Derby – häufig auch Lokalderby, im spanischen Sprachgebrauch Clásico, in Nordamerika crosstown rivalry bezeichnet ein spezielles Ereignis im Mannschaftssport, bei dem zwei meist rivalisierende Sportvereine einer Region aufeinandertreffen. Für die Fans der betroffenen Vereine haben solche Ereignisse eine hohe symbolische Bedeutung und starke Emotionen werden hervorgerufen. ( © Wikipedia)

Nun haben diese starken Emotionen bekanntlich  – auch wenn die ganzen Gutmenschen und Weltverbesserer in den Verbänden, beim Staat oder in diversen Internetforen es nicht lesen wollen – die Eigenschaft, sich in der Gewalt ein Ventil zu suchen. Das gibt es in den eigenen 4 Wänden, in der Disko, auf dem Schützfest und halt auch im Fußball. Ich will aber hier jetzt keine Grundsatzdiskussion führen, dass könnt ihr an dieser Stelle tun.

Umso erstaunlicher war es dann wohl für die Meisten, dass das Derby nach Polizeiangaben so wohl vorm Spiel „ohne größere Störungen“ wie auch nach dem Spiel „insgesamt unproblematisch“ verlief. Mit der Gesamtbilanz des Derbys zeigt man sich in Polizeikreisen „zufrieden“. Viele Medien übernahmen daher auch die Meldung des Sport-Informationsdienstes (SID), so unter anderem auch die Zeitung Reviersport. Die Ruhrnachrichten zitierten den Polizeidirektor Peter Andres gar wörtlich.

„Unsere Einsatzkonzeption, gekoppelt mit dem Glasverbot der Stadt, war erfolgreich und hat mit dazu beigetragen, dass Randalierer das Gesamtbild dieser spannenden Fußballbegegnung nicht trüben konnten.“

Scheinbar stellte dieser positive Verlauf des Hochrisikospiels nicht alle bei der Polizei Dortmund zu frieden. So sah man sich in Form des Pressesprechers Kim Ben Freigang genötigt, dem Polizeidirektor zu widersprechen und mit populistischen Worten von einem „erschreckenden“ Vorfall vor dem Derby zusprechen und die Fans als „erschreckend gewalttätig“ einzustufen.  Dann folgt noch eine kurze Heldengeschichte, wie der Pressesprecher sich der Szenerie entzieht und noch „unbeteiligte, teilweise körperlich behinderte Privatpersonen“ (ganz wichtig diese Unterscheidung) aus der Gefahrenzone brachte.

Nun kann man sich fragen, warum 2 Tage nach dem Derby dann doch plötzlich das öffentliches Klischee bedient wird und das Derby doch nicht so friedlich war, wie vom Chef am Samstag noch verkündetet. Dass die Polizei kommunikativ so schlecht aufgestellt ist, dass man erst später von den Einsatzkräften von den Problemen vor dem Spiel erfahren hat, kann ich mir nicht vorstellen (abgesehen davon wäre es auch ein Armutszeugnis). Vielleicht war sie aber auch gar nicht am Ort des Geschehens, zumindest kommt der Verdacht auf, wenn man sich die Bilder 1 und 2 anschaut. Viel mehr glaube ich jedoch, dass man mit der nachträglichen Dramatisierung politische Spielchen betreibt. Es passt halt gut zum aktuellen Medienhype, wenn man von den Spielen, von denen sich die Öffentlichkeit etwas „skandalträchtiges“ erhofft eben auch diesen Durst stillen kann.

Dazu passt auch wie Arsch auf Eimer, dass sich der Fleischfabrikant aus Rheda-Wiedenbrück und „Boss“ der Derbyverlierer in der Öffentlichkeit für seine heldenhafte Tat im Gästeblock feiern lässt. Clemens Tönnies hat es tatsächlich gewagt, Zivilcourage zu zeigen und die „Chaoten“ zu fotografieren, die in seiner unmittelbaren Umgebung – nach seiner Meinung – Pyrotechnik gezündet haben sollten. Nebenbei ruft er dann noch dazu auf, es ihm gleich zu tun und Leute zu fotografieren, die nach der Meinung des Fotografen ein Fehlverhalten an den Tag gelegt haben. Ob dazu auch gehört, die Bilder auch an die BILD zu schicken, kann ich nicht beurteilen. Im Interview mir „derWesten“ sagte er dann noch reißerisch, dass er keine Angst gehabt habe und jeder Zeit wieder in den Block gehen würde, da die „meisten Fans im Block […] ähnlich empört“ reagierten wie er, „als die Fackeln brannten“. Empörung im Hause Tönnies sieht dann so aus. Wer von den umstehenden nun die „Fackel“ gezündet hat, weiß Tönnies sicherlich zu 100%. (Im Grunde hätte sich Tönnies seine Selbstinszenierung auch schenken können, da die Bilder der Presse deutlich besser sind als die seines Handys)
So, nun aber genug mit dem Thema und hinüber zu dem wichtigsten bei einem Derby – dem Ergebnis.

Das Derby war eine Machtdemonstration des amtierenden deutschen Meisters. War es in den letzten beiden Derbys noch so, dass der S04 bis auf Neuer nur ein Spielball der glorreichen Borussia war, so waren sie in diesem Jahr zumindest tabellarisch auf Augenhöhe. Und natürlich kamen auch wieder die Frotzeleien und Vorhersagen, dass der BVB dem Untergang nicht nur im Derby geweiht wäre und sowieso 2011 nur eine Ausnahme darstellte (gleiches hörte man im Übrigen auch aus dem roten Süden, aber dazu später). Umso genüsslicher geht dieser Derbysieg doch runter. Statt einer mittelmäßigen Truppe hatte man diesmal einen Rivalen besiegt, der doch viel stärker sei als in der Vorsaison. Aber in Dortmund fanden sie ihren Meister in einer Beerdigung der Extraklasse. Endlich sahen die Blauen mal so dämlich aus wie der BVB unter Doll in diversen Derbys.

Und weil die Blauen, wie der Kevin G. aus Dortmund immer zu sagen pflegt, noch nicht genug ertragen mussten seit dem Sommer 2010, gab es nach der Meisterschaft und dem Derbysieg der Borussia zum Abschluss des Spieltages noch die Niederlage der Bayern, die den BVB zum aktuellen Tabellenführer machte.  Nicht wie im letzten Jahr, weil die Konkurrenz vor allem aus München den Saisonstart völlig verschlafen hatte. Nein, diese Saison waren die Bayern praktisch schon nach 5 Spieltagen Meister, zerlegten jeden Gegner in ihre Bestandteile und hatten zuvor den Kader nennenswert verstärkt. Und der BVB kann dennoch mithalten. Zugegeben, eine Meisterschaft wird weder nach 5 Spieltagen noch nach 14 entschieden, aber zu sehen, dass der BVB auch in dieser Saison mithalten kann und der Titel in der vergangenen Saison keine Mischung aus Zufall, schwacher Konkurrenz aus München und einem guten Lauf in der Hinrunde ist, ist schon eine große Genugtuung. Da kann auch das bisweilen peinliche Auftreten in der Champions League nichts dran ändern. Eine Korrektur können die Jungs in der nächsten Saison begehen – ob als Meister oder Vizemeister ist mir dabei nicht so wichtig.