Der BVB auf dem Weg zum Titel? Warum nicht?

Ich bin eigentlich niemand, der dazu neigt, übermäßig  euphorisch zu sein bei einer Siegesserie oder alles zu verdammen, wenn es mal ein paar Spiele lang nicht läuft. Und wen man mich am Samstag nach den ersten 45 Minuten zu meiner Meinung gefragt hätte, wäre Sie wohl mäßig ausgefallen. Denn wirklich überraschend kam es nicht, dass der SC Freiburg den BVB dominierte, auch wenn es schon beachtlich war, wie stark die Breisgauer waren. Aber dann kam die 2. Halbzeit und die Erkenntnis, dass diese Mannschaft die Moral und die spielerischen Mittel besitzt, auch das schwerste Spiel noch erfolgreich zu gestalten. Und man hat auch noch das nötige Glück in diesem Jahr, dass der Gegner nicht in der letzen Minute die Bude macht, sondern nur das Gebälk trifft. Es kommt also scheinbar alles zusammen in dieser Saison.

Zugegeben, der SC Freiburg hätte das Unentschieden verdient gehabt. Die erste Halbzeit war die stärkste Halbzeit eines Gegners in dieser Saison. Gute Kombinationen, schnelles Umschalten, ein bisschen Glück beim Tor (der Freistoß vor dem 1-0 ist ein WITZ!) dazu taktisch eine hervorragende Defensivleistung, die Dortmunds Offensivbemühungen schon im Keim erstickte. Barrios hing völlig in der Luft, Sahin war mehr mit dem verteidigen beschäftigt als je zuvor und die Außenbahnen waren mit dem schwachen Großkreutz und Götze auch eher verwaist. Freiburg hingegen kam immer wieder mit guten Kombinationen in Strafraumnähe und hätte durch Cissè kurz vor der Pause auf 2:0 erhöhen können. Ob nun das 1-0 irregulär war oder nicht, spielt auch nur eine untergeordnete Rolle. Weidenfeller hätte einfach alles wegräumen sollen, wenn er raus kommt, dann hätte es die Diskussionen nicht gegeben. So eindeutig war das Foulspiel nun nicht, dass dort der Schiedsrichter hätte auf Foul entscheiden MÜSSEN.

In der Halbzeit muss Jürgen Klopp scheinbar die richtigen Worte gefunden haben, denn das, was man ab Minute 46 von den Borussen zusehen bekam war in meinen Augen die beste Halbzeit unter Jürgen Klopp. Freiburg wurde so was von an den eigenen Strafraum gedrückt, so dass die Fans auf der Heimtribüne die ersten Minuten gar nicht zu Gesicht bekamen. Dortmund spielte sich einen Torchance nach der anderen heraus und schossen dem Freiburger Keeper Buchmann so die Flossen heiß, dass er damit locker einen Kaffee hätte minutenlang warm halten hätten können.  Ein Angriff nach dem anderen rollte auf das Tor zu und eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis der BVB den Ball über die Linie drücken würde. Doch dann fand Freiburg wieder besser ins Spiel und die Partie verflachte zwischen der  60. und 75. Minute etwas, wobei Dortmund immer noch überlegen war, ohne zwingende Chancen herauszuspielen. Aber dann zeigte sich eine weitere Stärke der Borussia, die man in dieser Form über Jahre beim Ballspielverein nicht mehr hatte: richtige Qualität auf der Bank. Schmelzer zeigte wieder einmal, dass er nicht nur defensiv eine enorme Entwicklung genommen hatte, sondern dass er auch in der Offensive immer besser wird. Seine mit Tempo in den Strafraum geschlagene Flanke drückte der eingewechselt Lewandowski in der 75. einskalt mit dem Kopf zum Ausgleich über die Linie.  Keine 3 Minuten später war es dann ein Eigentor der Freiburger nach einer Flanke des Polen Łukasz Piszczek, die den Gästeblock kochen lies. Danach hatte der BVB noch mehrere mehr oder minder große Torchancen, die allesamt vergeben wurde. Der Knaller war natürlich diese Situation hier. Interessant im Übrigen, dass der mäßige Schiedsrichter das Foul von Lewandowski am Freiburger Schlussmann nicht erkannte. Aber das passte zu seiner Leistung irgendwie. Danach musste noch mal gezittert werden, als Cisse knapp neben das Tor und ein weiterer Freiburger in der Schlussminute wie eingangs erwähnt nur das Aluminium traf. Danach war der 7. (!) Auswärtssieg im 7. Auswärtsspiel der Saison perfekt.

Apropos 7: Die Zahl 7 war eh die Zahl des Tages beim BVB. Nicht nur, dass man 7 Punkte Vorsprung in der Tabelle vor dem 2. Mainz hat, so wurden es am späten Abend 2x 7 Punkte Vorsprung auf die Bayern und gar 3x 7 Punkte auf die Blauen. Darüber hinaus war es eben der 7. Auswärtssieg im 7. Auswärtsspiel der Saison, was bisher nicht mal die glorreichen Bayern fertig brachten.  Und wo wir gerade schon bei den Bayern sind – die sind für mich weiterhin der 1. Kandidat, auf die man als BVB-Fan achten sollte im Kampf um die Meisterschaft. Ich traue nur Ihnen zu, die 14 Punkte Rückstand (wenn man das so schreibt merkt man immer, wie viel das eigentlich ist) aufzuholen. Mit Abstrichen kann auch Leverkusen das sicherlich, ist halt nur die Frage, wie lange die noch international spielen. Einen Kader für beide Wettbewerbe hat Leverkusen meiner Meinung nach nicht. Sollten die Bayern in der Rückrunde in Fahrt kommen mit Ribery, Olic, Robben und Gomez, dann sind sie es wohl, die rein vom Personal dieser Doppelbelastung gerecht werden könnten. Aber reden wir nicht über die Gegner, sondern über den BVB.

