Beer, bratwurst and song – what a great night out!

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So titelte der „London Evening Standard“ am gestrigen Donnerstag über das Spiel der Borussia aus Dortmund gegen den FC Arsenal. Gut, Bratwurst gab es nicht für mich und auch kein „Beer“, aber dennoch war es eine tolle Reise in die Weltmetropole London. Und eines meiner Vorurteile gegenüber den britischen Fußballanhängern wurde mehr denn je bestätigt. Aber von Beginn an.

Am Dienstag ging es aus dem beschaulichen Lüdinghausen erstmal in Richtung Amsterdam, wo gegen 9:30 der Flieger gen London starten sollte. Die Hinfahrt habe ich zum Großteil verschlafen, während meine bessere Hälfte uns zielgerichtet durch den Nebel nach Schiphol brachte. Dort parkten wir in der Nähe des Flughafens für 40 Euro auf einem überwachten Parkplatz und wurden von dem Unternehmen dann zum Flughafen gebracht. Eine empfehlbare Sache, wenn es auch am Ende noch etwas nervig wurde.

Am Flughafen angekommen erfuhren wir dann wenig Überraschendes, nämlich eine Verlegung des Fluges von 9:30 auf 10:40 Uhr auf Grund des Nebels. „It is a little bit foggy outside“ würde es der Pilot vor dem Abflug später nennen. So blieb noch reichlich Zeit sich in dem kleinen Familienflughafen Schiphol anzuschauen. Schon ein Riesenteil der Flughafen. Aber zum Glück rückte der Abflug näher und so ging es dann mit der obengenannten Verspätung in Richtung London. Beim Boarding kam man dann witziger weise mit 4 Borussen ins Gespräch und kurz drauf stellte sich heraus, dass ich im Vorfeld mit einem der Jungs geschrieben hatte. So konnte die Wartezeit bis zum Abflug noch weiter verkürzt werden. In London-Luton angekommen war es im übrig noch nebeliger als in Amsterdam, aber der Pilot hatte sein Fluggerät absolut im Griff, wenn auch die Landung etwas rumplig war. Im Gegensatz zu den 4 Jungs konnten wir in Luton nicht auf die Mannschaft warten sondern erwischten noch den „Easybus“ Richtung London-City. Eine weitere gute Entscheidung, die auch preislich okay war. Auf Grund eines Unfalls auf der eigentlichen Fahrroute fuhr der Bus „über Land“, was eine britische Mitfahrerin dennoch nicht davon abhielt, sich bei dem Busfahrer zu beschweren. Was sie damit bezwecken wollte, weiß ich aber auch nicht. Die Fahrt mit dem Bus endete auf einer völlig verstopften Oxford Street in London, auf der ich vermutlich als Autofahrer schon lange die Nerven verloren hätte.

Nun ging es auf die Suche nach unserem Hotel, was wir dann auch nach kurzweiligen 90 Minuten und gefühlten 10 Kilometern auch schon gefunden hatten. Jetzt kennen wir fast jede Straße rund ums „Lancaster Gate“. Unser Hotel, das „Caring Hotel„, liegt in mitten des Hotelreichen Stadtteils Paddington, 5 Minuten Fußweg vom Hydepark entfernt. Wenn ich euch ein günstiges Hotel empfehlen müsste für London, wäre es das Caring Hotel. Bis auf die etwas harten Matratzen und die für niedrige Temperaturen etwas dünnen Bettdecken gibt es nichts zu meckern am Hotel. Es ist sauber, das Frühstück mit Toast, Tee, Kaffe, Saft, Müsli, Marmelade und Käse völlig ausreichend und 24 Stunden an der Rezeption besetzt. Der Schlüssel für das Zimmer wird beim Verlassen des Hotels an der Rezeption abgegeben, so kann man auch ihn auch nicht verlieren. Achja, die Nachbarn sind scheinbar frisch verliebt und haben etwas wenig Öl am Bett benutzt.

Den restlichen Dienstag verbrachten wir zunächst auf der weihnachtlichen Oxford Street, die aus allen Nähten zu platzen schien, dinierten bei Pizza Hut und gingen zum Abschluss noch über eine Art Weihnachtsmarkt im Hydepark, dem „Winter Wonderland„. Dort gab es alles, was man sich auf so einem Weihnachtsmarkt auch in Deutschland geben kann inklusive deutschem Bier, Bratwurst, Glühwein und so weiter. Scheinbar mögen die Briten die deutsche Kultur. Oder hat schon mal einer mehrere englische Buden gesehen auf einem deutschen Jahrmarkt, an dem es typisch englisches Essen gibt?
Leider war die Fahrt mit dem Riesenrad doch ziemlich teuer, so dass wir uns das Ganze klemmten.

Nach einer erholsamen Nacht begann dann der Spieltag in London. Vormittags verbrachten wir die Zeit noch mal auf der Oxford Street, die aber deutlich leerer war als am Abend zuvor und nicht mehr ganz so das Flair hatte. Am frühen Nachmittag ging es dann mit der Tube ab in Richtung Finsbury Park, wo der Treffpunkt der anreisenden Borussen ausgemacht wurde. Am meisten darüber gefreut haben dürften sich neben dem Lidl auch die 2 Pommesbuden, welche wohl selten so einen Umsatz gemacht haben dürften wie an diesem Nachmittag. Mehr und mehr füllte sich dann der Finsbury Park und es ging gegen 17 Uhr in Richtung Emirates Stadium los.

