Anja & Tanja presents: Ein letztes Geleit

Schluss! Aus! Vorbei! Die letzte Messe der 48. Spielzeit der deutschen Fußballbundesliga ist gelesen. Eine Saison voller verrückter Geschichten, Trainerwechsel, triumphalen Siegen und schmerzhaften Niederlagen ist Geschichte. Die 48. Spielzeit wird vor allem für eines stehen: Borussia Dortmund. So eine Saison wird – ich bin mal so frech – noch nie ein Fan der Borussia aus Dortmund in seinem Leben gesehen haben. Und wohl auch nie wieder zusehen bekommen. Daher will ich das Wochenende noch mal Revue passieren lassen. Ein letztes Geleit.

Lange vor dem Spiel gegen die Frankfurter Eintracht beschäftigte sich Fußball Dortmund damit, wie man denn am besten an Karten für eben jenes Spiel bekommen könnte. Immerhin war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man an diesem Tage der Meisterfeier beiwohnen könnte, sofern man ein Ticket sein Eigen nennen konnte. Und da liegt der Hase auch schon begraben. Es war fast unmöglich eine zu bekommen. Aber dank Facebook und einer glücklichen Fügung durfte dann meine Freundin dem Spektakel auch beiwohnen. Sofern Gott will, habe ich damit nächstes Jahr kein Problem mehr, weil es dann schlicht 2 Dauerkarten gibt. Den Stress muss ich nämlich nicht wirklich noch einmal haben.

In der Woche vor dem Spiel wurde dann natürlich wieder die Sau namens „Apokalypse Frankfurt“ durchs Dorf getrieben. Ein Platzsturm nachdem Spiel wurde seitens der DFL „der Sicherheit wegen“ verboten, im bekannten BVB-Forum sah man schon den Untergang des Abendlandes kommen und eigentlich war die Meisterfeier schon vor Beginn zu Ende, weil die Idioten (DAS Lieblingswort im Forum aktuell) aus Frankfurt brandschatzend durch die Stadt ziehen würden. Immer wieder erschreckend, wie viele Leute auf die Pressemeinung herein fallen. Wie viel man von solchen Szenarien und sicheren „Informationen von Bekannten“ zählen kann, konnte man dann Samstag bewundern.

Am Samstag dann ging es also auf zum letzten Geleit. Für die 48. Bundesligaspielzeit, für die Karrieren von Dede und Nuri Sahin im BVB-Trikot und für die Frankfurt Eintracht. Und irgendwie sorgte alles für Tränen, das einen mehr, dass andere weniger. Noch vor dem Spiel wurden eben jener Dede und jener Nuri Sahin verabschiedet. Nuri Sahin bekam eine ordentliche Verabschiedung, vernünftigerweise ohne Pfiffe. Sahin hatte sich so eine Verabschiedung auch verdient. Und es zeigt sich wieder mal: Im Internet lässt es sich besser pöbeln als im realen Leben.

Natürlich hatte Nuri Sahin gegen die Verabschiedung von Leonardo Dede keine Chance. Was wurde dem Brasilianer nicht alles „geschenkt“. Ein Flashmob zum Geburtstag, bei jedem Heimspiel eine Ehrenrunde und Sprechchöre in einer Lautstärke, die es wohl so schnell in Dortmund nicht mehr geben wird. Es gab zig Interviews mit ihm (inklusive der tollen Story um zugefrorene Scheiben im Winter und der Aussage, er wolle eigentlich nur 3 Jahre bleiben). Dann gab es – natürlich – diverse Gruppen bei Facebook und `ne Online-Petition, um ihn zum Bleiben zu überreden. Zum Glück gab es auch richtig gute Ideen, speziell das Graffiti der Fanabteilung in der Südtribüne finde ich richtig gelungen. (Fotos hier oder rechts im Blog). Das Ganze hat nicht nur eine Aussage und ehrt einen der größten Borussen der letzten 15-20 Jahre, sondern es gestaltet auch noch das Stadion mit. Sehr gelungen, Fanabteilung!

