Die Schattenseite des Erfolges

Die 49. Spielzeit in der Fußballbundesliga ist noch keine 72 Stunden alt, da sieht sich der geneigte Fan des Ballspielverein Borussia 1909 e.V. Dortmund mit denselben physischen wie psychischen Problem konfrontiert, die er in der Sommerpause erst so mühsam auskurieren konnte. Da soll er, trotz des vielleicht besten Heimspiels seines Vereins seit dem Sieg gegen den AC Milan 2002, die Ruhe bewahren und nicht allen seinen Bekannten, Verwandten, Freunden, Arbeitskollegen und so weiter erzählen, dass man nur von Spiel zu Spiel denkt und das sowieso die Bayern Meister werden. Und die ganzen Verspannungen, gestressten Stimmbänder und wundgeklatschten Hände, die man sich aus lauter Begeisterung in der letzten Saison geholt hat, die sind auch alle wieder da. Kurz und knapp: Der Erfolg hat auch seine Schattenseiten.

Es fällt einem einfach schwer, nach dem gestrigen Spiel mental cool zu bleiben. Ich meine, wenn die Presse die Mannschaft in den Himmel schreibt, dann muss ich nicht zwangsweise mit einsteigen, da man als Fan das Spiel seiner Mannschaft mitunter deutlich emotionaler – bisweilen auch kritischer – sieht. Aber wenn du auf der Tribüne stehst und denkst, dass die Mannschaft nicht von Beginn an so brillieren kann wie über weite Strecken der letzten Spielzeit, und dann siehst, wie sie den HSV vom allerfeinsten zerlegt, dann musst du schon sehr stark sein, nicht völlig abzuheben und schon von großen Taten (Meisterschaften, Derbysiege und großartigen CL-Auftritten) zu träumen.

Zugegeben, die Hanseaten waren in den ersten 70 Minuten nicht mal im Ansatz auf der Höhe des Geschehens, aber dennoch zeigte der BVB eine Spielfreude, die man nicht wirklich erwarten konnte. Und wenn man nicht am Aluminium oder an der eigenen immer noch verbesserungsfähigen Chancenverwertung gescheitert wäre, dann hätte es ein Debakel für den HSV gegeben. Mal sehen, was die Leistung gegen den HSV wert war. Ich denke, dass der HSV keine Laufkundschaft ist, wie es gestern den Eindruck machte. Gerade offensiv ging bei den Rothosen im Grunde überhaupt nichts und dies, obwohl sie dort mit Guerrero, Petric, Töre und Son eigentlich ganz gut besetzt scheinen. Mal sehen.

Beim BVB stand ja im Sommer immer eine Frage im Raum: Wer ersetzt nur Sahin? Geht das überhaupt? Interessanterweise hat Nuri Sahin in Sachen Ballkontakte einen Spieler als Nachfolger, dem man dies so gar nicht zugetraut hatte: Felipe Santana. Santana hatte mit 109 Ballkontakten die meisten aller Borussen. Auch seine 88 Pässe wurden von niemandem getoppt. Interessante Sache wie ich finde. Am meisten gelaufen war im übrigen Doppeltorschütze Großkreutz mit 12,6 Kilometer. Das gesamte Team lief satte 124,7 Kilometer, die Hamburger zum Beispiel nur 113,7. Interessant im übrigen auch, dass Gündogan auf der so wichtigen Position des „6ers“ keine 30% seiner Zweikämpfe gewinnen konnte.

(Legende: Zkgew = gewonnen Zweikämpfe / Zkges. = Zweikämpfe gesamt / Statistik: © http://www.bundesliga.de)

Und sonst so?

Ich bin kein Freund von irgendwelchen Eröffnungsfeiern bzw. Zeremonien. Diese Show um den Auftakt in die Liga muss ich nicht haben, aber wenn es das einzige ist, was ich in Kauf nehmen muss, wenn mein Team deutscher Meister wird, dann darf die DFL das im nächsten Jahr gerne wieder im Westfalenstadion abhalten.  Apropos Westfalenstadion: Danke an für das Spruchband der Hamburger („Für immer Westfalenstadion“), auch wenn man es erst enträtseln musste.

Jäger und Gejagte

FCA – SCF: Guck an, der alte Essener Sascha Mölders kann es auch in Liga 1. Aber Augsburg mag ich trotzdem nicht.

Köln – WOB: Helmes trifft an alter Wirkungsstätte gegen unfassbar schlechte Kölner. Mal sehen, wann sie den Kopf von Solbakken fordern.

