Sahin darf gerne zu den Bayern wechseln

Da ist es also, dass von mir schon vor Wochen „befürchtete“ Interesse des FC Bayern für Nuri Sahin. Diesmal stand es auch nicht in der von mir boykottierten Bildzeitung, sondern im Kicker. Im Rahmen des Europacupspiels gegen Paris wurde Sahin dann darauf angesprochen und antwortete, dass man beim Thema Ausstiegsklausel „falsch informiert sei“, er sich in Dortmund „wohl fühle“ und er sowieso nächstes Jahr „noch in Dortmund spiele“. Die Beurteilung, ob das nun überzeugend war oder nicht überlasse ich Anderen. Den wichtiger als die Personalie Sahin ist eh eine andere: Die von Jürgen Klopp.

Zugegeben, ein Verlust von Sahin wäre zunächst erst einmal ein riesen Verlust, menschlich wie sportlich. Er verkörpert das, was man sich allgemein als Fan wohl unter einer Identifikationsfigur versteht: Er kommt aus der Gegend, war in Jugendtagen bereits beim BVB und machte nie einen Hehl aus seiner Verbundenheit zum BVB. Er weiß über die Bedeutung des Derbys, er jubelte schon als jugendlicher Spielern wie Koller und Rosicky zu. Man nimmt ihm also ab, dass er Borusse durch und durch ist.

In einem Interview vor etwas mehr als ein Jahr bei Schwatzgelb.de äußert sich Sahin einmal so über seine Verbindung zum BVB:

Ich wünsche mir nichts mehr als den Derbysieg, das ist doch normal. Ich bin in der Jugend von Borussia groß geworden, habe in der Jugend Derbys gespielt und weiß einfach, worum es geht. Borussia ist mein Verein, das kann ich nur betonen. Mats lacht immer darüber, dass ich das so oft sage, aber es ist einfach mein Verein und auch wenn ich irgendwann nicht mehr hier sein sollte, wird es immer mein Verein bleiben. Ich habe dem Verein einfach sehr viel zu verdanken und werde immer Borussia-Fan bleiben.

Es erinnert mich irgendwie ein bisschen an Jan Koller. Dieser war absoluter Publikumsliebling beim BVB, selbst nach seinem Wechsel und der Wiederkehr mit dem 1. FC Nürnberg. Denn Jan Koller war eines immer: Ehrlich. Und dies ist auch Nuri Sahin in meinen Augen (auch wenn ich gestern mich etwas anders geäußert habe). Im weiteren Verlauf intensivierte Sahin noch seine Aussage zu einem möglichen Vereinswechsel:

Ich bin sehr froh hier, bin angesehen, habe ein super Umfeld, ein super Team, einen Trainer der mir vertraut und einen Verein der mir vertraut. Meine Familie lebt hier, ich spiele in einem der schönsten Stadien der Welt, es gibt keinen Grund irgendetwas anderes zu machen. Ich kann jetzt aber nicht sagen „Ich werde mein Leben lang hier bleiben“, das habe ich einfach nicht in der Hand.

Es ist aus meiner Sicht verständlich, dass ein Spieler von der Klasse eines Sahins in seinem Leben Titel gewinnen will und regelmäßig auf der Bühne Champions League Vorstellungen geben möchte. Und das kann ihm der BVB nicht garantieren. Dortmund hat den Spielern nur in einer Sache mehr zu bieten als die Bayern: Ruhm. Sahin ist in München einer unter vielen Bankdrückern Spielern, in Dortmund kann er einer Legende werden und in einer Reihe mit Ricken, Preißler, Emmerich, Lenz, Dickel oder Jacobi genannt werden. Aber sollte sich Sahin irgendwann dazu entscheiden, zu den Bayern zu gehen, dann sollten wir Fans das akzeptieren und ihn wie Jan Koller behandeln. Die Aussagen bei Sat1 würde ich (mit etwas Abstand) nicht für bare Münze nehmen bzw. ihm vorhalten, sollte er tatsächlich im Sommer 2011 wechseln.

Wie oben schon angekündigt gibt es beim BVB aktuell auch eine wichtigere Sache als ein Verbleib von Nuri Sahin, nämlich der selbige von Jürgen Klopp. Wenn es einem Trainer zuzutrauen ist, kommende Spielerverkäufe von Stammspielern zu kompensieren, dann Jürgen Klopp. Und diese Verkäufe werden kommen, ob man das möchte oder nicht. Das ist nun mal die Vereinsphilosophie der Borussia. Spieler auf Teufel komm raus zu halten hat uns schon mal fast das sportliche Leben gekostet. Das möchte ich einfach nicht noch mal erleben. Die Bremer sind dort ein gutes Beispiel: Sie haben in den letzten Jahren immer junge Spieler geholt, oben mitgespielt und immer wieder Stars verkaufen müssen, egal ob Rost, Ismael, Pizzaro, Diego, Özil, Klose, Frings oder Micoud. Der Trainer war immer Thomas Schaaf. Kontinuität auf der Trainerposition sollte also auch beim BVB absolute Priorität genießen.

4 Antworten auf „Sahin darf gerne zu den Bayern wechseln“

  1. Du hast vollkommen Recht, was Jürgen Klopp betrifft. Diese Personalie ist bei uns bei weitem die wichtigste. Den Mann im Hintergrund, Michael Zorc, sollte man natürlich auch nennen. Trotzdem hoffe und glaube ich, dass ein Vereinswechsel nächsten Sommer für Nuri noch kein Thema ist. Ich glaube nicht, dass er ausgerechnet dann wechseln will, wenn er mit dem BVB etwas erreicht hat – und sei es nur, uns in der Europa League zu etablieren. Deshalb denke ich, dass er die Entwicklung abwarten und noch mindestens bis 2012 bei uns spielen wird.

    1. Kann natürlich sein. Wir stecken ja nicht drin im Nuri. Mir ging es auch eher darum, dass man seine Entscheidung für einen Wechsel (sofern sie kommt) dann auch akzeptieren sollte. Sahin hat viel für den BVB getan und dann sollte man ihm ein Wechsel zu einem der großen Klubs auch gönnen.

  2. Ganz ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen, dass Sahin innerhalb der Bundesliga wechselt. Es kann sein, dass er in ein paar Jahren weg ist, aber er würde dann eher nach England oder Spanien gehen.

    Allerdings wird Sahin die Mannschaft nicht im nächsten Jahr verlassen. Wir haben eine junge Mannschaft und ich denke, dass er jetzt viel Spaß in Dortmund hat (das liegt an den Spielern, dem Trainer und den Fans). Wenn BVB weiterhin erfolgreich ist (und nächstes Jahr wieder in der EL oder vll sogar CL spielt), dann hätte Sahin auch kein Grund Borussia zu verlassen

    1. Naja erstmal müssen wir was erreichen mit dem BVB. Klar, wir können ihm auf der emotionalen Schiene mehr bieten als die großen Klubs, nur wenn wir am Ende einbrechen und 6.-7. werden, denkt er vielleicht drüber nach. Könnte mir auch vorstellen, dass vieles dabei auch mit der Verlängerung bei Klopp zusammenhängt. Wir werden sehen.

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