Die Welt und ihre Skalen

In der Welt wird ja fast alles irgendwie bewertet oder skaliert. Für Erdbeben gibt es die Magnitudenskalen, für Tornados die Fujita-Skala oder – um den Bogen zum Fußball zu bekommen – die nach unten offene „Rafati-Skala„, mit der man die ‚Leistungen‘ von Schiedsrichtern in der Bundesliga ermittelt. In den letzten Tagen erblinkte jedoch eine neue Skala die Welt, die „Transferskala“. Sie wird in 4 Kategorien unterteilt.

„Şahin-Skala“
Die „Şahin-Skala“ ist benannt nach dem berühmten Fußballer Nuri Şahin. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass der Spieler eine enge Bindung zum Verein hat, möglicherweise aus der eigenen Jugend kommt und schon als Kind den Spielern des Vereins zugejubelt hat. Darüberhinaus hat der Spieler einen großen Anteil am Erfolg der Mannschaft und wird auf Grund dessen Leitungen von den Fans verehrt. Leider hat der Spieler jedoch ein Defizit im Bereich der Kommunikation, so dass so Sätze fallen wie : „Ich bin XY und werde immer XY bleiben“ oder er antwortet auf die Frage, ob er denn in der nächsten Saison noch dem Verein treu bleiben würde mit „Ja“, wohl wissend, dass beim Angebot von Real, Barca, Manchester United oder Bayern München ein Wechsel nicht ausgeschlossen ist. Dies kommt wiederrum beim Fußvolk nicht so gut an, die Meinungen schwanken zwischen üblen Beleidigungen und Verständnis für den Wechsel.

„Lakić-Skala“
Der Stürmer Srđan Lakić steht Pate für die „Lakić-Skala“. Sie hätte auch „van der Vaart-Skala“ heißen können, letztlich gaben nur  Nuancen den Ausschlag für den Stürmer aus Dubrovnik. Hier werden Transfers bewertet, wo ein Spieler in der Winterpause sich mit einem Trikot eines Ligakonkurrenten (wichtig!) fotografieren lässt. Der Spieler ist ein Leistungsträger seiner Mannschaft, bekommt aber nach Bekanntgabe des Wechsels nicht nur vom Trainer oder Manager verbal einen auf die Mütze, sondern und vor allem durch die Fans. Die bekommen fast einen Nervenzusammenbruch, weil der Spieler in den ersten Spielen nach dem Bekanntwerden des Transfers nichts, aber auch gar nicht hinbekommt (Die „Degen-Doll-Skala“ dürfte hier ein Begriff sein). Zu allem Überfluss spielt der Spieler mit dem Noch-Arbeitgeber  nicht nur noch gegen seinen neuen Arbeitgeber. Nein, beide Mannschaften sind direkte Konkurrenten in der Tabelle. Aber – und das zeigt den guten Charakter des Spielers – er hängt sich rein, spielt wieder besser und ist maßgeblich am Erreichen des Saisonzieles beteiligt. Er scheut auch nicht davor, auf Grund seiner Klasse Leistung seinen neuen Arbeitgeber in Schwulitäten zu bringen.

„Neuer-Skala“
Jeder kennt ihn natürlich, den Manuel Neuer. Die Skala, dessen Namensgeber der Nationaltorhüter ist, ist eine Skala, in die es nur Wenige schaffen. Der Spieler zeichnet sich dadurch aus, dass er seit Kindesbeinen Fan seines jetzigen Arbeitgebers ist und idealerweise in der Stadt auch noch das Licht der Welt erblickte. Zu seiner Vita gehört, dass er als Jugendlicher bereits auf der Tribüne stand und somit engen Kontakt zur Fanszene geknüpft hat, bevor er selber das Trikot des Vereins der Herzen tragen darf. Der Verein des Spielers ist im Gegensatz zu ihm aber nur Durchschnitt und lebt einzig und alleine von den Weltklasseleistungen des Spielers. Der Spieler selber entscheidet sich irgendwann unter Tränen, den Verein seines Herzens zu verlassen, worauf der Verein erstmal schön ein Interview von ihm von der Vereinspage löscht, wo der Spieler ewige Treue schwört. Das entscheidendste ist jedoch, dass der Spieler nicht ins Ausland wechselt, sondern zu einem direkten Konkurrenten in der Liga. Zu einem Verein, der seinem Verein großes Leid zugefügt und wofür er den Verein damals aus der Fankurve heraus übelst beschimpft oder gar gehasst haben dürfte. Das Teile der Fanszene des designierten neuen Arbeitgebers mit dem Spieler ein Problem haben, ist hierbei irrelevant.

„Ochs-Skala“
Herzlichen Glückwunsch, Patrick Ochs. Der gebürtige Frankfurter steht Pate für die 4 und letzte Skala, mit der man einen Transfer bewerten kann. Der Spieler, der in diese Kategorie schafft ist auch nicht mehr all zu weit von einem Termin beim Psychiater entfernt. Der Spieler ist Kapitän befindet sich mit seinem jetzigem Arbeitgeber im Abstiegskampf. In der Woche vor dem eminent wichtigen und richtungsweisenden Spiel gibt der Spieler jedoch seine Wechsel bekannt. Der Spieler wechselt aber nicht zu einem anderen Verein in der Bundesliga wie z.B. ein Spieler aus der „Neuer-Skala“, nein der Spieler ist so unglaublich abgezockt, dass er zum direkten Konkurrenten im Abstiegskampf wechselt. Im wichtigen Spiel gibt es dann ordentlich auf die Mütze und die Mannschaft blickt danach dem Abgrund – nicht nur sportlich – entgegen. Aus welchen Gründen aus immer bricht dieser Spieler noch auf dem Platz nach dem Abpfiff in Tränen aus. Tränen, auf die die Fans seines noch-Arbeitgebers vermutlich scheißen pfeifen. Der Grat zwischen heulen und heucheln ist hier extrem schmal. Die Krönung erfährt der Spieler dadurch, dass er offensichtlich nur aus einem einzigen Grund den Verein wechselt: Geld!!

An diesen Skalen werden sich in Zukunft die Spielerwechsel messen lassen müssen.

Ps: Ihr fragt euch vielleicht, was mit so Spielern wie Möller oder Jeremies ist, die zum großen Rivalen wechseln. Hier ist die Lösung einfach: Das Ganze ist so unglaublich, dass man dafür weder Worte, geschweige denn eine Skala einführen könnte, um das entsprechend zu messen.

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