Das Spiel am Samstag in Freiburg hat gezeigt, zu was diese Borussen aktuell in der Lage sind. Taktisch unglaublich reif und in der Kaderbreite aufgestellt wie seit Jahren nicht mehr. Dazu defensiv stabil und Offensiv immer in der Lage, was du veranstalten, was den Gegner straucheln lässt. Gerne führen die Gegner ja an, dass der BVB nur viel läuft und irgendwann der Einbruch folgen müsste. Das es aber meist die Gegner sind, die Einbrechen, zeigt ein Blick auf der Torverhältnis der jeweiligen Halbzeiten: Halbzeit 1 beträgt es 10:5, in der 2. Halbzeit 21:3. Darüber hinaus scheint die Mannschaft mental absolut auf der Höhe. Kein Rückstand wirft sie so aus der Bahn, dass sie ihr Konzept verliert, auch wenn deren Umsetzung nicht immer perfekt gelingt, wie z.B. gegen Sinsheim. Darüber hinaus ist man scheinbar in der Lage blitzschnell auf taktische Fehler zu reagieren und so den Gegner unter Druck zu setzen. Nur im Spiel gegen Leverkusen hatte man keinen Schlüssel gegen Hyppiä und Co. Man hat also mehr zu bieten als nur Glück und läuferische Topleistungen. Auch wenn die Gegner es nicht vernehmen.

Wird der BVB also am Ende deutscher Meister? Die Chancen stehen sehr gut. Natürlich wird der Druck steigen, nicht nur in der Presse sondern auch bei den Heimspielen. Man stelle sie vor, die Bayern und Leverkusen spielen jeweils Remis und der BVB hat gegen biedere Gladbacher einen schweren Stand, dann dürften die ersten nervös werden. Auch wird es sicherlich in der Rückrunde Niederlagen geben, da gerade das Auftaktprogramm sehr schwer ist mit Spielen in Leverkusen, München und Wolfsburg. Auch das Heimderby gewinnt man nicht im Vorbeigehen. Aber wer, wenn nicht dieser BVB, kann Prüfungen bestehen?

Am Samstag heißt es aber erstmal, dass Heimspiel gegen den Mythos zu gewinnen. Vielleicht tun uns die Gladbacher den Gefallen und spielen munter mit, dann dürfte die Schiessbude der Liga gegen den besten Sturm der Liga viel Arbeit haben. Stellen die sich nur hinten rein, wird es ein zähes Spiel vermutlich. Was der Rest macht, ist auch erstmal völlig egal.

7 Antworten auf „Der BVB auf dem Weg zum Titel? Warum nicht?“

  1. Als beste Halbzeit unter Klopp sehe ich die zweite in Freiburg nicht. Wir hatten doch schon einige tolle Spiele in dieser Saison. Am Samstag waren es eher so 15 Minuten, wo wir richtig Druck gemacht haben, dann ist die Partie wieder etwas verflacht, wie du ja auch schreibst, und dann kamen eben noch die Tore und zwei, drei Chancen. Freiburg hat aber auch noch ordentlich mitgespielt. Aber schön wars natürlich schon. 😉

    Mit Gedanken an die Meisterschaft wäre ich vorsichtig. Das handhabt Klopp auch ganz richtig. Wir sollten immer daran denken, dass es noch 21 Spieltage sind und dass der momentane Erfolg so außergewöhnlich und überraschend ist, dass man nicht einfach davon ausgehen kann, dass das so weiter geht. 12 Ligaspiele lang hat die Mannschaft das durchgehalten, dazwischen gab es einige unterschiedlich gute Europapokal-Spiele und ein richtig schlechtes Pokalspiel.

    Es liegt sicher auch am Stimmungs- und Motivationshoch, dass wir zurzeit so gut mit allem fertig werden. Natürlich haben wir auch einen guten Kader, aber da stehen andere Mannschaften, nicht nur Bayern und Leverkusen, vor uns. Trotzdem spielen wir momentan den besten Fußball. Das liegt mMn am Gesamtpaket: Klopp, Taktik, Stimmung, Einzelkönner. Wenn mehrere unserer Schlüsselspieler ausfielen, würde das die Mannschaft schon beeinträchtigen – wie kann es auch anders sein, wir sind ja nicht Barcelona. Und außerdem kann es durchaus sein, dass einer unserer Konkurrenten ebenfalls mal eine Serie startet.

    Deshalb ist für mich der Blick auf die Tabelle wirklich erst ab dem Frühjahr relevant. Auch wenn sie gerade so schön aussieht.

    1. Aber gerade unter dem Gesichtspunkt, dass Freiburg wirklich stark war an dem Tag, ist es für eine sehr gute Halbzeit gewesen unserer Borussia.

      Was mich einfach überzeugt ist die mentale Einstellung. Verletzungen kann man nie ausschließen, auch nicht unsere Verfolger aus Sinsheim, Leverkusen, München oder Freiburg.

      Wichtig ist natürlich, dass man die Gegner weiterhin ernst nimmt.

  2. Wenigstens gibts dein Blog, so dass man in Verbindung bleiben kann! Schade um den anderen Kanal, aber du wirst deine Gründe haben. Und ich ein Blog mehr, das ich jetzt gelegentlich aufsuchen muss. Herzliche Grüße aus München!

    1. Joa, mit etwas Abstand war die Reaktion vielleicht etwas überzogen, weil mir das schon Spaß macht, mit verschiedenen Charaktären über den Fußball zureden. Eventuell werde ich bei Twitter wieder auftauchen, jedoch in einer anderen Form.

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