Die Scheinheiligkeit vieler Fans

In den letzten Tage kursieren in diversen Medien ja immer wieder diese Geschichten über Nuri Sahin, der nach seinem Wechsel vom deutschen Meister aus Dortmund zu den Königlichen nach Madrid dort auf Grund verschiedenster Umstände nicht so wirklich einen Fuss auf den Boden oder besser auf den Rasen des Estadio Santiago Bernabeu bekommt. Die Medien kokettieren immer wieder mit einem Wechsel von Nuri Sahin, wobei die Palette der Vereine von Valencia über Borussia Mönchengladbach bis zum Ballspielverein Borussia 1909 e.V. Dortmund reicht. Viel trauriger als die Geschichten zu lesen über den leidenden Nuri Sahin finde ich jedoch das Verhalten diverser Fans, was für mich nur eines ist: Scheinheilig.

Natürlich, Nuri Sahin hat den Vertrag bei Real Madrid nicht nur unterschrieben, weil er dort bei einem der größten Klubs im Weltfussball kicken kann, sondern auch weil er dort sicherlich nicht für Peanuts spielt. Er tut es aber eben auch, weil Real Madrid für Nuri Sahin und viele andere Fußballer eine Weiterentwicklung darstellt. Dort spielt er mit den besten Fußballern der Welt zusammen oder hat die besten Fußballer der Welt zum Gegner – sprich den FC Barcelona. Ihn jedoch als geldgierigen Raffzahn hinzustellen, der nur und ausschließlich wegen der Kohle gewechselt ist, halte ich nicht nur für dämlich, sondern schlichtweg scheinheilig. Oftmals habe ich auch das Gefühl, dass dort der Neid spricht, da Nuri Sahin etwas im Job riskiert, während man selbst zwar von einem Aufstieg träumt, aber sich im Grunde doch nicht traut.

Wenn ich ein Angebot bekäme, in einem Unternehmen eine aus meiner Sicht reizvolle Aufgabe zu übernehmen, die zudem noch einen Schritt auf meiner Karriereleiter nach oben darstellt, dann würde ich diese auch nicht per se ausschlagen. Wenn diese Stelle dazu dann auch noch fürstlich entlohnt würde, wer würde es nicht versuchen, selbst wenn die Konkurrenz und die Anforderungen steigen? Wenn man was erreichen will im Berufsleben, dann muss man auch mal eine Veränderung riskieren. Auch das Risiko des Scheiterns ist ein Bestandteil des Entscheidungsprozesses. Aber von nichts kommt nichts.

Ich für meinen Teil habe höchsten Respekt vor dem Schritt, den Nuri Sahin im vergangenen Sommer getan hat. Wenn er nun in Madrid scheitert, dann hoffe ich, dass er dies als Lebenserfahrung abspeichert und seine persönlichen Schlüsse zieht. Wenn diese heißen, dass er zurück ins Ruhrgebiet nach Dortmund wechselt, dann würde ich mich sehr darüber freuen. Für mich ist es sogar ein Zeichen von Reife, wenn man sich eingesteht, nicht zu den Besten gehören zu können und entsprechend wieder in den „alten“ Job zurückgeht.

7 Antworten auf „Die Scheinheiligkeit vieler Fans“

  1. würde sahin spielen, könnte man das so natürlich unterschreiben. er hat jedoch überhaupt keine möglichkeit, sich bei real zu beweisen. insofern ist es nicht sicher, ob sahin nicht am ende des tages doch zu den besten gehört. 

    1.  Genau das ist es ja, was mich so stört: Viele tun so, als wäre Sahin eine Graupe, maximal gehobenes Bundesligaformat. Das er bei Real nicht spielt hat halt – via beschrieben – viele Faktoren.

  2. Den meisten Leuten die sich über den Sahin-Wechsel echauffieren, geht es meist nicht darum, dass er zu Real wechselt und dort mehr Kohle verdient, sondern viel mehr um die Art wie Sahin gewechselt ist im Kontext mit seinen dummen Antworten kurz vor der Bekanntgabe des Wechsels. „Die Fans wissen wie ich mich entschieden habe“.  Zudem haben viele auch damals schon gesagt, dass es dumm war zu diesem Zeitpunkt zu wechseln, da er noch mindestens 2 Jahre zum reifen gebraucht hätte. Jetzt ist es zu spät. Pech gehabt.

    1.  Natürlich war die Art und Weise nicht die optimalste. Aber man muss halt auch sagen: Wer garantiert Sahin, dass er in 2 Jahren noch mal so ein Angebot bekommen hätte? Da sehe ich wieder den Vergleich zum normalen Arbeitnehmer: Dem garantiert auch niemand, dass er in 2-3 Jahren noch mal so eine Offerte bekommt.

  3. Ich habe ihm den Wechsel trotz der Begleitumstände nicht übel genommen. Ich habe aber jetzt auch kein allzu großes Mitleid mit ihm. Mit der jetzigen Situation war nach seiner Verletzung zu Beginn zu rechnen. Dann muss er halt wechseln und wird sich bei einem anderen Verein sicher wieder durchsetzen können. 

  4. Nuri hat getan was er für richtig hielt. Das es im Moment nicht so läuft wie er es sich wünscht ist schade, kommt aber nicht nur bei ihm vor. Viele Spieler brauchen eben ihre „Eingwöhnungszeit“ 😉
    Möchte da doch mal an Robert Lewandowski erinnern 😉
    Wenn er irgendwann spielen kann, wird er sich auch beweisen können und von den ganzen Neidhammeln, die jetzt groß rumtönen wird man dann auch nichts mehr hören 😉

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