Blogschau: Wie sehen andere den Boykottaufruf? – Teil 12

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Da sich mein Derby“bericht noch etwas in die Länge zieht, ich aber meine Leserschaft nicht langweilen will, gibts es heute schon den 12. Teil meiner Blogschau. Zu Wort kommt E. van Holifeld, die mir gleich den passenden Antexter mit geschickt hat: E. van der Holifeld betreibt den Blog MAGsein, der sich Themen rund um Fußball, Nachhaltigkeit und Musik widmet. Holifeld ist Anhänger von S04, verfolgt die Bundesliga per Dauerkarte im Stadion des SC Freiburg und ist immer wieder auch beim VfB Stuttgart.“

1.       Was denkt/denke ihr/Sie generell über die Aktion?

Mein erster Gedanke war, großartige Sache, dass Fans mal nicht über Randale, sondern über eine durchdachte Aktion auf sich bzw. ein Anliegen aufmerksam machen. Aus der schwäbischen Ferne kam ich erst gar nicht darauf, dass die Sache ja auch einfach gegen den verhassten Verein gerichtet sein könnte. Hat man bereits tausend Mal gelesen, ich weiß. Trotzdem kann ich diesen Aspekt nicht ignorieren, weil ich es wichtig finde, ob man tatsächlich unabhängig von der großen Abneigung gegen die Königsblauen  mit diesem Boykott ein hehres Ziel für viele Fans verfolgt oder denen eins auswischen will. Trainer Klopp, den ich sehr schätze (ist einer von uns),  trug mit seiner Huntelaar-Bemerkung jedenfalls nicht zur Versachlichung bei.

2.       Wie beurteilen/beurteilt Sie/ihr die Preisentwicklung in fremden Stadien?

Reden wir über die Preisentwicklung im Allgemeinen? Oder über Top-Zuschläge? Das sind zwei Paar Stiefel. Ich habe in meinen Erinnerungen gekramt, und es ist, wie es ist: Der Top-Zuschlag – er ist mir nie begegnet. Oder vielleicht ein, zwei Mal und ich hab ihn wieder vergessen. Wahrscheinlich kennt ihn nur der Fan, der seinen Verein regelmäßig zu Auswärtsspielen begleitet.  Mein  Blick auf die Preispolitik der Bundesliga im Allgemeinen ist erschreckend positiv (nicht zuletzt, seit ich vor Jahren in Italien für einen Liga A-Gurkenkick Minimum (!) 60 Euro hätte zahlen sollen) und beruht auf folgenden Eindrücken: Die Dauerkarte für den SC Freiburg ist stets finanzierbar. Die regelmäßigen Besuche am Cannstatter Wasen sind etwas kostspieliger, aber auch bezahlbar. Liegt vielleicht auch daran, dass wir uns nicht  um Tickets balgen, wenn der FC Bayern kommt, sondern bevorzugt stressfrei nach Stuttgart fahren, wenn Teams wie Hannover zu Gast sind. Überhaupt verbinde ich beste Erinnerungen mit der Preispolitik des VfB: Als Stuttgart unter Felix Magath Champions League spielte, gab es die günstigsten Tickets damals im Dreier-Paket für so um die 27/28 Euro pro Spiel. Wir sahen den großartigen Sieg gegen Manchester United zum gefühlten Schnäppchenpreis. Schließlich war ich letzte Saison mit einem Freiburg-Fan-Bus bei S04 und Dortmund: Beide Male fand ich die Preise okay. Aber war halt auch Freiburg, klar. Ansonsten gibt’s noch Erfahrungswerte mit dem FC St. Pauli (brauch man gar nicht drüber reden) und dem FC Bayern: Nicht mal gegen den Krösus der Liga kann ich was vorbringen: Ich sah dort CL zu anständigen Preisen. Außer, dass ich dort erstmals mit der Verzehrplastikkarte in Berührung kam. Und das ist das Thema, dass mich wirklich auf die Palme bringt, weil es die größte Unverschämtheit angereister Fans gegenüber und üble Abzocke ist. Wie viel Geld verdienen die Vereine damit, dass Stadionbesucher sich ihre Restguthaben nicht zurückholen? Ich mache jede Wette: Das toppt in der Summe die Einnahmen durch Top-Zuschläge.

3.       Sind hohe Preise wie z.B. in Hamburg oder bei einem Derby mit der Attraktivität der Stadt oder des Spiel zu rechtfertigen??

Attraktive Derbys als Anreiz für einen Stadionbesuch ist das Eine. Was aber offensichtlich bei manchen Vereinen grundsätzlich in Vergessenheit geriet: Mit Top-Zuschlag verbindet der Stadionbesucher nicht zuletzt auch die Hoffnung auf ein Top-Spiel und Top-Leistung. Dazu scheint z. B. S04 derzeit kaum in der Lage zu sein. Verschiedenen Blogbeiträgen entnahm ich, dass der HSV gerne mal mit Preisen wuchert; also gehe ich davon aus, das da was dran ist. Sie tun demnach preislich so, als gehörten sie zu den Top-Teams, lösten dieses Versprechen in den letzten Jahren jedoch nie ein. Protest ist meiner Meinung nach nicht allgemein, aber da angebracht.

4.       Würden/Würdet Sie/ihr die Aktion unterstützen und beispielsweise dem Gastspiel fernbleiben (Dortmund inklusive)?

Wie gesagt, man muss unterscheiden. Je nach Lage der Dinge würde ich einen Boykott unterstützen, wie zum Beispiel beim HSV. Oder es handelte sich nicht um eine Aktion gegen einen, sondern gegen all die Vereine, die mit ungerechtfertigten Ticketpreisen die Fans ausnehmen. Bzgl. des aktuellen Anlasses  – ich weiß es nicht. Okay, ich lege mich fest: Nein, würde ich nicht. Weil ich davon ausgehe, dass, wenn man genau hinguckt, beide Vereine sich nichts schenken –  preislich und auch sonst nicht.

5.       Wie empfinden/empfindet Sie/ihr die Preisentwicklung bei euren Vereinen?

Da ich Spiele vor allem in Freiburg anschaue, kann ich mich nur auf den SC beziehen: Dort sind sportliche Zielsetzung und Preispolitik seit jeher stimmig. Den Realitätsverlust überlassen die Freiburger anderen.

Dank an E. van der Holifeld.

Sollte jemand Lust haben, ebenfalls an der Blogschau teilzunehmen, so kann er dies gerne tun. Bitte einfach die Antworten an webmaster[at]tinneff-blog[punkt]de senden. 🙂

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