Ein Reus und ein paar Fragen

Jung-Nationalspieler Marco Reus wechselt zur neuen Saison von Borussia Mönchengladbach zum deutschen Meister Borussia Dortmund. Diese Nachricht war das Topthema im Sportsegment am gestrigen Abend und selbst die Tagesschau vermeldete diesen Transfer. Dass es sich hierbei tatsächlich um einen höchst interessanten Coup handelt zeigen auch die vielen Diskussionen unter den Fans der Schwarzgelben wie auch in einigen Medien. Ist der Transfer nun eine Rückkehr zu alten „Niemeierschen“ Zeiten oder ein von vorne bis hinten durchdachter Transfer? Meinen Senf zu dieser und weitereren Fragen dürft ihr euch nun zu Gemüte führen.

Ist der Transfer eine Rückkehr zu alten „Niemeierschen“ Zeiten?

Nun, mit den kolportierten 17 Millionen Euro Ablösesumme ist Reus nach Marcio Amoroso(ca. 25 Mio. €) der zweitteuerste Transfer in der 102-jährigen Geschichte des glorreichen Ballspielverein Borussia 09 e. V. Dortmund. Und gerade vor dem Hintergrund, dass man vor nicht mal 7 Jahren um die Existenz der Borussia bangen musste, sehen viele Fans den Transfer auf Grund der Ablösesumme sehr kritisch. Ich persönlich kann die Argumente nachvollziehen, bin jedoch der Meinung, dass diese Phobie gegen Ablösesummen über die 4-5 Millionen, die man in den letzten Jahren investiert hat, übertrieben ist. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Troika an der Spitze des deutschen Meisters einen Spieler verpflichtet, den man sich im Grunde nicht leisten kann. Es darf halt nur nicht der zur Gewohnheit werden, dass der BVB jedes Jahr Spieler in dieser Größenordnung verpflichtet. Auch Medien und Fans sollten diesen Anspruch nicht haben.

Also ein von vorne bis hinten durchdachter Transfer?

Meiner Meinung nach schon. Es überwiegen für mich die Vorteile, die die Verpflichtung von Reus mit sich bringen. Natürlich, Reus kann sich verletzen oder in Dortmund nicht zu Recht kommen, dann wirkt die Bürde von 17 Millionen Euro Ablöse sehr schwer. Andersrum kann man aber auch einen weiteren Volltreffer gelandet haben. Marco Reus ist erst 22 und hat seit seinem Wechsel an die deutsch-niederländische Grenze nicht nur 33 Tore und 20 Vorlagen in 90 Spielen vorzuweisen. Mit ihm kommt auch ein Spieler, der in seiner Gladbacher Zeit nur 5 Spiele verpasst (und damit weniger als Länderspiele) hat.

Für mich aber der Hauptpunkt, warum ich diesen Transfer befürworte, ist die Möglichkeit, nun nicht nur ein Zeichen an andere Spieler zusetzen in Dortmund, dass man weiterhin an einer erfolgreichen Zukunft baut, sondern das man nun die Möglichkeit hat, einen Abgang von Götze oder Kagawa in den kommenden 2 Jahren aufzufangen. Der BVB agiert im Vorfeld, statt nachher nur noch reagieren zu können. Das Beispiel des VfB Stuttgart sei hier mal genannt. Nachdem bekannt wurde, dass der VfB nach dem Weggang von Gomez nicht nur kurzfristig einen Ersatz brauchte, sondern auch mit vollen Taschen unterwegs war, sorgte für steigenden Ablöseforderungen und zum Teil wahnwitzige Handgeldforderungen von Spielern bzw. ihren Beratern. Beim BVB wäre dies ganz genauso passiert, wenn man Götze oder Kagawa für eine nette Summe hätte abgeben müssen. Und gerade bei Mario Götze bin ich mir sicher, dass er 2013 wechseln wird (hoffentlich ins Ausland).

Ist der Transfer ein Angriff auf die Vormachtstellung der Bayern?

Das halte ich für großen Müll. Der BVB geht einfach nur einen logischen Schritt. Der Verein kann meiner Meinung mit dem Anspruch der Fans, der Sponsoren und auch der Spieler selbst nicht auf Dauer ein Verein wie Nürnberg oder Mainz sein, der jedes Jahr um ihre besten Spieler zittern muss. Die Bayern können jedes Jahr aufs neue mit der Champions League und riesigen Umsatzerlösen planen, so dass sie jederzeit in der Lage sein dürften, einen Spieler wie Reus zu bekommen. Beim BVB hat man sich diesen Transfer enorm hart erarbeitet.

Ist die Entscheidung für Dortmund gleichzeitig eine Entscheidung gegen den FC Bayern?

Ganz klar ja. Der FC Bayern hätte Reus viel mehr Gehalt zahlen können und auch die Möglichkeit in der Champions League zu spielen kann im Grunde nur der FC Bayern jedes Jahr garantieren. Aber die Bayern bzw. das Umfeld in München hat in der Vergangenheit etlichen aufstrebenden Spielern nicht gut getan, u.a. den Herren Schlaudraff, Baumjohann,  Rau, Hashemian und allen voran Lukas Podolski. Zudem konnten und wollten die Bayern Reus keine Stammplatzgarantie geben, was legitim ist. Reus hat sich also ganz bewusst für einen Wechsel nach Dortmund entschieden, wo er sicher sein kann, dass er mehr spielen wird als in München.

Wollte man den Bayern einen auswischen?

Kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube auch nicht, dass die Bayern den geplatzten Transfer groß betrauern werden. Ist ja nicht so, dass es keine Alternativen gibt, die sich die Bayern leisten könnten.

Was passiert mit Mario Götze?

Es wäre selbstredend ein Traum, wenn Mario Götze auch über das Jahr 2014 hinaus beim BVB bleiben würde. Allein mir fehlt der Glaube. Mario Götze ist ein Fußballer, der die Qualitäten hat, beim großen FC Barcelona die Nachfolge von Xavi/Iniesta anzutreten. So denke ich, dass er spätestens im Sommer 2013 wechseln wird. Für den BVB kann die Devise nur lauten, Götze so teuer wie möglich und am besten nicht innerhalb der Bundesliga zu verkaufen, wenn Götze andeutet, dass er seinen Vertrag (bis 2014) nicht verlängern möchte. Letzteres gilt auch für Shinji Kagawa, dessen Vertrag 2013 ausläuft und wo bisher kein Signal des Japaners bzgl. einer Vertragsverlängerung zu vernehmen ist.

2 Antworten auf „Ein Reus und ein paar Fragen“

  1. So schaut es aus. Ein Super-Transfer unter zwei Bedingungen: Der BVB erreicht wieder die Champions League. Und solche Summen werden nicht wieder zur Regel, es sei denn, sie sind durch Verkaufserlöse in gleicher Höhe gedeckt.

    1. Ich glaube, dass es auch ein Jahr ohne CL geht. Aber mit wäre es schon besser und den Anspruch, jedes JAhr unter die Top 3/4 zukommen, den sollte der BVB aktuell schon haben.

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