Das Spiel wurde dann unter einer Choreografie von TU & Co, welche im Süden zu erblicken war, bekommen. Feines Teil! Gerüchten zu Folge soll Mats Hummels beim Einlaufen wohl auch sehr gestaunt haben. Bilder gibt es davon freilich nicht. Auf das Spiel an sich gehe ich wie immer nur knapp ein, weil die Meisten wohl gesehen haben werden. Die erste Halbzeit war mau, sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen. Dortmund machte das Spiel, aber mit da Silva bekommen wir einfach kein Tempo ins Spiel. Die Frankfurter hatten 44 Minuten nichts vom Spiel, bis Gekas  – dank Santana – die Latte traf. Aber mehr Zufall geht auch kaum.

Halbzeit 2 (Fotos an bekannter Stelle) begann dann jedoch feurig. Zunächst tauchten „die Idioten ©“ mit Rauchbomben ™  und Bengalen die Südtribüne in einen dichten Nebel ein, welcher ganz schnell bei Schmelzer, Santana und Weidenfeller im 100 Meter entfernten Norden angekommen sein musste. Anders kann ich mir den Gegentreffer der Frankfurter nicht erklären. Der Führungstreffer euphorisierte dann den Frankfurter Anhang, den selbsternannten „Randalemeister 2011“, der seine eigene Pyroshow zum Besten gab. Gekrönt wurde das Schauspiel dann durch den BVB, der – natürlich – darauf aufmerksam machte, dass man das Abrennen der Pyrotechnik unterlassen solle. Untermalt wurde das ganze von einer Werbeeinblendung mit dem Zitat: „….bis der Rasen glüht.“

Der Gästeanhang war danach erstmal oben auf, erlebte aber schnell die kalte Dusche. Zunächst, weil Dietmar Hopp und seine Truppe aus Sinsheim gegen Wolfsburg den Ausgleich kassierte und dann die eigene Mannschaft von Barrios überwunden wurde. Und als der Konkurrent gegen den Abstieg das 2-1 in Sinsheim machte, traf Lewandowski fast zeitgleich für den BVB. Während die Dortmunder Fans das Führungstor bejubelten, musste die Springerpresse leider feststellen, dass die Gäste völlig gewaltfrei dem Abstieg entgegen schauten. Beim nächsten Mal braucht es dann wohl doch einen „Agent Provocateur“. Sollte ja kein Problem sein für die Bild, da jemanden zu finden. Zum Schluss netzte Barrios dann noch zum 16 Mal in dieser Saison zum Entstand ein. Danach war diese fantastische BVB-Saison zu Ende.

Es folgte die Meisterfeier, die – gelinde gesagt – leicht chaotisch verlief. Weil die DFL tolle Bilder liefern wollte, wurde kurzerhand der Platzsturm, der in Dortmund schlicht üblich ist, verboten. Natürlich unter dem Vorwand der Sicherheit. Das man durch so ein Verbot noch viel mehr Gewahrenpotenzial erzeugt, gab es danach zu bewundern. Denn das Verbot passte vielen nicht und so wurde der Zaun vor der Süd demoliert und man gelang auf den Rasen. Dort durften sich die Ordner dann damit beschäftigen, die DFL Vorgabe umzusetzen. Gerüchten zu Folge wurde sich dann auch geprügelt zwischen Fans und Ordnern, einige Ordner erlitten Prellungen oder wurden einfach überrannt, als der Druck der Masse zu stark war. Als dann auch die 2 Kette nachgab, ging es für viele direkt zum Gästeblock, um die verbliebenen Frankfurter zu pöbeln. Aber natürlich hinter der Polizeikette.

