Das Grauen hat einen Namen

Es ist ein Alptraum. Da rafft man sich nach einer kurzen Winterpause auf und trainiert wie ein Wahnsinniger, freut sich über die Rückkehr des Heilsbringers und verpflichtet nebenbei auch noch einen Topspieler für ne nette 2-stellige Millionensumme. Man fabuliert in diversen Interviews darüber, wann man endlich auf Platz 1 steht und dass der aktuelle Tabellenführer ja eh bald einbrechen würde, weil das ja schon zum Ende der Hinrunde zu sehen war. Und dann? Ja dann kommt der Tabellenführer aus der Winterpause und zerlegt einen der großen „Konkurrenten“ im eigenen Stadion mit 3-1 und der deutsche Meister im Säbelrasseln, mit dem frischen Gewinner des „Christoph-Metzelder-Medien-Award“ Philipp „BILDZEITUNG“ Lahm, versagt mal wieder. Lieber Konkurrenten aus München und Leverkusen und liebe „Freunde“ aus Ge: Gewöhnt euch lieber schon mal jetzt dran. Euer Alptraum geht weiter und der BVB wird das, was Gelsenkirchen auch mit Magath und Millionen nicht wird: Deutscher Meister. Warum wollt ihr wissen? Weil er es im Gegensatz zu den 1904 gegründeten Vereinen schlichtweg kann.

So, nun aber genug der Pöbeleien und der Arroganz. Beschäftigen wir uns lieber mit dem Freitagabend. Einem dieser Abende, die man als Fußballfan so schnell nicht vergisst. Natürlich machst du dir als Fan Gedanken, wie deine Mannschaft aus der Winterpause kommt. Hat sie ihr gut getan oder nicht? Ist man rechtzeitig fit? Wie hat man die Niederlage in Frankfurt verdaut? Wie stark ist die Konkurrenz aus dem Kölner Vorort? Wie kommt man ohne Kagawa zurecht? Wird Barrios fit? Sind die jungen Spieler dem steigenden Druck gewachsen? Die Antwort wurde eindrucksvoll und für die Konkurrenz schmerzhaft beantwortet: Borussia Dortmund dominiert weiterhin die Liga.

Die Leverkusener versuchten es gegen den BVB mit einem 4-4-2, ohne Vidal, Hyypiä und Ballack in der Startelf – dafür mit Helmes und Kießling als Doppelspitze und Rolfes als einsamer Hirte auf der 6er Position. Keine Ahnung, was „Don-Jupp“ geritten hat, aber im Mittelfeld war Bayer 04 der Borussia hoffnungslos unterlegen. Dortmunds Mittelfeld konnte nach Belieben schalten und walten, ohne wirklich auf Gegenwehr zu stoßen. Schon in der 1. Halbzeit war der BVB Chef im Ring, ohne jedoch etwas Zählbares dabei zu erreichen. Leverkusen hingegen sah mit Ausnahme der Chance von Kießling gegen die Borussia kaum Land. Eine detaillierte Analyse aus Leverkusener Sicht findet ihr hier. Hatte die Konkurrenz wohl nach der 1. Halbzeit noch Hoffnungen, dass der BVB in Schönheit sterben und Leverkusen zum „Lucky Punch“ ansetzen würde, erlebte man in Halbzeit 2 wohl einen Tiefschlag.

Die Borussia überrannte Leverkusen förmlich und spielte dabei einen Fußball, den ich in über 20 Jahren als BVB-Fan noch nie erlebt habe. Sicherlich, in Ihren finalen Sekunden waren die Tore glücklich auf Grund der Fehler der Leverkusener „Abwehr“spieler, aber die Konsequenz und der Zug zum Tor war überragend. Die Leverkusener befanden sich in den ersten 15 Minuten der 2. Halbzeit im Schleudergang des Dortmunder Mittelfeldes, ohne den Notknopf zu finden. Erst zum Ende der Partie schaltete die Borussia auf den Schonwaschgang mit ordentlichem Weichspüler um, so dass Kießling noch ein Ehrentreffer markieren konnte. WAHNSINN!

Auf den Rängen war es in Leverkusen eigentlich wie immer. Jedoch muss ich lobend erwähnen, dass die Kontrollen in Leverkusen dieses Jahr weitaus freundlicher waren als in den Jahren zuvor. Scheinbar hat man in Leverkusen gemerkt, dass nicht jeder Fußballfan ein potenzieller Gewalttäter ist. Dies macht sich auch darin bemerkbar, dass in diesem Jahr die üblichen Fanutensilien wie Megaphon, Doppelhalter und Co. erlaubt waren. Scheinbar sind die Zeiten der GuantanamoBAY-Arena vorbei.

