Mein Senf zur Nationalmannschaft

Im Grunde schreibe ich hier selten über die deutsche Fußballnationalmannschaft (eigentlich habe ich das vor mehr als 2 Jahren zuletzt getan). Aber nach dem gestrigen Spiel der Nationalmannschaft und der dadurch entstanden Aufregung in der Nation ist mir einfach danach.

Im Vorfeld hatte Löw die Österreicher auf Augenhöhen gesehen und von einem „Abnutzungskampf“ gesprochen. Nun kann sich natürlich fragen, ob das so klever war und man dadurch nicht die Gastgeber unnötig stark geredet hat. Oder war Löw sich von Anfang an bewusst, dass die Änderungen, die er im Nachgang der EM 2012 vornehmen möchte, ihre Zeit brauchen, bis sie greifen. Es ist zumindest gestern deutlich zusehen gewesen, dass es bei der Nationalmannschaft noch viel zu tun gibt. Zum Beispiel passt die Absicherung der beiden Außenverteidiger überhaupt nicht. Oder das Hummels sich sichtbar zwingen muss, den Ball flach zu spielen, statt einfach mal die offensiven Flügel oder Klose mit einem 40-Meter Zuspiel auf die Reise zu schicken, wie er es mitunter in Dortmund macht.

Was mich persönlich jedoch am meisten nervt ist diese Aufregung über das Spiel. Das Spiel war kacke, voll von individuellen Fehlern, aber das gehört dazu, wenn ich den Spielstil ändern will und neues Personal bringe. So was hat der BVB unter Klopp auch schon gespielt, gerade im 1. Jahr, Stichwort Udine, Heimspiel Bayern, die 8 Spiele ohne Sieg im Frühjahr 2009 etc.pp. Und wenn man sich anschaut, das Welt- und Doppeleuropameister Spanien sich zu einem 1-0 in Georgien müht und 85. Minuten für das Tor braucht und die Engländer mit Glück ein 1-1 gegen die Ukraine in Wembley holen, dann sieht die Einordnung schon anders aus. Und außerdem interessiert es in Brasilien 2014 keine Sau mehr, wie die Qualifikation gelaufen ist, wenn Spanien den Titel erneut gewinnt oder die Deutschen zum großen Wurf ausholen. Ich erinnere hier nur mal an die WM-Qualifikation zum WM 1990. Stichwort Wales.

Was neben dem Platz auffällig ist: Das Team scheint intern einige Probleme zu haben, vielleicht sogar einen Blockbildung. Und daran ist Löw nicht unschuldig. Löw wirkt erstaunlich ratlos und nervös, weil ihm offenbar die Idee fehlt, welchen Spielstil er mit dem vorhandenen Spielermaterial spielen kann bzw. welches System die Qualitäten der Spieler am besten zur Geltung bringt. Und daraus resultieren vermutlich die Unstimmigkeiten innerhalb der Nationalelf.

Wenn du einen Trainer hast, wie Klopp, Slomka, del Bosque oder auch Huub Stevens – sprich Trainern mit einer klaren Vorstellung des Fußballs, den sie spielen lassen wollen – dann wissen auch die Spieler, woran sie sind. Das muss dann nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber es hilft sicherlich jeder Mannschaft. Das Löw seine Idee vom Fußball der DFB-Elf nun an die Dortmunder Spieler anpasst zeigt vor allem eines: Er traut sich mit dem bisher von den Bayernspieler getragenem System den großen Wurf 2014 nicht zu. 2010 war das Bayernspiel halt einfach dominanter. Nicht umsonst standen sie im Finale der Champions League, wurden souverän Meister & Pokalsieger und waren im Grunde der entscheidende Block innerhalb der Nationalmannschaft bei der WM 2010. Apropos WM 2010: Weltmeister Spanien zum Beispiel hat seinen Spielstil auch verändert, wenn man das mit der EM 2008 oder WM 2010 vergleicht.

Darüber hinaus glaube ich, dass die Löwschen Fehler bei der Euro (Festhalten am schwachen Schweinsteiger, Änderung der Taktik/Aufstellung vor dem Aus gegen Italien) sowie in der Führung seines Personals dazu führen, dass eine kritische Stimmung innerhalb des Teams entstanden ist. Reus macht gegen Griechenland eine super Partie, sitzt dann gegen Italien draußen. Als er zur 2. Halbzeit rein kommt, ist er der einzige, dem man zugetraut hat, dem Spiel noch einen Wendung zu geben. Oder Hummels: Der spielt eine super Euro 2012, es fällt aber kaum ein Lob. Stattdessen bekommt er nach dem 0-2 gegen Italien von Löw öffentlich die Schuld, wenn auch nur indirekt. Das Hummels gegen Cassano wie ein Amateur ausgesehen hat, steht dabei außer Zweifel. Aber solche Geschichten kannst du intern bringen, aber nicht nach Außen. Nach außen kann es immer nur heißen: Da sehen wir doof aus. Da haben wir uns schlecht angestellt. Da stehen wir schlecht zum Gegner. Öffentliche Kritik halte ich für nicht zielführend.

Wie dem auch sei: Man darf gespannt sein, was in den nächsten Wochen und Monaten passiert. Die Qualifikation wird nicht in die Hose gehen, da bin ich mir sicher. Aber die Frage wird halt sein, ob die Spieler sich 2014 blamieren wollen oder ob sie es schaffen, eine Einheit auf und neben dem Platz zu bilden. Der Druck, mit dem Titel nach Hause zu kommen, wird auf jeden Fall da sein.

Auf der anderen Seite muss Löw spätestens bis Mitte 2013 sein System erkennbar in den Grundpfeilern stehen haben, genau wie sein Personal. Nur so ist im Grunde zu gewährleisten, dass das Team sich einspielen und die Automatismen sich einstellen kann/können.

Wenn sich nichts ändert, dann könnte die WM2014 gemessen an den eigenen Ansprüchen ein Desaster werden. Und diese lauten bekanntlich (selbst auferlegt):

Weltmeister 2014 – Deutschland.

2 Antworten auf „Mein Senf zur Nationalmannschaft“

    1. Müller kritisiert indirekt die Spielweise von Götze, Hummels kritisiert Lahm. Löw meckert an Hummels und Schmelzer rum. Und es wirkt halt auf dem Platz nicht so, dass da jeder für den anderen einsteht.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.