Ein Gastautor über Sandhausen, faule Blogger und fette Hamburger

Wie schon im letzten Jahr habe ich auch heuer die 1. DFB-Pokalrunde sausen lassen und einen Gastautor gegeben, seine Eindrücke zu schildern. Der Clemens, seines Zeichens Schreiberling des Blogs „BVBoiseree„, war so nett, neben einem Verweis auf meinen neuen Job als Rosinenpicker und Eventfan, einen schönen Bericht herzuzaubern. Vielen Dank dafür.

Im Tinneff-Blog hat sich eine Unsitte eingeschlichen die da lautet: Der Schreiberling dieses Blogs überlasst Besuch und Spielbericht der ersten Pokalrunde dem Gastautorenpack. Letztes Jahr Stolle, dieses Jahr ich, nächstes Jahr gibt es dann das umfeierte Comeback vom fetten Hamburger.

Und damit herzlichen Willkommen in meine Gastberichterstattung aus der Rhein-Necker Metropole Sandhausen, hier im idyllischen Örtchen zwischen den Fußballgroßmächten Sinsheim und Heidelberg liegt das 10.000 Einwohner-Kaff im Hardtwald. Das gleichnamige Stadion bietet Platz für jeden dieser Einwohner – theoretisch. Praktisch verirren sich kaum mehr als 2000 Sympathisanten zu den 3. Ligaheimspielen, was die schlechteste Platzierung aller Nicht-Amateurclubs der Liga bedeutet. Eine Fanszene war mir bis zu unserer Ankunft nicht bekannt, in der hintersten Ecke der unüberdachten Stehplatztribüne versammelte sich dann aber tatsächlich eine kleine Gruppe von etwa 50 Leuten, die kurz nach dem Anpfiff die Gelegenheit der großen Bühne nutzten und ihren ultrigsten Moment der Fanszene feierten, als sie zwei „Jedes Shirt nur 10 Euro“-Deutscher-Meister-T-Shirts und eine dazugehörige Fahne stolz auf dem Zaun „präsentierten“ und anschließend wie kleine Affen bei der Fütterung im Zoo am Zaun zum Gästeblock hochsprangen, was selbst die beobachtenden Freunde und Helfer zum lachen brachte. Definitiv eine Szene die die Einteilung des Duells als „Hochsicherheitsspiel“ gerechtfertigt hat…

Ansonsten verlief die erste Runde im Pokal wie so oft in den letzten Jahren äußerst ereignislos. Mit einem der Fanabteilungsbusse ging es über die zweite Heimat eines jeden Fußballfan, die Autobahn 3, nach Sandhausen. Sinsheim, Stuttgart, Freiburg, Augsburg, Nürnberg, München, Kaiserslautern, Mainz – noch bis zu acht weitere Male werden wir diese Verkehrsader in der kommenden Saison befahren dürfen. Eine zauberhafte Vorstellung. In Sandhausen erwartete uns gegen 17 Uhr dann leider nicht wie im Vorjahr ein zünftiges Volksfest, sondern nur ein matschiger Seitenstreifen, auf dem der Bus geparkt und erst mal ein Gewaltmarsch zum Fanmobile hinter sich gelegt werden musste. Dort schnell festgestellt das sich immer noch die selben Gestalten rund um die Neuerwerbung der Fanbetreuung (man fährt jetzt ein BVB-Partner-Automobile) und so ging es recht schnell weiter zum Stadion.

Da das Spiel nicht nur für die ultrigsten Ultras der Region (außer einer Sek SV- konnte ich keinerlei Fahnen ausmachen) das Spiel der Spiele sein sollte, hatte der SVS sein Hardtwaldstadion „chic rausgeputzt“, wie es der Stadionsprecher stolz verkündete. Das Rausputzen bestand dann im Aufbau zweier zusätzlicher Sitzplatz-Stahlrohr-Tribünen seitlich der kleinen Haupttribüne, was das Fassungsvermögen auf 12.500 Zuschauer erhöhte. Das übrige Stadion ist ein Gemisch aus Landesliga- und „wir-machen-unser-Stadion-Drittligatauglich“. So ist die zweite Hintertortribüne eine komplette Stahlgerüst-Konstruktion mit roten Sitzen, während Gegentribüne und „Fanblock“ aus kaum zehn Stufen Stehplatz bestehen. Für den hohen Besuch war die komplette Gegengerade, eine hälfte der eigentlich Fantribüne und der eigentliche Sitz-Gästeblock auf der Rohrtribüne hergerichtet worden. Um die 5000 Borussen dem Kick beigewohnt haben (wobei sicherlich die Hälfte wie so oft bei diesen Spielen aus der Borussia-reichen Gegend gewesen sein dürften). Dass das Stadion dennoch nicht komplett ausverkauft war darf sich der Heimverein auf die Fahne schreiben. Wer 50 Euro, und somit eine Steierung von 100%, für einen unüberdachten Sitzplatz auf einer Stahlrohrtribüne verlangt, der hat jegliches Feingefühl bei der Preisgestaltung verloren.

Ich gesellte mich dank Akkreditierung in den Pressebereich, bzw. ich versuchte es. Da der eigentliche Bereich für die schreibende Zunft allerdings gerade mal 15 Sitzplätze aufwies, wurde ein gutes dutzend Journalisten kurzer Hand in die erste Reihe verfrachtet. So tippe ich fortwährend die Ereignisse mit dem Laptop auf dem Schoss mit und erfreute mich auf der Rückfahrt eines schmerzenden Rückens.

Zum Spiel selbst gibt es nicht allzu viel zu schreiben, die Meisten werden es ohnehin gesehen haben. Gut gefallen haben mir der sehr agile Löwe auf links, der kritisch beäugte İlkay Gündogan und Robert Lewandowski, der freilich mehr als „nur“ seine beiden Hütten hätte erzielen können. Der gesamte Auftritt der gerade genannten, wurde jedoch von zwei Borussen in den Schatten gestellt, auf die wir uns in dieser Kombination in der kommenden Saison wirklich freuen dürfen. Wie Shinji Kagawa und Mario Götze im offensiven Mittelfeld wirbelten und teilweise auf engsten Raum gegen drei, vier Gegenspieler kombinierten – das war ganz große Fußballkunst, die durch Kagawas 2:0, nach herrlicher Vorarbeit von Gündogan, gekrönt wurde. Insgesamt ein sehr starker, souveräner, vielleicht in manchen Situationen zu unkonzentrierter Auftritt unserer Mannschaft, die Mut für die Saisoneröffnung am Freitag macht.

Ähnlich kann man auch den Auftritt des Gästepöbels zusammenfassen. Langweilige Singsang-Phasen und geschlossene Hüpf- und Singeinlagen wechselten sich ab und reichten, um die paar Männekes im SVS-Block, trotz meiner recht zentralen Position, nicht ein einziges Mal vernehmen zu müssen. Kritisch darf man sicherlich das erneute Dauerschwenken und das teilweise ewige vor-sich-her-Gesinge bewerten, auch wenn es noch so sehr „Ultra-Style“ ist. Da war auf jeden Fall noch massig Platz nach oben.

Die Rückfahrt gestaltete sich, FA-Bus-typisch, recht ereignislos. Bei ein paar Bier wurde sich noch ein wenig ausgetauscht, ehe nach und nach der Großteil des Buses ins Koma fiel und erst gegen 2 Uhr am Westfalenstadion wieder erwachte.

Dortmund in Runde zwei und Freitag geht es dann endlich wieder los. Die Wochenenden haben wir einen Sinn. Und der Tinneff hat dann auch endlich wieder was zu schreiben.

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