei, dass ich dem BVB absolut nichts zutraue. Das ist regelmäßig gegen Bayern München so und bei den Derbys sowieso. Während die meisten User im BVB-Forum wilde Tipps abgeben und nur über die Höhe des Sieges diskutieren denke ich mir immer: Hochmut kommt vor dem Fall. Und selbst als befreundete Stuttgarter im Vorfeld kein gutes Haar an ihrem Team ließen, konnte das meine negative Grundstimmung nicht wirklich ändern. Aber manchmal irre mich ja gewaltig und die Truppe von Jürgen Klopp belehrt mich eines Besseren. Wie eben am Sonntag in Stuttgart.

Nachdem wir die verregnete Hinfahrt problemlos hinter uns gebracht hatten, fuhren wir in Kolonne mit dem TU-Bus und circa 20 Autobesatzungen nach Stuttgart zur Baustelle Neckarstadion. Auf Grund des Wetters ging ich relativ schnell in den Block und vertrödelte die Zeit mit Gesprächen über Baku und die kommenden Aufgaben im Europacup. Für Kopfschütteln sorgte das Zwischenergebnis der Partie von Leverkusen und Gladbach, die mit 6:3 endete. Für die Fohlen! Da spielt Leverkusen eine Woche vorher in Dortmund und unsere nicht gerade schlechte  Offensive sieht kein Land gegen Hyypiä und Co. Und dann kommen die Niederländer und hauen denen mal eben 6 Stück um die Ohren. Aber irgendwie passte das auch alles zu diesem Spieltag. Dann begann das Spiel und der BVB war sofort Chef im Ring.

Entgegen meiner Erwartung hatten die oben genannten Stuttgarter tatsächlich recht. Der VfB sah in der ersten Halbzeit kein Land gegen den BVB, der aber auch erstaunlich forsch zu Werke ging. Der Abstand zwischen Abwehr und Mittelfeld war bei den Stuttgartern so groß wie das Regengebiet über Deutschland. Entsprechend des Wetters und der Temperaturen glaubten die Stuttgarter scheinbar, dass schon Weihnachten ist und Georg Niedermeier mimte auch direkt den Weihnachtsmann. War beim ersten Tor noch Khalid Boulahrouz derjenige, dem Marcel Schmelzer sein erstes Tor in einem Pflichtspiel des BVB zu verdanken hatte, so verteilte Niedermeier beim 0-2 ein kleines und beim 0-3 ein  großes Geschenk an Barrios bzw. Mario Götze, der ebenfalls zum ersten Mal in der Bundesliga traf. Als Niedermeiers „Little Helper“ fungierte beim 0-3 auch Sven Ulreich. Sein Gegenpart Roman Weidenfeller überprüfte die Baustelle hinter ihm derweil hinsichtlich der Einhaltung der Bauvorschriften in baurechtlicher und bautechnischer Hinsicht.

In Halbzeit 2 wurde der VfB dann um einiges besser, während die Borussia deutlich Gas rausnahm. Dennoch kam man immer wieder zu Torchancen, die allerdings allesamt vergeben wurden. Der VfB nutze aber die wenigen Fehler Borussia ebenfalls nicht konsequent und kam somit nur noch zum 1:3 durch Cacau. Weidenfeller hat sich hier galant bei der Flanke von Kuzmanovic verschätzt und tauchte unter dem Ball durch. Danach erhöhte der VfB nochmal den Druck, kam aber ausschließlich über die linke Seite, wo der verwarnte Schmelzer mächtig taumelte, aber nicht fiel. Ebenfalls scharf am frühzeitigen Duschgang rauschte Sebastian Kehl vorbei. Schwein gehabt könnte man sagen. Oder sich beim Schiedsrichter bedanken. Interessant fand ich, dass Klopp beide Spieler nicht runternahm. Mut hat er. Ab der 80. Minute war dann auch beim VfB die Luft endgültig raus und man fügte sich der Niederlage.

Die Stimmung auf Dortmunder Seite war in Ordnung, aber auch nicht so, wie wir es gewohnt sind. Leider war das Megaphon verboten, so dass eine Koordinierung der Gesänge auch schwer war. Interessant waren dann lediglich noch die 2 Clowns am Zaun, die mit ihrem Mittelfinger die anwesenden Stuttgarter begrüßten. Unerfreulich hingegen, dass im Oberrang des Gästeblockes Stuttgarter saßen, die nach der Niederlage so allerlei Zeugs in den Gästeblock warfen. Ansonsten ist der neue Gästeblock ganz passabel. Man hat gute Sicht und ist nicht mehr soweit weg vom Feld wie früher.

Die Schwaben stehen auf Grund der Umbaumaßnahmen „ihrer“ Cannstatter Kurve aktuell nicht in ihrem Stammblock, so dass eine Beurteilung der Stimmung hier unangebracht wäre. Pöbeln konnten sie allerdings ebenfalls unter Einsatz ihrer Mittelfinger auch ganz gut. Auch die typischen „Ultragesten“ fehlten natürlich auch nicht.

Nachdem Spiel standen wir noch eine Stunde im Parkhaus, beobachten die Polizei beim notieren aller Kennzeichen, die nicht mit S – XX begannen und amüsierten uns über ein Ehepaar. Der Ehemann profilierte sich im Dictus als Verkehrspolizist in spe während seine Frau am Steuer sitzend die Reste aus den Bierdosen vernichtete, die er nicht mehr trinken wollte. Auf der Rückfahrt  fühlte ich mich dann zeitweise eher wie auf einem See als auf der Autobahn und so zog sich die Rückfahrt auf 6 Stunden hin (Hinfahrt 4 Std.). Schwein hatten wir erneut, als uns in einer Baustelle auf der A45 eine Gruppe suizidgefährdeter Wildschweine vor der Nase herlief. Die Kollision konnte Dank guter Reaktion meinerseits und eines anderen Verkehrsteilnehmers vermieden werden. Gegen 2 Uhr war ich dann in meiner Koje und verschwand im Reich der Träume.

Dank des heutigen Sieges kann der BVB entspannt in die 2-wöchige Länderspielpause gehen  und sich auf kommenden heißen Wochen vorbereiten. Am 11. September gastiert dann der VfL Wolfsburg im heiligen Westfalenstadion. Man darf gespannt sein, ob der BVB die Schwächen der Wolfsburger Abwehr ebenfalls so gnadenlos ausnutzen kann, wie es die Mainzer am letzen Samstag taten.

2 Kommentare zu “Schwein gehabt…

  1. Tja, da war ich, Wenigfahrer und Viel-in-der-Kneipe-Gucker, natürlich beim ‚falschen‘ Spiel am Sonntag zuvor. Ich finde übrigens, dass Weidenfeller nix dafür konnte beim Gegentor. Die Flanke war zu hoch und wenn er rausgekommen wäre, hätte Cacau den Ball vermutlich anders reingemacht.

    • Ich fand schon, dass Weidenfeller die Flanke unterschätzt. Natürlich hätte Schmelzer sie auch verhindern können. Aber gut. So dramatisch war es ja nicht 🙂

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