Leider ist es bei diesen Märschen mittlerweile üblich, dass sich einige Leute nicht benehmen können. So wurden Autos mit Aufklebern beklebt, in Vorgärten und an Hauswänden uriniert (oder gleich an ein Auto) und Feuerwerkskörper in irgendwelche Hinterhöfe geworfen ohne zu wissen, ob da nicht gerade irgendwelche Leute stehen. Ob der Außenspiegel auch dem Marsch zum Opfer fiel, kann ich hier nicht sagen. Aber gut: Je mehr Fans vor Ort sind, umso höher ist natürlich der Anteil der Vollpfosten. Völlig überrascht von so einem Marsch war man scheinbar beim FC Arsenal. So musste die Polizei den Einlass fast im Alleingang schmeißen, weil man beim FC Arsenal völlig überrascht war, dass so viele Leute schon vor 18:45 Uhr ins Stadion wollten. Muss ein Kulturschock gewesen sein für die Menschen im Mutterland des Fußballs. Apropos Polizei: Ich habe noch nie so eine professionelle und freundliche Polizei gesehen wie in London. Sieht man mal davon ab, dass sie beim Verlassen des Stadions etwas viel Terz auf den Toiletten gemacht haben, war das von vorne bis hinten professionell. Wo in Deutschland mehrere Hundertschaften in voller Kampfmontur den Fanmarsch begleiten und völlig unkommunikativ sind, konnte man die Polizisten dort ansprechen und sie behielten in jeder Phase aus meiner Sicht einen kühlen Kopf. Und das ganz ohne den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray. Davon können sich Herr Wendt und sein Fußvolk mal eine riesige Scheibe abschneiden.

Im Stadion angekommen ging es dann zügig in den Block und die Zeit bis zum Anpfiff verging relativ schnell. Die meisten konnten auch ihre Fanutensilien problemlos mitnehmen. Da zeigte sich der Ordnungsdienst entweder einsichtig oder er hatte keine Lust so vielen Leuten die Klamotten abzunehmen. Der britische Fußballfan von heute erfüllte im hingegen jegliches Klischee, was ich so habe. Sie kommen kurz vorm Anpfiff, viele tragen Anzug, Mantel und keinerlei Fanuntensilien. Er singt nur, wenn seine Mannschaft führt und er bleibt im Grunde 90 Minuten sitzen. Ich habe selbst in München und Hoffenheim noch nicht so eine schlechte Stimmung erlebt wie dort. Das Highlight schlechthin war ein Pärchen nebst verwöhntem Nachwuchs neben uns außerhalb des Gästeblocks, welches in der Halbzeit mal eben schnell einen Schal und eine Mütze für sich gekauft haben, während die verwöhnten Kinder lieber an ihrem Iphone spielten. Erst nach dem 2-0 ertönte mal ein Gesang und sowas wie Provokationen in unsere Richtung. Aber die Stewards waren zu schnell stelle und regelten die Sache. Pöbeln ist schließlich auch nicht erlaubt. Kurzum: Arsenal Kundschaft ist unfassbar armselig.

Über die Stimmung der Dortmunder kann ich nicht viel sagen, denn bekanntlich fehlt mir da die Objektivität. Und auf „Wir sind die Geilsten“ Vergleiche habe ich keine Lust. Leider habe ich auch keine Fotos von den entsetzten Engländern, als sich zum ersten Mal der Gästeblock lautstark bemerkbar machte. Daher lasse ich einfach ein paar Videos und die britische Presse sprechen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=hOBD267KsEM
httpv://www.youtube.com/watch?v=v4NDjg6auBk
httpv://www.youtube.com/watch?v=QEY4YQ1KG_0
httpv://www.youtube.com/watch?v=rRW91wMVTNA

„As Thierry Henry leapt from his seat to join the salute, the home supporters loved it, chanting ‚one-nil to the Arsenal‘ but earning a tart rebuke from the German hordes of ‚you only sing when you’re winning‘. All in such perfect English you could almost hear the apostrophe being slid in place. ‚We’ve only got one Song,‘ chorused the Arsenal fans. Dortmund fans had a whole hymn-book and Europe’s elite league will be all the poorer if they go out.“ (Daily Telegraph)

Nach dem Spiel durften wir noch 15 Minuten im Block warten, wurden anschließend zügig aus dem Stadion gebeten und gingen dann zur Holloway Road Station um dort zu erfahren, dass man diese schon geschlossen habe. So durfte man noch 15 Minuten Fußweg in Kauf nehmen, um in Highbury einzusteigen. Das wäre ungefähr so, als würde man in Dortmund die Haltestelle am Westfalenstadion schließen und die Leute bitten, alle an der Möllerbrücke einzusteigen.

