Milchmädchenrechnung

Tabellen und Statistiken sind bekanntlich ja was feines. Man bekommt schwarz auf weiß Zahlen, Daten und Fakten geliefert, die unumstößlich sind. Und weil das da ja alles so „schwarz auf weiß“ steht, übernehmen viele Medien eine Statistik kommentarlos. So wie hier und hier. Eine dieser tollen Statistiken hat nun die Firma Meedia, die auch in die Kategorie „Milchmädchenrechnung“ passt, veröffentlicht. Hierbei geht es um die durchschnittlichen Zuschauerzahlen bei Sky nach dem 7. Spieltag. Mit einem auf den ersten Blick interessanten Ergebnis.

Laut den Angaben von Meedia liegen zwischen Rekordmeister Bayern München und dem aktuellen Champion aus Dortmund 6 andere Vereine. Unter diesen Vereinen ist auch die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH, gegen die BVB-Geschäftsführer Watzke ja so gerne schießt und sich über die Verteilung der TV-Gelder beschwert. Dumm halt nur, dass diese Statistik klar belegt, dass Bayer 04 Leverkusen mehr Leute vor die Flimmerkiste zieht als der BVB.

Klar, dass die Bayern auf Platz 1 stehen, dürfte keinen überraschen. Bayern polarisiert einfach am meisten. Da schauen dann die einen zu, weil sie Bayern gewinnen sehen wollen, dann die Fans des Gegners und dazu noch diejenigen, die gerne eine Niederlage des Rekordmeisters sehen möchten. Auf Platz 2 folgen dann die Blauen, die zwar über eine große Fanbasis verfügen, jedoch auch davon profitieren, dass sie 1. häufig am Sonntag spielen und somit keine Konkurrenzspiele zeitgleich haben und zum 2. hatten sie die Bayern zu Gast, was den Schnitt erheblich beeinflusst haben dürfte.

Auf Platz 3 kommen dann schon die Leverkusener. Der Verein also, der so viele Fans vor den TV-Bildschirm lockt, dass man beim Privatsender Sat1 nicht eine Minute der Champions League Auftritte der Werkself live zeigen will (Stand: 27.09.2011). Und auch in der Sky-Tabelle trügt der Schein gewaltig. Leverkusen spielte u.a. am Freitag in Augsburg, sprich ohne Konkurrenz und zudem 2x um 18:30 Uhr ebenfalls ohne Konkurrenzspiel. Das man dabei auch noch in erster Linie von den Gegnern in diesen beiden Spielen profitierte, Borussia Dortmund und Bayern München, rundet das Thema dann ab*. Es folgen mit Mainz und Hannover 2 Klubs, die regelmäßig am Sonntag spielen und davor rangiert noch die Borussia aus Mönchengladbach, die eben auch schon den FC Bayern zum Gegner hatte, an einem Sonntag.

Warum aber liegt der BVB auf Platz 8? Dies hat vermutlich mehrere Gründe: Natürlich profitiert auch der BVB von seinen Gegnern. Wenn man statt gegen Leverkusen, Hoffenheim oder Mainz gegen Klubs wie Bayern oder die Blauen gespielt hätte, wären die Zahlen deutlich höher. Des Weiteren muss man auch berücksichtigen, dass die Partie der Borussia gegen den HSV live im Free-TV zusehen war. Da fehlen also dann einige Zuschauer die dem BVB die Daumen drücken als auch die Symphatisanten der Hamburger. Und zum Schluss spielte der BVB sehr oft um 15:30 (was mich als Stadiongänger natürlich freut), so das man zum einen Konkurrenzspiele hat und zum anderen die Konferenz. Da kann man halt nur nicht messen, für welchen Verein der Zuschauer da nun jubelt.

Fazit:
Die Statistik, so wie die Meedia veröffentlicht hat, kann man im Grunde in die Tonne schmeißen, denn sie sagt kaum etwas über die tatsächlichen Zuschauerzahlen aus. Außer bei Hoffenheim. Nimmt man da noch die Partie gegen den BVB raus, dürften die sich bei 0,01 wiederfinden.

 

*Eine weitere Bestätigung der Zugkraft der Bayer 04 Leverkusen Fussball GmbH gab es am vergangenen Mittwoch. Laut dwdl.de schauten 10.000 Abonnenten die Partie der Bayerelf gegen Genk in der Champions League. Parallel hatte die Partie zwischen Marseille und dem BVB 190.000 Zuschauer, obwohl das Spiel auch im Free-TV zusehen war. Ich will aber auch nicht verhehlen, dass Genk nicht gerade die schönste Braut ist.

10 Antworten auf „Milchmädchenrechnung“

  1. Ich bin ja ohnehin nicht Watzkes Meinung. Ich denke, die Verteilung der Gelder sollte nach sportlich fairen Kriterien erfolgen und nicht nach weichen Fakten wie dem Zuschauerzuspruch, die noch dazu, wie du richtig sagst, allen möglichen Einflüssen unterworfen sind. Nicht nur die Werks- und Privatclubs wie Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim hätten darunter zu leiden, sondern auch kleine Vereine wie z.B. Augsburg oder Freiburg. So wenig man die Augsburger wirklich in der ersten Liga braucht, so unfair wäre es trotzdem, sie finanziell noch mehr zu benachteiligen.

