>>Gewalt gehört zum Fußball dazu<<

Das Wochenende ist bekanntlich rum und natürlich stand auch dieses im Zeichen des Fußballs. Bayern haut Nürnberg weg und zeigt eindrucksvoll, dass die Meisterschaft nur über München geht, die Blauen murmeln Hoffenheim weg und der VfB aus Stuttgart und der BvB aus Dortmund zeigen ein wunderbares Spiel. Schlägt man aber die heutigen Gazetten auf und ruft sich u.a. das ASS und die Sportreportage des ZDF vom Wochenende ins Gedächnis, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass so ein Fußballspiel gefährlicher ist als das Drogengeschäft in Mexiko. Auch am Wochenende gab es wieder Futter für alle „Hartliner“, weil wieder ein paar sich nicht im Griff hatten. Für die „Hartliner“ aus der Politik und der Presse natürlich eingefunden fressen.

Oft passiert es mir ja nicht, dass ich hier auf einen Artikel von schwatzgelb.de verweise, da ich bekanntlich ja auch mit zum Team gehöre. Das hat dann immer was von Werbung und das muss nicht unbedingt sein. Aber zum aktuellen Thema haben Arne und Sascha einen sehr sehr guten Text geschrieben, an dem meiner Meinung nach viel Wahres dran ist.

Gewalt gehört zum Fußball dazu. Das muss man nicht gut finden, wir tun es jedenfalls nicht, aber diesen Umstand zu leugnen beseitigt das Problem eben auch noch lange nicht. Die Gewalt gehört zum Fußball, wie sie in die Gesellschaft gehört, auf Schützenfeste und Jahrmärkte und auch allzu oft in die deutschen Privathaushalte: Sie ist da und niemand wird sie abschließend aus unserem Leben und unserer Wirklichkeit verbannen können. Allein der Umstand, dass sie geächtet ist, macht sie noch lange nicht ungeschehen.

Wo immer sich mehrere Menschen über einen längeren Zeitraum gemeinsam aufhalten, kommt es zu Konflikten. Und wo, wie beim Fußball, der Anteil junger Männer zwischen 14 und 28 Jahren überdurchschnittlich hoch ist, führen solche Konflikte auch schneller zu Gewalt. Das fängt bei einer harmlosen Rangelei im Block, am Bierstand oder in der Bahn an und endet bei Auseinandersetzungen zwischen ganzen Fangruppierungen. Bei einem durchschnittlichen Fußballspiel kommen mehrere zehntausend Menschen zusammen, das entspricht der Bevölkerung einer Mittelstadt – nur mit der Einschränkung, dass sich diese Menschen nicht auf mehrere Quadratkilometer verteilen, sondern gerade mal auf ein paar Hektar. Das ist Konfliktpotential pur.

Man kann nur hoffen, dass sie Vertreter von Vereinen, Verbänden und Politik sich nicht von populitischen Müll der Herren Wendt, Bruchhagen und Oberhetzer Kind zu Maßnahmen verleiten lassen, die am Ende vor allem die Leute trifft, dich sich im Griff haben. Ob jedoch ohne harte Strafen ein Umdenken in den jeweiligen Fanszenen stattfindet, bezweifel ich dennoch.

10 Antworten auf „>>Gewalt gehört zum Fußball dazu<<“

  1. Der komplette, von Dir zitierte Text stellt dar,
    weshalb es Konfliktpotenzial gibt, wo größere Menschenmengen in Gruppen mit unterschiedlichem
    Interesse aufeinandertreffen, gerade wenn Alkohol die Hemmschwelle senkt. Das
    kann man so unterschreiben und ist sicher kein Geheimnis. Weshalb das aber „zum
    Fußball dazu“ gehört, erschließt sich mit nicht. So gesehen gehört es zu eben
    allem dazu, auch zum Oktoberfest oder zur Düsseldorfer Altstadt, nachts um 2. Und vor allem: Was will
    der Text mehr als nur diese Feststellung treffen, die jeder treffen kann? Was
    ist die Aussage? Dass man sich damit abzufinden hat?

    1. Genau darum geht es ja. Die Autoren versuchen eben nicht, eine Lösung für diese extrem Komplexe Thema zu geben, wie es Medien, Offizielle und Funktionäre zum Teil versuchen. Und die Feststellung dient halt vor allem dazu zu zeigen, dass das Gewaltproblem kein spezifisches für den Fußball ist. Und das Alkohol zum Fußball dazu gehört zeigt nicht nur dein Verein, der (noch) seine Heimspiele in einer nach einer Brauerei benannt Spielstätte austrägt. Oder die Nationalmannschaft, gesponsert von Bitburger.

  2. Zum Thema möchte ich eigentlich gar nicht viel sagen. Was wir vor einer Woche gegen Dresden erlebt haben war mMn eine erwähnenswerte Ausnahme. Da gibt es grundsätzliche Probleme und diese können eigentlich nicht durch den DFB gelöst werden, hier sind auch die Vereine und die lokale(!) Politik gefragt. Was ansonsten passierte, halte ich dann doch nicht wirklich für erwähnenswert. Es ist zwar auch schlimm, aber da reden wir dann eher von Ausnahmen. Dass die Medien es gerne aufgreifen um ein verzerrtes Bild zu präsentieren, wundert mich nicht mehr und ich warte jetzt erstmal ab, was der lang geplante Runde Tisch mit sich bringen wird. Vorher lohnt sich eine weitere Stellungnahme zum Thema Fußball und Gewalt einfach nicht.