H96 – TSG: Was ein Tor von Schlaudraff. 96 wie letztes Jahr sehr heimstark. Vielleicht hilft es auch gegen den FC Sevilla.

SVW – FCK: Rosenberg kann es also auch noch. Mal sehen, ob Mertesacker im September auch noch in Bremen spielt.

VfB – S04: Feines Stadion haben die Schwaben da. Mal sehen ob sich die Stimmung hält. Beim S04 findet man Ruhe im Umfeld blöde. Deswegen kommt neben dem Thema Raul auch gleich noch die 5. Liga-Klatsche in Folge hinzu.

BSC – FCN: Das war bei beiden Teams noch viel Sand im Getriebe, wenn man dem glauben kann, was man so liest.

FSV – B04: Hui, da bahnt sich ein Torwartproblem an in Leverkusen. Und die Mainzer in der Neuauflage von em>Dr. Jekyll und Mr. Hyde

FCB – BMG: Was für perfektes Wochenende für Manuel Neuer. Von Freitag bis Sonntag nur wunderbare Ergebnisse. Hoeneß hatte im übrigen einen heftigen Sonnenbrand im Gesicht. Schlimmer als bei den Briten auf Mallorca.

Aussicht:

Kommenden Samstag geht es zum „Angstgegner“ der Borussia, der TSG aus Sinsheim. Als Fan schwanke ich zwischen totaler Euphorie und dem Wissen, dass nicht jedes Spiel so sein wird wie gegen den HSV. Also bleibt nur die – auch wenn es unheimlich schwer fällt – Devise: Das nächste Spiel ist immer das Nächste.

Spruch des Spieltages:

„Für das erste Spiel war es schon sehr ordentlich.“ (Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß im TV-Sender Sky zur überragenden Leistung von Borussia Dortmund beim 3:1 gegen den HSV)

5 Antworten auf „Die Schattenseite des Erfolges“

  1. Wir sind uns in unserem Artikel zum Bundesligawochenende ja ziemlich einig. Ich finde es irgendwie komisch, man hat sich das jahrelang abtrainiert bzw. es war halt irgendwann weg, dieses Gefühl der Euphorie zur neuen Saison. Und aktuell hat man seit 2008, also schon 3 Jahre, eine unfassbare Weiterentwicklung. Da hebt man nach der Meisterschaft und diesem ersten Fußballwochenende leicht ab. Ob man nun will oder nicht. Ein komisches Gefühl.

    Das Stuttgarter Stadion habe ich zwar nicht live gesehen, aber ich finde es irgendwie pottenhässlich. Die Tribünen sind mMn immer noch zu weit weg und es fehlt weiterhin ein eigener Charme. Mal abwarten, die Saison ist ja (zum Glück) noch lang und vielleicht ändert sich diese Meinung im Laufe der Zeit. Mir gefällt das neue in Mainz dafür gut. Hat zwar auch einige Macken (z.B. diesen unschönen kleinen Unterrang), aber die Nähe ist für ein komplett neu erbautes Stadion sehr annehmbar. Allerdings haben wir in DO seit 2006 auch nicht mehr diese Nähe. Auf der Süd ist sie noch gegeben und dort unten am Zaun ist deshalb auch mein Lieblingsplatz. Man riecht den Rasen!

    Zur Laufleistung muss man nicht viel sagen. Die war einfach beeindruckend. Wenn Manni 12,9km läuft und man auf insgesamt 125km kommt, dann muss man nur die Laufleistung der Hamburger (113km) nehmen um zu sehen, dass wir quasi einen Feldspieler mehr auf dem Platz hatten. Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.

    Den Bayern habe ich so einen Autakt nicht zugetraut. Die Gewohnheit und diese enormen Ausgaben sprachen dagegen. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, die haben seit Jahren kein Konzept. Wenn es nicht läuft, haut man einfach mal ein paar Milliönchen raus und hofft dass alles besser wird. Die werden sich sicher noch fangen und eine gute Saison spielen, aber ob es für diesen BvB reicht? Wenn ich ehrlich bin, sehe ich national keine Konkurrenz, aber wir müssen unsern Weg genauso weitergehen und auf dem Boden bleiben, da liegt dann halt auch die Gefahr.

    1. Man muss vorsichtig sein mit Prognosen nach dem 1. Spieltag. Der BVB spielt sicherlich aktuell sehr guten Fußball und vermutlich zittern viele Klubs in der CL vor uns am meisten (aus Topf 4 gesehen), jedoch muss sich nur jemand verletzen (Götze, Kagawa, Hummels) und schon könnte es eng werden. Daher immer vorsichtig mit den jungen Pferden 🙂

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