Nicht vorbei ist jedoch die schwache Leistung des Leverkusener Publikums. Auch wenn die Choreo nett anzusehen war (jedoch nicht im Ansatz an die schon gezeigten Choreographien der Leverkusener heran reichte), gesanglich war das Ganze einfach nur schlecht. Das erschreckende ist dabei nicht mal, dass man sie nicht hört, sondern dass man dort keine Entwicklung vernehmen kann. Weder bei den Heimspielen, noch bei den Auswärtsspielen. Aber gut, dass ist deren Problem. Allerdings hat man als Gast es auch einfach, vor allem wenn es eh gerade läuft (wobei ich unsere Stimmung letztes Jahr einen Tacken besser fand). Der Gästeblock ist eng gebaut, rechts eine Mauer, hinten eine Mauer, das Dach ist nah – kurz: Ne geile Akustik. Und wenn dann noch all deine Zweifel und kühnsten Träume in weniger als 6 Minuten beseitigt & wahr werden, dann singst du fast jeden Gegner in Grund und Boden. Ebenfalls positiv zu Jahresbeginn war die Rückkehr des Lenzkopfes und des Stadtadlers, also die Logos von THE UNITY. Rechtzeitig zum 10-jährigen Bestehen, wozu ich an dieser Stelle herzlich gratuliere. Geschenk(e) gibt es dann im April/Mai 2011!

4 Antworten auf „Das Grauen hat einen Namen“

  1. Tja, ganz ohne Neid, aber da hat die allgemeine BvB-Euphorie wohl die Sinne etwas vernebelt. Dortmund "überrannte" Leverkusen? Also in Wirklichkeit war das Spiel doch wohl er mauer Natur (auf beiden Seiten). Allein die Abschlussharmlosigkeit und erbärmliches Defensivverhalten sorgten für drei Tore in fünf Minuten. Bei allem Respekt vor Dortmunds Leistungen in dieser Saison, aber ein bisschen mehr Realitätssinn (im Überschwang der Gefühle) wäre doch angebracht.

    Zudem möchte ich wirklich mal wissen, warum man ständig unterstellt, seitens des FCB wären vor, nach oder während der Winterpause große Töne hinsichtlich der Eroberung von Platz Eins gespuckt worden? Ich bin ein wirklich aufmerksamer Beobachter des Klubs aus München (übrigens auch über die Ränder der Vereinsbrille hinaus) und konnte dergleichen nicht entdecken. Sei's drum – nötig hätte eine solche Tonlage der Anhang des BvB in diesem Jahr allerdings nicht.

    Andererseits, vielleicht doch. So eine Meisterschaft kommt für den BvB vermutlich so schnell nicht wieder. Warum also nicht die Gelegenheit nutzen, ein bißchen "Pöbelei und Arroganz" abzufeuern.

    1. Grundsätzlich empfindet es wohl jeder anders, was da in Leverkusen in den 15 Minuten der 2. Halbzeit passiert. Ich für mich habe es dem BVB nicht zugetraut, Leverkusen 15 Minuten so zu dominieren. Aber wie ich schon schrieb, hat Leverkusen im finalen Akt einen großen Anteil an den 3 Toren. als Fan des FCB Bayern siehst du sowas halt öfter als der Borusse.

      Zu den Aussagen fallen mir halt direkt Herr van Bommel ein (http://www.n-tv.de/sport/Watzke-glaubt-an-Dauer-Klopp-article2236341.html) oder eben Philipp Lahm. Lahm hat im Endeffekt nichts schlimmes gesagt, aber ich muss schon sagen, dass ich mir ein Lächeln nicht verkneifen konnte, dass er seinen Worten keine Taten folgen lies (Stichwort Elfmeter).Und natürlich hast du Recht: So eine Saison erleben wir in Dortmund wohl kein 2. mal. Ein junges Team, welche schönen Fußball spielt und dabei auch noch unerwartet erfolgreich ist. Und ein bisschen hätte die Ironie auffallen können, gerade wo ich bekanntlich dem FC Bayern nicht abgeneigt bin.

      Nächstes Jahr seid ihr wieder dran und könnt uns bepöbeln, wenn wir in München spielen 😉

  2. Ich halte jede Lobhudelei für die Dortmunder Mannschaft für gerechtfertigt. Es war erschreckend, den Unterschied in Spiel- und Handlungsgeschwindigkeit und den dabei gezeigten technischen Fertigkeiten zwischen dem Spiel am Freitagabend und der Partie des VfB gegen Mainz tags darauf zu beobachten. Nun ist der VfB keineswegs und Mainz nur mit Abstrichen ein Maßstab, und Leverkusen, das einer sein könnte, hatte bei der Aufstellung ein wenig daneben gegriffen. Dennoch: das ist großer Sport, was man in Dortmund zeigt. Natürlich hat Leverkusen individuelle Fehler begangen. Aber wer will es einer Mannschaft verdenken, dass so etwas passiert, wenn man permanent derart unter Druck gesetzt wird? Die kurzfristige Häufung war ungewöhnlich, keine Frage, aber doch nicht der Umstand, dass die Fehler irgendwann gemacht werden. Das ist Teil des Plans.

    1. Richtig. Vorallem nach der Pause trifft der BVB sehr häufig in den ersten 10 Minuten. Ist nicht das erste Spiel, wo der BVB kurz nach der Pause in Führung geht oder einen wichtigen Treffer macht.

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