Die Kehrseite von „Pyrotechnik legalisieren“

Pyrotechnik – kaum ein Thema entzweit die Fans so sehr wie der Einsatz von bengalischen Fackeln und weiteren pyrotechnischen Mitteln. Der Einsatz wird immer wieder kontrovers diskustiert mit mehr oder weniger sinnvollen Argumenten. So auch nach dem Spiel des glorreichen deutschen Meisters der Jahre 1956,1957,1963,1995, 1996,2002 und 2011 bei den seit 1958 glücklicherweise schalenlosen Erzrivalen aus der Emschermulde. Ich lasse das Thema mal unkommentiert.

Allerdings zeigten diese Aktion für mich die Kehrseite der meiner Meinung nach lobenswerten Aktion zur Legalisierung von Pyrotechnik. Warum sollte es keinen Freiraum für den Einsatz von Pyrotechnik geben für Menschen, die sich der Verantwortung bewusst sind und dazu intelligent genug sind, keine Böller einzusetzen oder die Bengalen im hohen Bogen in Richtung Rasen oder gegnerische Fanblöcke zu schmeißen?

Ein Grund konnte man Samstag in der Turnhalle in Gelsenkirchen feststellen: Trittbrettfahrer. Die Ultragruppen mögen sich einig sein, wie und wann sie Pyrotechnik einsetzen. Schwierig wird es nur, wenn dann Fan XY auf die Idee kommt, sich vor seinen Freunden beweisen zu müssen und in einem Aggregatszustand jenseits jeglicher Zurechnungsfähigkeit so ein Dingen zündelt. Oder wenn jemand seine Restbestände der letzten Silverparty oder seines letzten Osteuropabesuchs im Stadion „wegböllern“ möchte. Ich erinnere mich noch an einen „Pyromanen“ Anfang 2000, der auf der vollbesetzten Südtribüne nach einem Tor entsprechend pyrotechnisch Material abfackelte. Derjenige war dabei so voll, dass er nicht mal in der Lage war, mit den Ordner die Tribüne eigenständig verlassen zu können, nachdem diese ihn aus dem Block gezogen haben. Für solche Menschen können und wollen sicherlich weder die Ultragruppen als auch die Vereine die Verantwortung übernehmen. Und solange dieser Punkt nicht geregelt werden kann, sehe ich für die Aktion „Pyrotechnik legalisieren“ keine Chance.

Oder wie will man dieses Risiko minimieren?

8 Antworten auf „Die Kehrseite von „Pyrotechnik legalisieren““

  1. Ich sehe ehrlich gesagt den einzig gangbaren Weg darin, dass nur in einem abgetrennten, nicht voll besetzten Teil des Blocks gezündelt werden darf, zu dem der Zugang, falls nötig, gesondert kontrolliert wird. Es wäre schön, wenn man sich auf die Vernunft der Leute verlassen könnte, aber das hat sich noch bei fast jedem Verein als Trugschluss erwiesen.

    1. Bleibt dennoch das Problem, dass du einem anderen Fan erstmal erklären musst, warum der eine Fan dort zündeln darf, er selber an anderer Stelle jedoch Stadionverbot bekommt.

      1. Man kann nur die von dir oben genannten Argumente anführen. Es ist nicht zu erwarten, dass das jeder Fan im von dir beschriebenen Zustand versteht, aber man kann es eben nicht jedem jederzeit Recht machen.

  2. War ’ne ganz bittere Nummer was da in der Turnhalle passiert ist. Und wie du korrekterweise sagst, diese Trittbrettfahrer sind eine der großen Gefahren. Die lassen sich nicht damit abspeisen, dass es nur bestimmte Leute in bestimmten Bereichen dürfen. Die wollen zündeln und werden es dann womöglich noch spektakulärer machen wollen als in den erlaubten Bereichen von ausgewählten Leuten. Die könnte man nicht mehr unter Kontrolle halten, weshalb die aktuelle Regelung mMn sinnvoll ist.

    Ich habe einen Gastbeitrag für schwatzgelb.de verfasst, der sollte eigentlich zum Saisonstart raus. Ich habe ihn aber nach den aktuellen Vorfällen nochmal überarbeitet. Der geht in die gleiche Richtung wie dein Post was die Nachahmer angeht. Wirst du ja die Tage zu Gesicht bekommen, falls du ihn nicht eh schon gelesen hast als Redaktionsmitglied. 😉

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