Das schönste am 33. und 34. Spieltag…

… – alle Spiele 15:30. So lautete sinngemäß ein Spruchband am Samstag beim letzten Heimspiel der glorreichen Borussia aus Dortmund gegen den noch amtierenden Deutschen Meister aus Wolfsburg. Recht hatten sie. Als Stadiongänger gibt es nichts Schöneres als die letzten beiden Spieltage. Alle 9 Spiele werden gleichzeitig angepfiffen, Tausende haben kleine Radios dabei und sind immer informiert über die  Ergebnisse in den anderen Stadien. Okay, die Spannung der letzten beiden Spieltage spielen auch noch mit rein, aber im Grunde genommen würde ich mir wünschen, dass immer samstags um 15:30 der Anpfiff erfolgt. Aber vielleicht sehe ich das nächste Saison anders, wenn man Donnerstag noch in Europa unterwegs gewesen ist.

Am Samstag ging es also über Dülmen, wo 2 Mitfahrer eingeladen wurden, in Richtung Dortmund. Vorm Spiel wurde noch an der Reithalle mit 3 weiteren Münsterländern eine leckere Bratwurst gefuttert (die Beste in der gesamten Bundesliga) und über alles möglich gequatscht. Dann ging es zum letzten Mal für knapp 3,5 Monate durch die Tore ins Wohnzimmer, dem Westfalenstadion in Dortmund. Schon krass irgendwie, dass man nun ¼ Jahr lang kein (Pflicht-)Heimspiel des Ballspielverein Borussia 1909 e.V. Dortmund zu sehen bekommt. Außer man beendet die Saison als 6., dann „darf“ man schon Ende Juli wieder ins Westfalenstadion pilgern zur 3. Qualifikationsrunde im UEFACUP. Aber das brauche ich nicht wirklich. Zudem kann der Jütty von der Zone 09 noch etwas länger sparen, um seine Wettschuld beim ersten Heimspiel des Ballspielvereins an eben jener Reithalle einzulösen. Lecker wird es.

Das letzte Heimspiel einer Saison ist auch immer mit Danksagungen und Abschieden verbunden. So wurde vorm Spiel Paulo César Fonseca do Nascimento, kurz Tinga, verabschiedet, der nach 4 Jahren beim BVB wieder in die Heimat zurückkehrt. Er wurde berechtigterweise mit großem Applaus verabschiedet. Dann gab es noch den üblichen Dank an die Fans, die wieder einmal zeigten, dass sie zwar nicht unbedingt die besten Fans der Welt sind, aber immerhin die Treusten. Denn auch in dieser Saison kamen im Schnitt 77.246 Zuschauer ins Westfalenstadion. Ein Rekord war das allerdings nicht, der liegt bei 79.618 Fans aus der Saison 2003/2004. Ob der aktuelle Schnitt in der nächsten Saison zu halten ist, darf bezweifelt werden, da man als Europacupteilnehmer „leider“ sehr oft sonntags spielen muss, selbst wenn man in der Woche gar nicht international gespielt hat. Aber man kann nicht alles haben.

Wolfsburg, als deutscher Meister in der Liga wieder dort angekommen, wo sie auch hingehören – nämlich im bedeutungslosen Niemandsland – war für mich überraschend doch mit einer stattlichen Anzahl an Gästefans angereist. Akustisch und optisch waren sie dann aber wieder in einem Atemzug mit Hertha BSC, Hoppenheim oder dem SC Freiburg zu nennen. Der Dortmunder Anhang war dem Spiel entsprechend mal laut und mal leise, also eigentlich nicht erwähnenswert – wären da nicht die letzten 10 Minuten gewesen. Nach Stiepermanns Ausgleich zum 1-1 kochte das Stadion. Auf allen Tribünen standen die Leute und feuerten die jungen Leute auf dem Rasen an. Auch nach dem Schlusspfiff wurde die Mannschaft – deren Enttäuschung über das Ende der Champions League Träumereien nicht zu übersehen war – frenetisch gefeiert. Zu Recht wie ich finde. Wenn ein Team wie das von Jürgen Klopp 3(!) Spieltage vor Ende der Saison den erhofften Startplatz im UEFACUP klar macht, dann kann man hoch zu Frieden sein. Klar, Champions League ist noch geiler und man hätte in jedem Fall die Gruppenphase im UEFACUP spielen dürfen, aber soweit scheint die Mannschaft noch nicht zu sein. Somit war meine Enttäuschung über die gerade in der 2. Hälfte bis zum Ausgleich pomadige Offensivleistung der Borussen verflogen. Und Wolfsburg war auch nicht nur ein Sparringspartner. Dzeko hatte Chancen um sein Torekonto auf 25 statt 21 Saisontore zuschrauben, vergab die Konterchancen aber oft kläglich. Ich denke, dass wir auch Nuri Sahin bald bemerken und nicht mehr dem verschossenen Elfmeter hinterher trauern. Für mich ist Nuri Sahin der Spieler in dieser Saison und ist mit 21 Jahren eine der großen Stützen auf und neben dem Platz. Ohne Sahin wäre der BVB nicht da, wo er jetzt ist. Also Kopf hoch Nuri!

Jubel ich für Werder oder nicht?

Der Ersteller des Spielplans wollte es so, dass man als BVB-Fan so ein bisschen in der Zwickmühle steckte. Auf der einen Seite die Blauen, die im Kampf um die Meisterschaft gegen Werder Bremen gewinnen mussten, um an den Bayern dran zu bleiben. Auf der anderen Seite mussten aber auch die Bremer gewinnen um nicht in Gefahr zu laufen, vom BVB oder der Werkself aus Leverkusen noch von Platz 3 verdrängt zu werden. Im Vorfeld wurde eifrig diskutiert, ob man nun für Bremen oder für die Blauen (*hust*) jubeln sollte. Eine Lösung musste jeder für sicher selber finden, wobei ich ein Unentschieden bevorzugt hätte. Aber wir sind hier nicht bei „wünsch dir was“ sondern bei „so iss es“. Bremen gewann 2-0 in Ge und ich hab es einfach nur registriert. Ich habe selten ein Gegentor der Blauen so emotionslos hingenommen wir am Samstag. Für mich waren die Bayern nicht mehr zu stoppen. Zudem haben die Blauen so oder so eine erfolgreiche Saison gespielt und ähnlich wie wir ist man mit dem zufrieden, was man erreicht hat, auch ohne Krönung.

Nicht das ihr mich falsch versteht: Eine Meisterschaft der Blauen wäre der absolute Super-Gau, der nicht direkt den BVB betrifft. Den ganzen Sommer hätten einen die Blauen genervt mit ihren Meisterschaftsuntensilien wie T-Shirts & Schals und jedes Familienfest oder so wäre zu einem Spießrutenlauf geworden. Und die Ohren hätten monatelange unter DJ Schnippes leiden müssen. Aber das Schlimmste: Sie hätten das Trauma aus 2001 und 2007 zu Grabe getragen. So konnte man sich aber im Stillen mit den Bayern freuen, was ich auch getan habe. Es war eigentlich deutlich unspektakulärer als ich erwartet hatte, was mir aber auch ganz Recht ist.

Nach Abpfiff ging es dann relativ schnell nach Hause, wo der Abend bei einem gemütlichen Angrillen überaus witzig ausklang.

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