IN! YOUR! FACE!

Der Volksmund streitet ja immer darüber ob sich Geschichte wiederholt oder nicht. Nimmt man den Verlauf der Partie zwischen dem 1. Fußballklub Köln und dem Ballspielverein Borussia 1909 e.V. Dortmund als Gradmesser, dann kann man zu der Ansicht kommen, dass Geschichte wiederholt. Bereits zu Beginn des Jahres 2010 spielte die Borussia in Köln und führte lange, kassierte dann 10 Minuten vor Ende den Ausgleich und schlug in der Schlussminute noch mal eiskalt zu. Ich erlebte den Siegtreffer bekanntlich nicht mehr im Block, weil ich zu frustriert war. Da würde natürlich zu schämischen Kommentaren von Horti nicht nur an dieser Stelle. Aber weil ich ja ein Mensch bin, der ab und auch noch mal was lernt, bin ich diesmal im Block geblieben. Also wiederholt sich Geschichte nicht komplett, auch wenn Horti vermutlich schon wieder hämische Kommentare vorformuliert hat 🙂

Auf Grund eines traurigen Umstandes fuhr ich am Freitag wieder mit Auto nach Köln, obwohl ich das eigentlich nie wieder machen wollte, aber eine andere Alternative gab es irgendwie nicht. Diesmal ging die Fahrt jedoch für einen Freitagnachmittag recht problemlos über die Bühne. Diesmal vermied ich die Aachener Straße und parkte am „Arsch der Welt“ und lief die restlichen 2 Kilometer zum Stadion. Von außen sieht das Stadion schon ziemlich cool aus.

Vor Spielbeginn gab es wie immer in Köln bekanntes Liedgut zu hören, was von den Cheerleadern des FC bei mittlerweile strömendem Regen begleitet wurde. Ich werde wohl nie den Sinn dahinter verstehen. Welchen Sinn diese Cheerleader haben, konnte ich bis heute nicht rausfinden. Aber vielleicht erfreuen sich die Leute auf der Haupttribüne über die tänzerische Darbietung. Hoffentlich führt man das in Dortmund nicht sein. Ich bin ja froh, dass wir die dämlichen Halbzeitspielchen fast komplett los sind, von „gesanglichen“ Darbietungen von Eike Immel bis Jürgen Drews ganz zu schweigen.

Die Partie wurde bei bestem „Fritz-Walter-Wetter“ durch eine sehr schöne Choreo der Kölner eingeleitet, was der Gästeblock mit Applaus quittierte. Eine wirklich feine Choreo, die vor allem durch den Einsatz von Silberfolie einen gewissen Pepp bekam. Sie schon cool aus, wenn sie das so im Flutlicht spiegelt. Im Stadion wirkt das Ganze dann noch besser als im TV oder bei Youtube. Eine der besten Choreographien einer gegnerischen Tribüne gegen den BVB. Die Stimmung hingegen auf Kölner Seite war wie schon in den letzten Jahren ziemlich dürftig und meilenweit von der Stimmung des Jahre 2003 entfernt. In der Halbzeit gab es noch ein Spruchband PRO „Kein Zwanni“.

Auf Dortmunder Seite war die Stimmung je nach Sichtweise gut oder eher mau. Zu Beginn und nach den Toren sehr laut, zwischendurch  Ich finde es jedoch nicht weiter dramatisch. Ich bin der Meinung, dass weniger manchmal mehr ist. Lieber ein paar Minuten Luft holen und dann mit Vollgas ein Lied oder einen Schlachtruf. Aber im Endeffekt kann das ja jeder für sich selber entscheiden, auf welche Art der Unterstützung er sich begeistern kann.

© Bundesliga.de

Das Spiel ist fast eine Dublette des Spiels aus dem Januar. Das Spiel war ausglichen, die Borussia hatte jedoch deutliche bessere und größere Chancen, der FC, war nur durch einen Lattenschuss von Podolski und den Nachschuss von Clemens gefährlich, den Weidenfeller parieren konnte. Dortmund hingegen war immer dann gefährlich, wenn man schnell, direkt und flach spielte, was man nach dem 1-0 fast völlig einstellte. Wie Mats Hummels schon richtig analysierte, operierte man viel zu oft mit langen und hohen Bällen. Köln hatte in der Luft wenig Probleme in der Verteidigung, sieht man vom 1-0 ab. Wie im letzten Jahr glich der FC dann irgendwann nicht ganz unverdient aus, als Podolski seine gute Schusstechnik nutzte, um eine zu kurze Kopfballabwehr von Hummels in die Maschen zu hauen. Danach traf jener Podolski noch mal, jedoch aus einer Abseitsposition.

Als sich bereits 20 Spieler auf ein Remis geeignet hatte und sich auf die trockene Kabine freuten, hatten Podolski und Sahin dann ihren großen Auftritt. Bis auf die Tribüne war zu spüren, worum es in ihrem Disput gehen musste. Der Kölner provozierte Sahin immer wieder mit dem Sieg der Nationalelf über die Türken (wobei „Prinz Poldi“ da eher ein Risiko war), worauf hin der stolze Türke Sahin natürlich wenig Argumente hatte. Zumal sein Kontrahent auch noch das 1-1 gemacht hat. Wenn man also keine Argumente hat, dann schafft man einfach welche. Wie in der letzten Saison versetzte der BVB in Person von eben jenem Sahin dem „FC Podolski“ den Todesstoß. Während der Gästeblock völlig ausflippte lief Sahin jubelnd am Poldi vorbei, der wiederum nicht nur im Gesicht wie ein begossener Pudel aussah. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball.  Nach Abpfiff gaben sich beide Kontrahenten die Hand wie sich das gehört. Sowas gehört zum Fußball dazu, auch wenn die scheinheiligen Medien es nicht sehen und hören wollen. Denn sonst hätten sie nichts, was sie bis zum nächsten Spieltag ausschlachten könnten.

Hinweis:  Die Überschrift habe ich bei Twitter vom User Jens1893 geklaut. Alle Rechte liegen also bei ihm.

5 Antworten auf „IN! YOUR! FACE!“

  1. Ich fand die Aktion von Sahin ehrlich gesagt gar nicht so abgezockt, wie sie von vielen hingestellt. Klar, er hat mit dem Tor die passende Antwort gegeben, aber dann mit der Geste an Poldi vorbei zu rutschen/laufen, hat von einem kleinen Kind, dass den "Stinkefinger" auspackt, währenddessen aber mit dem Fahrrad an seinem Feind sicher vorbeifährt. Da kann man sich auch mal in bester Boateng-Ballack-Manier gegenüberstehen.

    Aber mein Gott, das waren die Kölner. Die brauchen auch nicht mehr Aufmerksamkeit als verdient.

    1. Hab ja nicht geschrieben, dass es das gelbe vom Ei war. Aber irgendwie ist es doch toll, dass wir uns über sowas unterhalten. Keiner ist zu Schaden gekommen, Sahin und Podolski haben sich vertragen und fertig. Emotionen gehören dazu.

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