„An Tagen wie diesen…..

… wünscht man sich Unendlichkeit“ dröhnte es am vergangenen Samstagabend irgendwann nach Schlusspfiff und Pokalübergabe an den deutschen Meister und DFB-Pokalsieger Borussia Dortmund aus den Boxen des Berliner Olympiastadions. Ein Tag, an dem man als Fan des Ballspielverein Borussia 1909 e.V. Dortmund Zeuge wurde, wie die eigene Mannschaft 1870 Tage nach dem sportlich schwärzesten Tag der vergangenen 10 Jahre eine eh schon unfassbare Saison mit einem noch unfassbareren Pokalsieg über den FC Bayern München krönte. Und auch sonst hatte der Tag unvergessliche Momente zu bieten.

Erstmals musste ich ohne Eintrittskarte am Freitag vor dem Finale die Reise zu einem Spiel der Borussia antreten. Man kennt das ja: Man versucht im Vorfeld alles, um an eine Karte zu kommen. Man klatscht die Pinnwand bei Facebook voll, schaut bei EBAY, ViaNOgo oder Seatwave rein, um vielleicht ein Schnäppchen zu machen. Man geht mehr oder weniger bewusst den Leuten auf den Sack und haut jeden an, den man kennt in der Hoffnung, dass der jenige vielleicht noch helfen kann. Aber im Vorfeld klappe es nicht und so hatte wurde die Reise ohne Karte angetreten. Und in Berlin sollte sich schnell zeigen, dass das zunächst selbst gesteckte Limit von 100,- für eine Karte nicht reichen würde. Aber dazu später.

Zunächst ging es am Freitag via Auto in die Bundeshauptstadt. Ein paar Borussen waren auch schon auf dem Weg nach Berlin und es deutete sich schon an, was einen in Berlin erwarten würde. Und abgesehen vom Stau vor Königslutter (16-23 km) und einem netten Gewitterguss in Berlin, verlief die Anfahrt problemlos. Nach kurzem Aufenthalt im Hotel (sehr empfehlenswert; sauber; modern; gratis W-Lan; gute Anbindung ans U-Bahnnetz) ging es dann in Richtung Ku’damm. Auf dem Breitscheidplatz an der Gedächniskirche hatte der BVB schon vorgesorgt. So war neben den Bierständen und Fressbuden eine kleine Bühne aufgebaut und das „Fanartikelmobil“ war auch schon vor Ort. Ist schon witzig, wenn man sieht, dass viele Vereine maximal ein 7,5t-Gefährt durch die Republik schicken, während der BVB mit einen so einem Gerät vorfährt.

Zudem waren die Absperrzäune mit BVB-Bannern „geschmückt“. Rund um die Kirche waren auch schon reichlich Borussen und ein paar Bayernfans in den Restaurants und Kneipen. Lediglich das Wetter war noch nicht in der richtigen Stimmung, aber es war auch nicht miserabel. Nach einer Nahrungsmittelzufuhr  ging es aber auch schon wieder zeitig zurück ins Hotel. Die Suche nach einer Karte hatte ich eh schon früh auf Samstag verschoben.

An genannten Samstag ging es zunächst etwas shoppen (weiß der Teufel, wieso Frauen das so ausdauernd können), eh es nach kurzer Rückfahrt zum Hotel dann daran ging, eine Karte fürs Spiel zu humanen Preisen zu ergattern. Und so ehrlich muss ich schon sein: Mich beschäftigte eher der Gedanke, wie ich an eine Karte komme und als der, welches Kleidungsstück nun besser aussieht. Ich hoffe, meine bessere Hälfte verzeiht es mir.

Zunächst hatte ich die Hoffnung, dass vielleicht einige Leute die Karten offen anpreisen würden, aber dies ist wohl eher ein Indiz bei Spielen, wo die Leute in Gefahr laufen, ihre Karten nicht loszuwerden. Nach einem Tipp von einem Kumpel kam ich dann auch mal auf die Idee, mir so ein Pappschild mit „Suche Karte“ Aufschrift zu machen. Man glaubt gar nicht, wie viele Leute einen dann ansprechen. Aber Preise jenseits der 300 Euro war ich nicht bereits zu bezahlen und auch keine 250 Euro für eine Karte in der Kurve der Roten. Natürlich versuchten auch Leute, mir Karten für die Waldbühne, wo das „Rudelgucken“ stattfinden sollte, als Eintrittskarte zu verkaufen. Nett war auch die Versuch, mir Pressekarten für 600,- anzudrehen, wobei der Typ schon so zwielichtig rüber kam, dass dies im Grunde schon geschäftsschädigend für ihn gewesen sein dürfte. DAS Highlight aber war ein mir bekannter junger Mann aus meinem Wohnort, der mit meiner Freundin früher zu Schule gegangen ist. Mir war bis dato völlig unbekannt, dass dieser Mann ebenso wie ein weiterer Mitfahrer überhaupt Fan der Borussia ist, aber die Trikots aus dem Jahre 1997 hätten mir die Frage, wo die eigentlich die letzten 15 Jahre waren, im Grunde schon abschließend beantworten können.

Dieser junge Mann war also so gut drauf, dass er meiner Freundin und mir sehr feinfühlig erzählte, dass sein Kumpel 4 Karten bekommen hatte und er davon 2 bei einem bekannten Auktionshaus für eine nette Summe versteigert hatte und man so die Tour nach Berlin finanzierte. (Mittlerweile ist mir der Name bekannt und er hält sich das Gerücht, er habe alle 4 Karten versteigert) Ich neige nicht zur körperlichen Gewalt, aber in dem Moment habe ich mir schon gewünscht, dass der jetzt einer kommt und den Job für mich erledigt. Aber nun ja. Solche Leute bekommen halt die Karten für so ein Finale. Für mich ging die Suche indes weiter, jedoch verlagerte ich die Suche vors Stadion.

