Ich war ja vor Jahren schon mal mit dem BVB in Mainz und habe nicht wirklich schöne Erinnerung an Mainz. Das Spiel war damals mies, Metzelder netzte in der Nachspielzeit zum 1-1 ein und Jan Koller riss sich das Kreuzband. Im Jahr danach verhinderte der Zivildienst meine Anwesenheit bei der grandiosen 0-1 Niederlage am Bruchweg. Schon damals wusste ein gewisser Nelson Valdez im Vergeben von Großchancen zu überzeugen. Allerdings konnte ich mich nicht an den unglaublich nervigen Stadionsprecher und die irgendwie übertriebene Freundlichkeit der Mainzer erinnern.
Okay, ich bin ja bekanntlich niemand, der sich was daraus macht, wenn die gegnerischen Fangruppen einen mit Schmähgesängen begrüßen, den BVB ausgepfeifen oder uns geklaute Sachen präsentieren. Gerade letzteres sind Spielchen, die mich völlig kalt lassen, weil sie nichts mit dem Fußball zu tun habe, dem ich so verfallen bin. Aber diese aufgesetzte Freundlichkeit wie gestern in Mainz brauche ich dann auch nicht wirklich. Ich möchte schon irgendwie merken, das man kein Heimspiel hat und das merkt man ehesten durch Schmähungen der gegnerischen Fankurve. In Mainz hatte das mehr was von einem Freundschaftsspiel. Das man verdiente Trainer und Spieler mit Applaus ehrt, ist für mich nachvollziehbar, dass wurde in Dortmund bei einem Jan Koller ebenso gemacht wie bei Ottmar Hitzfeld. Da bricht man sich auch keinen Zacken aus der Krone, auch wenn der jenige mit der gegnerischen Mannschaft anreist (außer man wechselt in die Emschermulde). Aber bei einem Auswärtsspiel muss ich nicht wie im Westfalenstadion die Mannschaftsaufstellung brüllen.
Das Mainz was von einem Karnevalsverein hat und diese Image auch gerne hegt & pflegt, hört man dann, wenn Masktottchen Hoffi ähm… Stadionanimatöse Klaus Hafner das Publikum in bester Prunksitzungsmanier einheizt. So wie der ins Mikro gebrüllt hat, fühlte ich mich wie bei einem Marktschreierwettbewerb. Dazu kommt als Tormusik (auf die ich gerne verzichtet hätte) der Narhallamarsch und im Vorspann noch ein Lied mit Helau und Alaaf. Mich persönlich würde das extrem nerven, wenn 365 Tage im Jahr immer alles Knuffi-Tuffi ist in Mainz. Aber gut, ich bin auch kein Karnevalsjeck.
Zum Spiel selber will ich nicht viele Worte verlieren, das könnt ihr hier und hier nachlesen. Mainz gewann meiner Meinung nach nicht unverdient und ich darf somit in der nächsten Saison noch mal an den Bruchweg. Oder 2011 in die Coface-Arena (was ein Kackname, aber wer im Glashaus sitzt….) und vielleicht erlebe ich dann den ersten Sieg in Mainz.
Eingehen möchte ich an dieser Stelle aber noch mal auf den Protest am gestrigen Tag. Im Vorfeld der Partie in Mainz wurde im BVB-Forum heiß disktutiert, mal konstruktiv und mal eben nicht, aber im Nachinein war die Aktion optisch ein voller Erfolg. Soweit ich das beurteilen konnte, haben praktisch alle Borussen im Gästeblock mitgemacht und es gab keine Ausmaße wie beim Fc St. Pauli. Ich persönlich war sehr überrascht, dass der Gästeblock so geschlossen sich der Aktion der Ultras angeschlossen hat. Auch in Dortmund nicht selbstverständlich. Auf Mainzerseite fällt mir ein Urteil schwer, optisch hatte die Ultrasszene Mainz 10 Minuten lang nichts gemacht, allerdings konnte ich keinen Unterschied in der Stimmung erkennen zwischen den ersten 10 Minuten und den restlichen 80 Spielminuten, da nicht alle am Bruchweg sich dem Aufruf der Mainzer Ultras angeschlossen haben. Aber gut, in einem Heimspiel hätte es auf der Südtribüne sicherlich auch Gesänge gegeben.
Ob die Aktion am Ende den gewünschten Erfolg bringt und die Fans weiter ihre Freiheiten genießen können, daran kann ich nur schwer glauben, wenn man sieht, dass die Rostocker schön auch ihr Image pflegen und in Karlsruhe fließig gezündelt haben. Zeigt aber auch, dass wohl jede Ultragruppe das Wort “Ultra” anders definiert. Wahrscheinlich bekommt man 6 Antworten, wenn man 3 Gruppen danach fragt, was “Ultra” für sie heißt. Man darf gespannt sein, wie es weiter geht in den nächsten Wochen und Monaten.
Für den BVB geht es am Sonntag gegen das Spielzeug von Dietmar “Laureus Medien Preis für Wohltätigkeit” Hopp um 3 extrem wichtige Punkte im Kampf um die Europacupplätze. Vorne fehlen 2 Punkte auf den 3. Platz, welcher von Leverkusen besetzt wird und nach hinten sind es noch 5 Punkte auf den VFB Stuttgart auf Platz 7. Glücklicherweise spielen die Beiden gegeneinander. Dazu Hamburg gegen Mainz und Wolfsburg gegen Bremen. Spannung ist garantiert. Und noch ein Vorteil hat es, dass der BVB erst Sonntag spielen muss: Die Blauen haben dann schon gespielt und ich muss mich dann nicht darüber ärgern, dass einige sicher lieber über die Niederlage der Selbigen freuen statt sich über die vergebene Chance der eigenen Mannschaft zu ärgern. Das war schon nervig.
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