Ein würdiger Nachfolger ist gefunden…

Es gibt Heimspiel in einer Saison, da weiß man schon vorher, dass der Abend eine ganze schwere Kost werden würde. Früher, cirka 8 bis 1 vor Jesus Kloppus, gab es mal einen Verein in der Nähe von Paderborn, der dieses Prädikat trotz 2,5 Jahre Thomas Doll nicht loswurde. Da dieser Verein jedoch unter Jesus Kloppus regelrecht vernichtet wurde und nun auf dem besten Weg in die Pathologie ist, braucht es einen würdigen Nachfolger. Die beste Bewerbung geben dabei seit Jahren die Gladbacher ab. Man steht mit 11 Mann in der eigenen Hälfte und kontert maximal 2x pro Halbzeit. Die Fans kommen in guter Mannstärke, aber bis auf 200 Ultras macht da keiner mit. Auffällig ist man nur beim Torjubel. Und weil der Fußball auf Grund der atheistischen Grundhaltung des Gastes halt zähne Kost ist, dennoch jeder Heimfan einen hohen Sieg erwartet, ist die Stimmung auf der Südtribüne auch ziemlich mau. So wie Samstag.

Der Samstag begann erstaunlicherweise ziemlich gut. Die Leverkusener ließen Punkte in Hoffenheim liegen und der schärfste Verfolger der Borussia, die Startruppe von Trainergott Felix Magath kam beim 1. Fc Kaiserslautern überraschenderweise nur mit 0-5 unter die Räder. Wie würde IM Metzelder sagen: „Da wächst was zusammen.“ In Gelsenkirchen hilft wahrscheinlich nur noch ein Finanzexperte wie Michael Meier, der die Felder wieder bestellen kann. Aber zurück zum Samstag.

Wenn der „Mythos“ aus den Niederlanden in Dortmund zu Gast ist, komme ich mir immer vor wie Bill Murray im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Ein Gast, der keine Lust hat, Fußball zu spielen (oder es auch gar nicht kann, wobei man sich da in Leverkusen ganz sicher ist, das die Fohlen es können) trifft auf eine Mannschaft, die sich schwer tut gegen 11 Verteidiger. Im gut gefüllten Gästebereich nur ein paar Ultras, die was machen, der Rest steht schweigend daneben und erinnert sich an große Zeiten auf dem Bökelberg. Und die Südtribüne ist voller Leute, die scheinbar alles unter einem souveränen 4-0 zur Pause nicht akzeptieren und sich schon gar nicht dazu aufraffen können, mitzusingen. Da können die Vorsänger sich noch zu sehr quälen. Witzigerweise können diese Leute aber nachher in der U-Bahn lustig verkleidet das ganze Arsenal an nicht akzeptablen Gesängen auswendig. Immerhin optisch war die Südtribüne dem Mythos überlegen. Die Konfettiaktion war schon ziemlich nett anzuschauen. Aber nun zum Spiel.

Die Borussen aus Mönchengladbach versuchten sich ziemlich erfolgreich im Anmischen von Beton jeglicher Art, nur manchmal war das Mischverhältnis nicht dem Druck der anderen Borussia entsprechend gemischt. Aber am Ende war immer wieder noch „Stahlmatte“ Heimroth im Weg. Der einzige Konter der Fohlen war auch gleich erfolgreich. Völlig unverdient, aber in der Entstehung nicht so überrascht hämmerte der gebürtige Dortmunder die Murmel aus 17-18 Metern ins Tor, was den Gästeanhang zum ersten und einzigen Mal hörbar machte. Der Reus hat schon ein ziemlich Qualität. Bleibt zu hoffen, dass seine Entwicklung nicht stagniert, wenn er die Fohlen nach dem Abstieg am Ende der Saison verlässt in Richtung Bremen, Hamburg oder Leverkusen.

Die Borussia hingegen tat sich erwartungsgemäß schwer gegen die 11-Mann Verteidigung und schaffte es nur 2-3 Mal, wirklich konsequent die Flügel zu bedienen und Zug zum Tor aufblitzen zu lassen. Manchmal wirkte das Spiel auch so bieder wie unter Thomas Doll. Es fehlte an Flügelspiel, Tempo, Zug zum Tor und auch mal der Abschluss aus der Distanz. Das es nicht mit 0-1 in die Pause ging, hatte man dann Neven Subotic zu verdanken, der praktisch mit dem Pfiff zum Pausentee zum 1-1 einköpfte. Das Tor war eminent wichtig für den Ballspielverein. Nach der Pause dauerte es nicht lange und Mario Götze zeigte, was für eine grandiose Qualität er hat. Wie schnell er geschnallt hat, dass Kagawa frei steht und wie zielgenau er den Pass in den Lauf des Japaners spielte war schon erste Sahne. Getoppt wurde das nur noch durch Barrios’ Hackentrick beim 3-1 durch Großkreutz, der zu Beginn eine kreative Pause vom Trainer bekam und auf der Bank platz nehmen musste. Geschadet hat es ihm nicht. Das 4-1 durch Barrios wurde von da Silva ebenfalls sehenswert, aber nicht so spektakulär wie durch Götze und Barrios, vorbereitet. Apropos Götze…

Mecker-Opa war wieder in seinem Element, als er sich nach einem Ballverlust von Götze durch vor seiner Auswechslung darüber echauffierte und die Auswechslung des selbigen forderte, weil der „junge Mann einfach keine Bundesligaformat hat“. Mein Sitznachbar vor mir, der bereits seit Mitte der 80er den Mecker-Opa ertragen muss, brachte dann noch eine kleine Anekdote. Der Mecker-Opa hatte bei einem Heimspiel Mitte der 90er Jahre wohl einen Ausraster, als Zorc und Möller je 2 Tore machten. Warum er ausrastete? Weil eben ein Armutszeugnis des Managers sei, wenn „jetzt schon die Mittelfeldspieler die Tore“ machen müssten. Es wurde erneut herzhaft gelacht.

Am Donnerstag trifft der BVB im Kühlschrank Westfalenstadion auf Karpaty Lemberg zum letzten Europapokalheimspiel in diesem Jahr. Ein Sieg ist Pflicht, um eventuell noch ein Endspiel in Sevilla zu haben.

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