In der Bahn selbst wurde man auch immer wieder mal gefragt, was man denn zu zahlen bereit wäre und bekam im Grunde immer die gleichen Kommentare der Marke „Dafür bekommste höchstens `ne Karte für die Waldbühne“ oder „Wir haben selber bei EBAY Summe XY gezahlt und haben nun Karten über, weil wegen Missverständnis“ . Es ist schon erstaunlich, wie arrogant und abwertend man doch beäugt wird, wenn man eine Karte für das Endspiel sucht. Auch ist es einen lehrreiche Erfahrung, was für Summen die Leute aufrufen, die man vom Sehen kennt. Dagegen waren die Preise der südländischen Kartendealer echte Schnäppchen. Als ich gegen 18 Uhr immer noch keine Karte hatte, sank meine Laune schon in rote Bereiche, was auch der Kameramann vom RBB zu spüren bekam, der leider mich nicht zeigen durfte, obwohl er mich ein paar Minuten gefilmt hat. Tut mir leid für den netten Reporter, aber er hätte halt mal vorher fragen sollen. Aber dann drehte sich das Blatt.

Auf meiner Suche wurde ich von einem BVB-Fan angesprochen, der mir die Karte seines Kumpels anbot, da dieser schon vor dem Spiel ein Alkoholproblem vorzuweisen hatte. Aber diese wollte sich nicht auf meine Gebotene Summe von 250,- für eine Karte einlassen, auch wenn er sich zumindest gedanklich damit beschäftigte. Just in dem Moment, wo er sich wegdrehte und ich weiter gehen wollte, bot mir ein Mann eine Karte für 200,- an. Ein satte Preis natürlich, aber immerhin unter den Preisen vom Platz an der Gedächniskirche und weit und denen von EBAY und Co. Nach einem flüchtigen Blick auf die Karte muss sich wohl mein Hirn ausgeschaltet habe, so dass die Zweifel an der Echtheit der Karte erst dann so richtig aufkamen, als ich mich mit meiner Freundin aufmachte zum Einlass. Ich hatte den Verkäufer zwar im Vorfeld gefragt, ob die Karte echt sei, aber das ist natürlich so viel Wert wie die Worte eines Politikers.

Bei genauerer Betrachtung der Karte hatte ich den Eindruck, dass diese Karte gefälscht ist (wirklich Überzeugt von der Echtheit bin ich auch heute noch nicht). So waren die Logos der Vereine viel kleiner und verpixelt als zum Beispiel auf der Karte, die offiziell vom BVB stammte. Darüber hinaus war auf das Logo des VBB verpixelt. Aber es gab kein zurück mehr. Am Eingang würde nun die Entscheidung fallen, ob ich einem Betrüger auf dem Leim gegangen war oder ob ich dem Finale beiwohnen werde. Wie das Schicksal so spielt, blieb beim ersten Versuch die Ampel am Einlasskreuz rot. Auch der zweite und dritte versuch ging in die Hose und als sich der Ordner dem Problem annahm, sah ich mich gedanklich schon mit Tränen in den Augen irgendwo rum sitzen. Aber dann kam die in diesem Augenblick schönste Farbe der Welt: GRÜN. Die Erleichterung ist mit Worten nicht zu beschreiben, die einem in so einem Moment widerfährt. Einfach überragend, und dennoch ist man nicht scharf auf einen Wiederholung. Wie dem auch sei: Ich war auch sehr zu Freude meiner besseren Hälfte im Stadion, wo nur langsam die Aufregung sinken wollte. Sollte ich wen genervt haben – mir egal :-).

Zum Spiel komme ich eventuell noch mal gesondert, an dieser Stelle würde es zu lang werden. So komme ist noch kurz auf den Sonntag, den Abreisetag.

Gegen 10:30 verließen wir das schöne Hotel und fuhren nach kurzem Stop bei einem Bäcker und einer Tankstelle nach Hause. Keine 20 Meter auf der Autobahn erblickte man die ersten Borussen, welche uns an diesem Tage bis zum Kamener Kreuz nicht mehr von der Seite weichen sollten. An jedem Rastplatz waren Dortmunder zu sehen, gefühlt jedes 2. Auto hatte Schals oder Fahnen des glorreichen Ballspielverein Borussia 1909 e.V. Dortmund im Wind hängen und man hätte wie eine Dame bei McDonalds in Herford auf die Frage kommen, wo der BVB denn spiele und wann Anstoß sei. Eigentlich hätte sie am traurigen Gesicht ihres männlichen Begleiters erkennen können, dass das Spiel bereits gewesen ist.

4 Antworten auf „„An Tagen wie diesen…..“

  1. Japp, das Hotel ist wirklich eine Empfehlung, man kann günstig im Edeka frühstücken, parken ist auch kein Problem, ist auch recht neu und relativ zentral gelegen.
    Freut mich auf jeden Fall, dass es auch mit der Karte geklappt hat.
    SGG
    Stephan

  2. Die eBay-Verkäufer „Fans“ wecken bei mir echt den Drang zum Denunziantentum. Aber schön, dass es doch noch geklappt hat – deinen Seelenzustand beim roten Licht am Stadion mag ich mir gar nicht ausmalen. 🙂

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