19/04/2014 04:27
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Verteilung der Preisgelder in der Champions League. Oder: Warum wir Gladbach nicht mögen?

Neben Ruhm und Ehre geht es in den europäischen Wettbewerben natürlich vor allem um Geld. Insbesondere in der Champions League lässt sich so manch bankrotter Verein sanieren. Um wie viel Geld es genau geht, das veröffentlicht die UEFA jedes Jahr.

Allein die Summe von knapp 750 Millionen Euro ist beeindruckend, aber es stellt sich natürlich auch die Frage, wie die UEFA zu ihrer Verteilung kommt. Am Beispiel vom BVB lässt sich das schön nachvollziehen. Grundsätzlich bestehen die Auszahlungen an jeden Verein aus zwei Teilen: a) die Prämien und b) die Zahlungen aus dem Market Pool.

Die Prämien ergeben sich aus dem Erfolg eines Vereins in der Saison. Die Qualifikation für die Gruppenphase wird ebenso belohnt wie Siege oder Unentschieden, das Erreichen einer nächsten Runde, der Gewinn des Wettbewerbs oder das reine Antreten zu einem Spiel. Diese Prämien sind für alle Teams von Porto bis Moskau, von Manchester bis Athen gleich. Für den BVB bedeuteten diese Prämien Einnahmen von 8,4 Mio. €. Maximal möglich sind 31,5 Mio. €, der Gewinner Chelsea schaffte 29,9 Mio. €.

Wirklich lukrativ wird die Champions League für die Vereine aber erst durch den Market Pool. Besser gesagt, die Champions League wird lukrativ für Vereine aus den großen Ländern. Während der weißrussische Vertreter aus Borissow aus dem Market Pool mit mageren 280.000€ abgespeist wurde, knacken andere Vereine die 15 Millionen hier locker. Chelsea kommt sogar auf etwas mehr als 30 Millionen.

Der Market Pool speist sich im Grunde aus den TV-Einnahmen der jeweiligen Länder. Dicker TV-Vertrag = dicke Auszahlung für die Vereine gilt hier als Faustformel. Über die genaue Zusammensetzung informiert die UEFA nicht. Für die drei deutschen Vertreter galt es jedenfalls knapp 47 Mio. € unter die Vereine zu bringen. Für die Premier League werden übrigens über 80 Mio. € ausgeschüttet.

Die interessante Frage bei solchen Summen ist natürlich, wie die Verteilung abläuft. Eine Hälfte des Pools wird nach der Platzierung in der Liga verteilt. Bei drei Teilnehmern wie im Fall der Bundesliga bekommt der Meister 50%, der zweite 35% und der dritte 15%. Die andere Hälfte des Pools wird nach den gespielten Spielen der Teilnehmer des jeweiligen Landes verteilt. Deutsche Vereine haben in 27 Spielen der letzten Saison mitgespielt. Die Bayern haben hier mit 13 Spielen den Löwenanteil, Leverkusen (8) und der BVB (6) bekommen demnach einen entsprechend kleineren Anteil. Die Rechnung für den BVB lautet also wie folgt: 50% aus der ersten Hälfte, 6/27 der zweiten Hälfte, daher fließen ca. 36% des gesamten deutschen Pools nach Dortmund.

Soweit, so trocken. Spannend wird es, immer unter der Annahme, dass das System nicht verändert wird, mit Blick auf die kommende Saison. Demnach haben die Spiele der anderen deutschen Vereine auch immer einen direkten Einfluss auf das Konto des BVB. Das fängt schon bei der Qualifikation für die neue Saison an. Ein Weiterkommen der Gladbacher würde den fixen Anteil aufgrund der Platzierung von 50% auf 40% drücken. Geht man von rund 50 Mio. € im Pool der nächsten Saison aus, so bedeutet das einen direkten Verlust von 2,5Mio.€, wenn sich die Gladbacher qualifizieren. Die Größe des Pools hängt nämlich nicht davon ab, wie viele Mannschaften sich qualifizieren. Dazu kommt dann natürlich noch, dass auch der Anteil an der zweiten Hälfte größer ausfällt, wenn er nur durch drei Vereine geteilt werden muss. Ich habe nie verstanden, warum ich auf europäischer Ebene für Vereine sein soll, denen ich am Wochenende nichts Gutes wünsche. Nun ja, damit stellt sich die Frage nicht mehr. Ein Ausscheiden der Gladbacher dürfte rund 5 Mio. € wert sein, da kann man auch mal für einen Italiener die Daumen halten.

