Kurz notiert: Warum ich das „Financial Fairplay“ für einen riesigen Witz halte

Wie vielleicht der ein oder andere schon mal gehört hat, will die UEFA auf Druck einiger Klubs im Hilfe des sogenannten „Financial Fairplay“ die steigende Verschuldung der europäischen Fußballclubs aufhalten. So sollen im Verlauf von zunächst 3 Jahren die relevanten Einnahmen die relevanten Ausgaben mindestens ausgleichen. Sollte dies nicht der Fall sein, wird auch das davor liegende Jahr betrachtet, um zu beurteilen, ob zumindest eine positive Entwicklung zu erkennen ist. Was gut klingt muss aber nicht unbedingt gut sein, was man am Beispiel von Paris St. Germain wunderbar erkennen kann.

PSG befindet sich seit dem Frühjahr 2011 im Besitz der katarischen Investorengruppe QSI, welche Nasser Al-Khelaïfi als Präsidenten von PSG einsetzte. Wie bekannt ist, geht PSG seitdem mit einer gut gefühlten Geldbörse in Europa auf Einkaufstour. Zuletzt wurde u.a. Zlatan Ibrahimovic für ein nettes Sümmchen und fürstlichem Gehalt an die Seine gelockt. In der Saison 2011/2012 machte PSG ungefähr 100.000.000 € Verlust, glaubt man dem Blog „The Swiss Ramble„. Wer nun hofft, dass im Jahr 2014 dann die UEFA und das FFP dafür sorgen wird, dass die Shoppingtour ein Ende findet, dürfte sich wundern.

Nach Ansicht von „The Swiss Ramble“ reizt QSI wissentlich die Schlumpflöcher des Financial Fairplays (FFP) der UEFA aus. Man baut darauf, in den ersten 2 Jahren hohe Investments zu machen und dann ab Jahr 3 (also 2014), dem ersten an dem die UEFA anfängt in die Bücher zu gucken, die UEFA mit einer positiven Tendenz davon abzuhalten, sie entsprechend zu bestrafen.

Interessant es darüber hinaus, dass der Präsident Nasser Al-Khelaïfi auch gleichzeitig Präsident des TV-Senders „Al Jazeera Sport“ ist, jenem TV-Sender, der nicht nur das größte TV-Paket der Ligue 1 erworben hat, sondern darüberhinaus auch noch alle Auslandsrechte der 1. Liga in Frankreich sowie das größte Champions League-TV-Paket in Frankreich. Hier findet eine astreine Quersubventionierung statt. Denn PSG profitiert natürlich von den Investionen von „Al-Jazeera“ und der TV-Sender profitiert von der steigenden Attraktivität der Ligue 1 durch die Stars, die PSG verpflichtet.

Wer jetzt immer noch glaubt, dass FFP greifen wird und PSG eine harte Strafe der UEFA zu erwarten hat und man die Quersubventionierung unterbinden wird, der hat die Rechnung leider ohne Michel Platini gemacht. Es ist zwar unklar, wie das Verhältnis von Platini selbst zur Investorengruppe ist (Platini gab Katar seine Stimme bzgl. der WM 2022), aber laut FAZ ist Platini senior zumindest indirekt mit der QSI verbunden. Der Sohnemann von Michel Platini ist zwar kein Fußballer geworden, aber dennoch hat er was ordentliches gelernt: Er ist Jurist. Und ihr ahnt jetzt schon, wo Laurent Platini seit einiger Zeit arbeitet: Genau, in der Rechtsabteilung eben jener katarischen Investorgruppen, der Platini Senior im Rahmen von „FFP“ bekämpfen soll.

Glaubt jetzt immer noch jemand, dass die UEFA bzw. Platini Senior die Vorgaben des „FFP“ knallhart umsetzen und jeder Klub bis auf die letzte Büroklammer kontrolliert wird? Ich nicht.

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4 Antworten auf „Kurz notiert: Warum ich das „Financial Fairplay“ für einen riesigen Witz halte“

  1. Die Frage ist doch, warum die UEFA das gemacht hat.
    Hat sie tatsächlich interesse daran, die „besten“ Vereine aus den internationalen Wettbewerben auszuschließen? Ich glaube eher nicht. Für mich klingt es nach Aktionismus.
    Wobei ich lustig finde, daß die Investorengruppe des englischen Meisters dieses Schupfloch noch nicht entdeckt hat.

    1.  Ich kann es mir nicht vorstellen. Real Madrid, Fc Barcelona, Ac Milan, Manchester United, Messi, Ronaldo Rooney, Ibrahimovic, etc.pp. – deswegen schalten wir doch bei der Champions League ein, wenn das eigene Team nicht dabei ist.

      Ich glaube, dass die Jungs bei City das genauso machen. Einzig die Quersubventionierung ist in England schon etwas teurer.

  2. Hallo,

    hervorragender Kommentar. Und es kommt ja noch hinzu, daß externe Zahlungen weiterhin in unbegrenzter Höhe für „gute“ Ausgaben wie z.B. Infrastruktur geleistet werden dürfen. Wenn ManCity also jetzt, wie geplant, ein riesiges Sportzentrum baut, und das total mit Unterstützung ihrer Eigentümer, haben sie doch ihren gesamten operativen Einnahmenbereich für den Spielbetrieb, etwas was andere Clubs (z.B. Arsenal) nicht haben bzw. hatten.

    Dazu kommt, daß schon mehrere Strafrechtler auf  den ersten Einspruch warten, z.B., daß Sponsorengelder (z.B. für Stadionnamen o.ä.) nicht im „üblichen Rahmen“ stehen. Na, das wird ja lustig………

    Es hätte nur eine Möglichkeit gegeben für mehr Ausgeglichenheit im Profifußball zu sorgen, ein knallhartes Salary-Cap verbunden mit einer entsprechenden Kaderbegrenzung und einer glasklaren Limitierung, in welcher Anzahl Home-Grown-Players im Kader enthalten sein müssen. Aber GENAU diese Fairneß wollen die Verantwortlichen des FFP ja nicht, sie wollen eine Manifestierung und nur dafür sorgen, daß nicht irgend ein neuer Club sich in den Spreckgürtes der CL einkaufen kann……………

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