    1. Solange sich Wolfsburg und Leverkusen von einem Konzern und Hoppenheim von einem weinerlichen Mäzen finanzieren lassen, kann ich keine Gründe sehen, warum ausgerechnet beim der Verteilung der TV-Gelder plötzlich solidarisch gehandelt werden soll. Dortmund, Bayern, HSV, S04 und mit Abstrichen Köln, Gladbach und Lautern verzichten auf eine Menge Geld zum Vorteil der Werksvereine und das TSG.

      1. Ja, aber wie ich schon geschrieben habe: Es gibt eben nicht nur die Werksklubs, sondern auch die Augs- und Freiburgs. Und vor allem hat noch niemand ein praktikables Modell vorgeschlagen, nach welchen Kriterien denn die Fernsehgelder alternativ berechnet werden könnten. Ist auch eine Frage der Messbarkeit.

  2. Die Zahlen für Dortmund sehen auch „gesäubert“ nicht gut aus. Wenn man sich die Sa 15h30-Spiele betrachtet und alle Spiele gegen die Bayern rausnimmt, hat Dortmund einen Schnitt von 36.000 Zuschauern bei SKY. Damit stünden sie nur an 11ter Stelle (ohne Bayern).

    Vor dem BVB liegen: Werder, Schalke, Nürnberg, Stuttgart, Gladbach, Lautern, Hannover, Hertha, HSV, Mainz.

    Der Schnitt (ohne Bayern) liegt bei 42.000. Leverkusen und Hoffenheim haben 20 bzw 22.000 Zuschauer. Wolfsburg ist ganz unten: 6.000(!).

    Die IMHO schwachen Zahlen des BVBs zeigten sich schon letzte Saison, als der BVB es trotz des Titels nicht ins obere Quotendrittel schaffte. 

    Ich habe keine Erklärung dafür, besonders wenn man die Größe der Stadt Dortmund berücksichtig. Der eigene IP-TV-Sender kann es auch nicht sein — siehe HSV, der ebenfalls einen eigenen Abkömmling von Liga Total! hat.

    1. Ein Erklärungsversuch, für den es allerdings keinerlei Beweise gibt: Der BVB könnte die gegenüber einigen der anderen Vereine ‚geselligeren‘ Fans haben, die lieber zusammen in der Kneipe (oder natürlich im Stadion) Fußball schauen. Die Zahl der Kneipenschauer ist ja nicht messbar. Die Erklärung muss nicht jedem einleuchten und muss auch nicht stimmen, aber es gibt natürlich schon Unterschiede zwischen den Fankulturen der Bundesligavereine.
      Ansonsten wüsste ich noch gerne die Größe der Stichprobe, auf der die Zahlen von Media Control beruhen. Ich habe ehrlich gesagt gar keine Ahnung, wie die Zahlen bei Sky erhoben werden, ob das genauso ist wie beim Free-TV.

      1. Die semi-öffentlich bekanntgebenen Quoten von SKY stammen auch von der GfK/AGF, wie beim Free-TV. Das Panel ist unsäglich klein (beim Start im April waren es zw. 200 und 300), was nach Aussage von SKY bei den kleineren Zahlen (gemeint vermutlich: < 50.000 oder 100.000) ein Problem ist, nicht aber bei großen — und das Problem beträfe eh alle Bundesligisten.

        An "geselligere" BVB-Fans mag ich nicht glauben. Zumindest nicht so krass im Vergleich zu S04, HSV oder Nürnberg…

    2. Dortmund hatte mit Hoffenheim, Nürnberg, Hertha und Augsburg aber auch beileibe keine Krachergegner. Eigentlich sind die Skyzahlen auch nur peripher relevant. Ein eindeutiges Zeichen der Attraktivität eines Klubs für den TV-Markt liefern  die Zahlen des Free-TV. Letztes Jahr in der Euroleague und dieses Jahr in der CL hat der BVB deutlich bessere Quoten als Leverkusen. Warum sonst wird Leverkusen nicht gezeigt? Bayern ist natürlich außer Konkurenz.

      1. Nürnberg und Hertha haben bislang überdurchschnittlich viele und mehr Zuschauer als der BVB eingefahren. Also quotentechnisch durchaus gute Gegner.

        „Ein eindeutiges Zeichen der Attraktivität eines Klubs für den TV-Markt liefern  die Zahlen des Free-TV“ – Nun ja, wenn nur drei Vereine mitspielen, Bayern „natürlich außer Konkurrenz“ ist und Leverkusen diese Saison noch kein einziges Mal gezeigt wurde… dann ist das mit den „eindeutigen Zeichen“ so eine Sache. Und das Leverkusen Quotengift ist, hat ja niemand hier bestritten (BVB-Schnitt Sa 15h30: 36.000, Leverkusen: 20.000)

        Was die SKY-Zahlen nicht sagen, ist die Attraktivität für Sponsoren und damit potentielle TV-Werbekunden.

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