Vielleicht denkt sich der ein oder andere jetzt, es sei den Gladbachern ja doch irgendwie zu gönnen. Euch sei noch eine merkwürdige Regelung bei der Verteilung des Pools ans Herz gelegt. Bei drei teilnehmende Mannschaften teilt sich die erste Hälfte des Pools wie schon besprochen so auf: 50-35-15. Bei vier Mannschaften hingegen sieht die Verteilung so aus: 40-30-20-10. Der dritte bekommt in diesem Fall tatsächlich mehr. Klingt komisch, ist aber so geregelt. Da wir wissen, wer in der abgelaufenen Saison den dritten Platz belegt hat, sollte es nun klar sein, warum Gladbach besser in der Quali scheitert.

 

50% über Platzierung in der Liga

50% über bestrittene Spiele

Verein Position Anteil Spiele Anteil Gesamtanteil Auszahlung
Borussia Dortmund

1

50%

6

22%

36%

      16,961,000.00 €
Bayer Leverkusen

2

35%

8

30%

32%

      15,178,000.00 €
Bayern München

3

15%

13

48%

32%

      14,830,000.00 €

Summe Spiele:

27

Gesamt:       46,969,000.00 €

Gastautorenbeiträge müssen nicht unbedingt mit der Meinung des Blogbetreibers übereinstimmen.

7 Kommentare

  1. Und mir ist es gänzlich egal, wie weit irgendwer kommt :-)

  2. Es hat sich ein kleiner Fehler im Verteilschlüssel eingeschlischen. Die Verteilung bei 4 Mannschaften ist 40-30-15-15.
    Ansonsten würde der Liga-3. übervorteilt werden, wenn 4 Mannschaften teilnehmen.

    •  Hallo Ab

      Den genannten Verteilschlüssel kann ich so nicht bestätigen. Dem Artikel liegen einige Berechnungen auch für andere Ligen zu Grunde und die bestätigen den Verteilschlüssel 40-30-20-10. Dass der Dritte dadurch im Fall von 4 Mannschaften besser gestellt ist, ist ja grade auch Thema des letzten Absatzes ;)
      Hier mal zu einem englischen Blogger, der etwas ähnliches für die Premier League gemacht hat http://andersred.blogspot.de/2011_12_01_archive.html

  3. Kurzfristige Betrachtungsweise.
    4 CL-Teilnehmer eines Landes bedeuten mittel bis langfristig mehr Geld für die gesamte Bundesliga, was die Attraktivität und somit auch die nationalen und internationalen TV-Verträge höher ausfallen lässt. Die 5 Mio die der BVB jetzt gewinnen könnte sind vergleichsweise lächerlich zu dem Imagegewinn der Buli, wenn sie denn wieder mit 4 Mannschaften in der CL vertreten wäre.

    • Nur der der Imagegewinn den Klubs wie Dortmund, Sch’*lke oder Bayern eher nicht so hilft, da sie über die Zentralvermarktung auf reichlich Geld verzichten. Ich bin zwar kein Freund der Einzelvermarktung, aber ich glaube der Imagegewinn wäre aus finanzieller Sicht deutlich geringer.

    •  Hallo Lol

      Ganz sicher ist das eine kurzfristige Betrachtungsweise. Der finanzieller Vorteil ist ja spätestens dann weg, wenn der 4. CL-Platz wieder in Italien ist und der BVB dann gerade 4. wird. Der von Dir genannte Effekt eines besseren TV-Vertrags bei dauerhaft 4 Teilnehmern ist ganz sicher auch richtig. Aber darum gehts in dem Artikel ja gar nicht, obwohl mir der Unterschied zwischen kurzfristiger Maximierung und langfristigen Interessen bekannt ist ;) Das ließe sich in einiger Breite debattieren, denn auch andere Einnahmequellen (Zuschauereinnahmen, Sponsoring) hängen bestimmt irgendwie, wenn auch indirekt, an dem vierten Starter.

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