    Eine Frage die ich an dich hätte: Warum glaubst du, auf schwatzgelb.de zu verweisen wirke wie Werbung machen? Letztlich schreiben dort auch „nur“ Fans und für die Meinungsvielfalt lohnt sich ein Abstecher eigentlich immer. Auch wenn du dort aktiv bist, du darfst ruhig ab und zu mal auf deine Kollegen verweisen. 😉

    Gruß
    Pilstim

    1. Ich bin ja auch nicht bei jedem Artikel der Meinung der Schreiberlinge. Ich will darüber hinaus erst gar nicht, dass der Eindruck entsteht, ich würde immer wieder auf Texte von sg.de eingehen, um die Besucherzahlen zu erhöhen.

      1. Das ist mir klar, so geht es vermutlich jedem Leser. Manch ein Artikel spiegelt die eigene Meinung wieder, manch einer geht genau in die Gegenrichtung. Das meinte ich mit Meinungsvielfalt, es ist immer eine schöne Ergänzung, die Themen über Borussia ähneln sich ja doch. Aber du beschäftigst dich ja auch nicht ausschließlich mit Borussia-Themen bzw. hast eine allgemeinere Sicht zu den Dingen, da bietet es sich natürlich nicht so an, wie in meinem kleinen Borussen-Blog [der, nebenbei erwähnt, bald übrigens 1909 🙂 Besucher hat (seit März)].

  3. Gewalt wird niemals zum Fußball „dazugehören“ – Gewalt gehört überhaupt nirgends innerhalb einer zivilisierten Gesellschaft hin.
    Mir ist schon klar wohin der Text zielt, dennoch finde ich die Überschrift der Autoren misslungen, sie impliziert dass man sich damit abzufinden hat, weil es eben so ist – Gewalt ist nicht akzeptabel.
    Mir gefällt die Dramatisierung der Medien auch nicht – aber ebensowenig gefällt mir die Verharmlosung und das Herunterspielen auf Prozentzahlen hinter dem Komma – jeder Verletzte ist einer zuviel.

    1. Aber dennoch ist die Gewalt in der zivilisierten Gesellschaft tief verankert. Davor sollte man die Augen nicht verschließen und so tun, als ist die Gewalt ein reines Problem es Fußballs. Gerade die genannten Prozentzahlen zeigen aber sehr gut die Verhältnisse zur der Zahl der friedlichen Zuschauer stehen. Natürlich ist jeder Verletzte einer zu viel. Das ist er aber nicht nur beim Fußball, sondern auch beim Schützenfest, bei häuslicher Gewalt, in der Diskothek, an Karneval, an Halloween oder bei Volksfesten wie das Oktoberfest oder die Cannstatter Was’n. Oder auch im Amateurfußball. Nur versucht aber komischerweise niemand zum Beispiel auf dem Oktoberfest irgendwelche Personengruppen auszuschließen, nur weil sich
      in den letzten Jahren immer mal wieder Gäste oben entsprechender Couleur nach 2,5 Maß nicht im Griff hatten?

      Ich wehre mich einfach gegen die Ansicht, dass der Fußball eine Gefahr für Leib und Leben darstellt. Ich habe in knapp 500 Fußballspielen, die ich live im Stadion gesehen habe, noch nie Angst um meine Gesundheit gehabt.

      1. Ich stimme dir prinzipiell zu und dem Artikel von Arne und Sascha auch. Der ist natürlich noch deutlich länger und angenehm vielschichtig. Die Konsequenz kann trotzdem nicht sein, gar nichts zu machen. Gegen Tribünenstürmungen, Flaschen- und Böllerwürfe muss hart vorgegangen werden. Ich finde, das ist keine sonderlich ‚harte Linie‘. Kollektivstrafen darf es natürlich nur in extremen Ausnahmefällen geben. Etwa wenn große Teile des Blocks Gewalttäter offensichtlich decken. Die Polizei sollte ihre Möglichkeiten nutzen, die wahren Täter ausfindig zu machen. Leider geht es scheinbar nicht ohne umfangreiche Videoüberwachung im und am Stadion. Leute, die an oben genannten Straftaten beteiligt sind, sollten mMn für eine lange Zeit nicht ins Stadion dürfen.

        1. Niemand redet doch davon, die Augen zu verschließen. Natürlich müssen alle, die im Rahmen eines Fußballspiels scheiße bauen und erwischt werden bestraft werden. Genau wie bei jeder anderen Straftat im Leben. Nur schließt man eben z.B. auf der Wiesn nicht ganze Personengruppen perse aus, fordert Alkoholverbote oder das diese Personengruppen mehr Eintritt zahlen sollen als andere. Und niemand stellt sich hin und sagt, dass diese Wiesn völlig ohne negative Randerscheinungen ablaufen muss.

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