Chance verpasst, liebe Borussia!

Wie jeder weiß, haben Fans des BVB im Zuge des Derbys im vergangenen September die Aktion „Kein Zwanni“ ins Leben gerufen, dessen Intention es u.a. ist, dass man die Topspielzuschläge für Gästefans abschafft. Darüber hinaus soll auch für mehr Transparenz gesorgt werden, in dem man die Preise für die Spiele vor der Saison bekannt gibt und nicht auf den Tabellenstand achtet, den man selber oder der Gegner zum Zeitpunkt des Vorverkaufsbeginns hat. Dazu gab es auch noch eine Kundgebung am vergangenen Samstag in Hamburg und diverse Aktionen im Stadion. Es dürfte also auch im letzten Kämmerlein des Ballspielvereins angekommen sein, dass hier vor allem aus Reihen der BVB-Fans die Sache voran getrieben wird. Und was macht der BVB?

Der erhebt für das letzte Saisonspiel des BVB gegen Eintracht Frankfurt mal eben 20% Topzuschlag. Auf der einen Seite verständlich, denn unter den knapp 400.000 Bestellungen für die verblieben 20.000 Karten sind ein nicht geringer Anteil an Menschen dabei, die nur deswegen zu diesem Spiel wollen, weil am Ende der BVB die deutsche Meisterschale überreicht bekommt (und wenn nicht, tut es den Leuten nicht mal weh, weil die sich eh einen scheiß um den BVB scheren). Spiele gegen Nürnberg, Freiburg oder Hannover sind da uninteressant. Diesen Rosinenpickern  kann man ruhig 20% mehr abnehmen für dieses Topspiel. Aber, und das ist der springende Punkt: Es sollte auch so nach Außen transparent vertreten werden. Aber das hielt man nicht für nötig. Lieber änderte man im Hintergrund still und leise die Ticketseite und fügte Frankfurt zu den Mannschaften hinzu, bei denen Topzuschlag erhoben wird. Das ist Hinterlistig und der erste Tritt in den Arsch für die Initiatoren und Unterstützer von „Kein Zwanni“.

Viel erbärmlicher ist es jedoch, dass auch – wie sollte es anders sein – die Fans der Frankfurter Eintracht zur Kasse geben werden. Mal ehrlich: Was können die Frankfurter dafür, dass der letzte Spieltag ein Topspiel für Fans der Borussia ist? Die freuen sich wahrscheinlich so sehr darüber wie wir BVB-Fans im kommenden Jahr über die Topspielzuschläge in den 17 Auswärtsspielen. Hier hat der BVB schlicht eine große Chance verpasst. Er hätte zunächst transparent sagen können, dass auf Grund der hohen Kartenfrage und der Vielzahl der Party-Event-Menschen man denen auch entsprechend 20% mehr Geld abnimmt. Damit hätte ich kein Problem.

Die viel größere Chance hatte man jedoch, wenn man den Topzuschlag für die Frankfurter ausgenommen hätte. Man hätte nicht nur ein positives Feedback aus Frankfurt und von vielen anderen Vereinen, Fanvereinigungen und Fanszenen bekommen, nein, man hätte auch den BVB-Fans einen großen Gefallen getan. Nicht nur, dass man der Aktion „Kein Zwanni“ richtig Auftrieb hätte verleihen können (man hätte mit dieser Massnahme ein richtiges Pfund gehabt in den Gesprächen z.B. mit dem HSV). Nein, der BVB hätte ein deutliches Zeichen gegen Topspielzuschläge für Gästefans setzen können. Denn welche Fans nach denen des FC Bayern werden wohl in der kommenden Saison am öftesten eben jenen Zuschlag bezahlen dürfen?

2 Antworten auf „Chance verpasst, liebe Borussia!“

  1. Es ist natürlich schön, in Zeiten wie diesen, den Lieblingsverein, auf Grund der Leistungen auf dem Platz, in den Himmel loben zu können, aber es gibt auch genug Kritikpunkte und ich finde es super, dass sich da endlich mal jemand ran traut 😉

    Ich finde 20% Topspielzuschlag für eine Begegnung BVB – SGE eine absolute Frechheit. Eine solche Begegnung ist in meinen Augen kein Topspiel – Meisterschale hin oder her. Ein Topspiel sollte, wie Du schon sagtest, an der Begegnung an sich und nicht an dem Tabellenplatz einer (oder beider) Mannschaften gemessen werden.

    Dortmund hat lange Zeit nicht zu den Hochkarätern gezählt und nun, wo es mal wieder besser läuft, benimmt sich die Chefetage so, als wäre man nie am Boden gewesen. Natürlich, die Chefetage hat einige gute Entscheidungen getroffen. Das fängt beim Trainer an und hört bei unseren neuen Shootingstars Kagawa, Götze, etc. pp auf. Aber genau diese Leute sind es, die den Verein am "Leben" halten und das ganze hier möglich machen. Und dass für diese guten Leistungen die Fans auch noch "bestraft" werden finde ich ungerecht.

    Und leider fällt mir da nur ein Satz ein: Hochmut kommt vor dem Fall.

    Ich wünsche "meinem" Verein nichts schlechtes. Ich liebe den BVB, ich gehe gern ins Stadion und für mich war jede Eintrittskarte immer ihr Geld wert. Ich habe Niederlagen und geniale Siege gesehen. Und egal wie es war: ich war gern da, ich bin gern da und werde vermutlich immer gern da sein.

    Von der anderen Seite betrachtet, ist es wiederum so, dass der BVB sich das erlauben kann. Die könnten 50% Aufschlag verlangen, die Leute würden es zahlen, denn der BVB wird warscheinlich Meister. Und das ist die nächste Sache die mich stört: die Schönwetterfans. Aber die Geschichte steht auf einem anderen Blatt und muss hier jetzt nicht erörtert werden.

    Auf alle Fälle: Danke für diesen super Beitrag!

    1. Ich finde im Prinzip, wenn man BVB-Fans zur Kasse bittet, für die ist das Spiel nun mal ein Topspiel. Das es dabei auch Fans erwischt, die keine DK haben aber dennoch auch in der Saison öfters da waren, bezeichnet man wohl als "Kollateralschäden"

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