Ich persönlich finde, dass das sowohl die Fans als auch der BVB hier keine gute Figur abgegeben haben. Ich halte nichts davon, dass seine Meinung mit Gewalt erst gegen ein Teil des Stadions und dann gegen die Ordner durchzusetzen. Da hätte man seine Interessen etwas zurückstellen können. Und der BVB hätte – gerade auf Grund seiner Erfahrungen – der DFL sagen müssen, dass man nicht in München ist und man hier den Platzsturm nicht verhindern kann. Da helfen dann auch keine mehr oder weniger sinnlose Appelle von Klopp, Großkreutz, Weidenfeller oder Dickel. Eine einfache Durchsage, dass nach dem offiziellen Prozedere der Rasen gestürmt werden darf, hätte hier vieles verhindert. Da haben beide Seiten kein gutes Bild abgegeben.

Der Rest danach ist schnell erzählt. Die Stadt war rappelvoll, es wurde gefeiert bis zum Morgengrauen. Leider konnte man Sonntag den Meisterkorso nicht auf der B1 bewundern, was schon irgendwie enttäuschend war, wenn man den ganzen Tag dort rum steht. Hier lasse ich einfach die mehr oder weniger interessanten Bilder sprechen (da rechts im Blog 🙂 )

Zum Schluss noch etwas zur Feststellung des Wochenendes: In Dortmund haben viele Eltern ihre Töchter scheinbar Anja oder Tanja genannt. Söhne wurden vornehmlich Ingo getauft.

Eingehüllt in Fahnen, Nationalfarbenschminke im Gesicht, kreischen sie ahnungslos drauf los, wenn der Ball ins Aus geht. A&T wissen manchmal bis kurz vor Anpfiff nicht so recht, welches Trikot die dt. Nationalmannschaft trägt. Auf die Frage: „Na wie geht es aus?“, gibt es häufig die Antwort: „Sieg für uns, na klar!“ A&T fehlen auch so ziemliche sämtliche Basisbegriffe aus dem Fußballregelwerk. Es geht ja darum „Party zu machen“. Das Wort „abseits“ wird vorzugsweise zunächst im Fremdwörterlexikon nachgeschlagen und die Leistung eines Spielers wird nicht nach Kriterien wie „Fehlpässe“, „Einsatz“ oder „Tore“ bewertet, sondern ausschließlich nach den Kriterien „Körperbau“ und „Frisur“.

Anja & Tanja

Weil aber gerade keine EM oder WM ist und die Frauenfussball-WM nichts mit Party zu tun haben wird, musste der BVB herhalten. Seit Samstag überlege ich auch, was schlimmer ist: Anja, Tanja & Ingo, die offensichtlich von Fußball gar keinen Plan haben oder die Gattung von Menschen, die nun mit Dortmund-Trikot, Autofahne, Schal und was weiß ich nicht alles durch die Stadt brausen. Wo waren die alle z.B. am 30.03.2007 und in der weiteren „Dollschen“ Zeit des Grauens?

3 Antworten auf „Anja & Tanja presents: Ein letztes Geleit“

  1. Irgendwie schade, dass diese grandiose Saison schon vorbei ist.

    Gruß,

    Tanja (natürlich damals auf der Alm dabei, auch wenn 'unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz' an dem Usselsabend eher nach Trauermarsch klang…)

  2. Verstehe nicht ganz wie man sich über die ATI's bei der Meisterfeier aufregen kann. Es ist nun mal hier in der Stadt so, dass sich fast jeder mit dem BVB freut, wenn der mal was gewinnt und nicht nur Leute die schon jahrelang auswärts fahren. Das macht mMn. doch u.a. gerade das Besondere an der Beziehung zwischen diesem Verein und dieser Stadt aus.

    1. Wenn sie wenigstens ein Trikot oder so getragen hätten. Einfach nur die Haare mit dieser Karnevalshaarfärbeplörre einsprüchen und ne Hawaiikette umhängen hat für mich sehr wenig mit der Verbundenheit zum BVB zu tun.

      Aber mehr regen mich tatsächlich die Leute auf, die du Jahre lang nicht gesehen hast und die nun alle Stolz ihr BVB-Klamotten tragen.

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