Noch kurz was zum Spiel: Dortmund hat verdient verloren. Arsenal ist sportlich für den BVB das, was die deutsche Fankultur für die englischen Fußballfans ist: Mindestens 2 Nummern zu groß. Das nun am letzten Spieltag gegen Marseille noch von Platz 2 bis Platz 4 alle möglich ist, lag dann schon eher an den Auftritten in Marseille und Piräus als an den Spielen gegen Arsenal. Bitter die Ausfälle von Götze und vor allem Bender, den letzterer wird uns bis Januar fehlen.

Am Donnerstag fuhren wir dann früh in Richtung London-Luton, wo um 10:30 unser Flieger zurück nach Amsterdam ging. Leider verpassten wir die Mannschaft nur um ein paar Minuten. An Board durften wir dann noch rumgammeln und mit ansehen, wie ein junger Passagier das Flugzeug auf Anweisung des Piloten wieder verlassen durfte. Seine Freunde wollten es im gleich tun, blieben dann aber doch an Board nach dem die eintreffende Polizei eine klare Ansage gemacht hatte. Nach Ankunft in Amsterdam und dem Transfer zum Parkplatz verbrachten wir dann noch eine Viertelstunde damit, den Parkplatz zu verlassen. Denn die Schranke ging nicht automatisch auf sondern nur, wenn man sich meldet. Nur steht das nirgends und bis die Dame am Empfang uns verstanden hatte, vergingen 15 Minuten. Aber irgendwann hat sie es dann auch gerafft.

Fazit: Eine wunderschöne Tour, auch wenn das sportliche nicht passte. Aber das kann die Mannschaft ja im Derby morgen nachholen. Erschreckend hingegen, wie man bei Arsenal den Fußball „lebt“. Es sollte für jeden eine Warnung sein: Je höher die Preise umso mehr verkommen auch die deutschen Stadien und Büchereien (Die Stimmung bei Arsenal wird gerne mit der in einer Bücherei verglichen). Also macht den Scheiß nicht mit und schließt euch dem Boykott von Kein Zwanni an.

PS: 7-8 Fotos findet ihr hier. Für professionelle Bilder gibt’s bekanntlich schwatzgelb.de

2 Kommentare zu “Beer, bratwurst and song – what a great night out!

  1. Ein sehr schöner Bericht, wenngleich ich natürlich ein paar Anmerkungen dazu machen muss, „wie man bei Arsenal den Fußball lebt“.

    Dass ihr auf eine stimmungslose Bude treffen und das Stadion mit euren Gesängen übernehmen würdet, war absehbar. Grund dafür ist jedoch nicht, dass der durchschnittliche Arsenal-Fan vernünftigen Support vollkommen verlernt hat, sondern dass die Lage in dieser verglasten Stahlbetonschüssel einfach unfassbar undankbar ist. Zum Zielpublikum hat man sich längst den höheren Mittelstand und zahlungskräftige Eventfans auserkoren, die den einfachen Fan aus dem Stadion vertreiben und rein gar nichts zur Stimmung beitragen. Sollten ein paar stimmungsfreudige Anhänger dann doch noch in der Lage sein, die saftigen Preise zu zahlen und Dauerkarten zu erwerben, so werden sie willkürlich über das gesamte Stadion verteilt. Gebündelte Aktionen werden so zusätzlich erschwert, und wenn ein Supporter dann doch mal das Herz in die Hand nimmt und Rufe oder Gesänge anstimmt, kann es schon passieren, dass er von seiten seiner Sitznachbarn böse Blicke erntet. Selbst von einschreitenden Stewarts habe ich schon gelesen, so macht das ganze natürlich absolut keinen Spaß mehr.

    Insofern würde ich die Stimmungslosigkeit nicht auf den Verein an sich, sondern eher das eigene Stadion beschränken. Wer sich davon überzeugen will, dass die Gooners immer noch zu recht eindrucksvoller Stimmung in der Lage sind, sollt mal bei Auswärtsspielen reinzappen – die Away Fans zählen nicht ohne Grund zu den besten der gesamten Premiership und machen gerade auch durch ihre Kreativität richtig Spaß.

    Ansonsten kann ich mich dem Telegraph (ausnahmsweise mal) nur anschließen: Schade, dass die Champions League nun erst einmal auf euch verzichten muss – und weiterhin viel Erfolg im Kampf um niedrige Ticketpreise und den Erhalt der Stehplätze. 

    • Ich habe Arsenal nun 2x in Dortmund erlebt, einmal zu Beginn des Jahrtausends und letzten September. Da konnten sie nicht im Ansatz deinen Worten Taten folgen lassen. Aber da tun sie sich auch nichts mit Liverpool. Die waren auch nicht besser. Den besten Auftritt hatte Manchester 1997. Aber das waren andere Zeiten.

      Ich find es erschreckend, wie viele „versnobbte“ Leute dort waren und hoffen inständig, dass dies in Deutschland nie passieren wird. Fußball muss auch für den einfachen Fan bezahlbar bleiben. Aber die Entwicklung geht in eine andere Richtung, wie man in Hamburg mal wieder zu sehen bekommt.

      Ansonsten wars schön in London.

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