A Paris, pour l’amour

Jeder kennt sie bestimmt, die Leute im Bekanntenkreis, die einen fragen, warum man denn soviel Zeit, Urlaub und Geld investiert, um seinen Verein live im Stadion zu sehen.  Man könnte das Spiel durch viel ruhiger und günstiger im TV schauen ist da sicherlich das häufigste Argument. Und natürlich haben sie recht. Man sieht meist besser, hat Zeitlupen, man ist nicht Stunden im Auto, Bus oder Zug unterwegs, man friert sich nicht den Arsch ab im Winter oder verbringt Tage damit, alles zu organisieren. Aber eines kann das Fernsehen dir niemals vermitteln: Emotionen und das ganze Drum herum.

Zunächst muss ich zugeben, dass es weit aus verrücktere Leute als mich gibt. Manchmal siegt bei mir der Verstand bzw. mein Geldbeutel über die Lust, dem BVB überall hinzu folgen. Zudem sind meine Prioritäten ganz klar auf einen Wettbewerb festgelegt: Die Bundesliga. Der Pokal (dauert meist eh nicht lange) sowie ganz frisch der Europapokal sind eher eine Art Zugabe, die ich nach Möglichkeit gerne mitnehme, aber im Gegensatz zu Bundesliga jedoch nicht um jeden Preis. So kam es am vergangenen Donnerstag zu meiner ersten Reise mit dem BVB durch Europa in dieser Saison. Es war eine Reise, die ich nicht missen möchte und die einem wieder mal zeigt, was Fußball und Borussia Dortmund für mich so faszinierend macht: Die Fans.

Bereits im Vorfeld war bekannt, dass sich eine Menge an Borussen auf den Weg nach Paris machen würden. Zu lange war man international nicht mehr unterwegs und Paris bot neben einer kurzen Anreise auch ein paar touristische Highlights sowie eben massig Karten für die Gäste. So wurde sich bereits im Vorfeld reichlich eingedeckt mit Karten und diverse Busse geplant (75 Busse laut französischer Polizei) und man ging von 6.000 – 8.000 Borussen in Paris aus (offzielle sollen es 9.000) gewesen sein. Also ging es voller Vorfreude gen Paris für mich und meine 3 Mitfahrer aus dem Münsterland.

Man kam in den Genuss deutschen Berufsverkehrs, an der Grenze wurden wir von der Polizei kontrolliert und ein Mitfahrer musste sich vor der Polizei für seinen Nachnamen rechtfertigen. Nach kurzer Taschenkontrolle ging es dann nach Holland, vorbei am „Kommunistendenkmal“™ in Maastricht flott nach Belgien. In Belgien ist man als deutscher Autofahrer scheinbar sehr beliebt und so suchten die Belgier die Nähe zu uns, in dem sie mit dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 145 cm hinter einem herfuhren. Und einen Vorgeschmack auf das, was uns in Paris erwarten wird, gab es auch schon, denn praktisch jedes 3. Auto mit deutschem Kennzeichen hatte Borussen an Board. In Frankreich angekommen ging es erst noch ein paar Kilometer über die staatliche Autobahn, bis man dann zum ersten Mal eine der Mautstrecken befahren konnte. Als Verfechter der PKW-Maut auf deutschen Autobahnen war ich vor allem daran interessiert zu sehen, wie die Franzosen das abwickeln. Ich muss sagen, dass es eigentlich ohne Fehl & Tadel war. Keine Schlange beim Ticket ziehen, die Straßen fahren im perfekten Zustand und beim Bezahlen war man auch schnell fertig. 13 Euro kostet der Spaß im Übrigen. Als „Tourist“ sollte man ruhig an den Kosten für die Instandhaltung der Autobahnen zur Kasse geben werden. Wichtig ist halt, dass die Einnahmen auch ausschließlich wieder „in die Straße“ fließen und nicht, um andere Löcher im Haushalt zu stopfen. Aber ihr merkt, ich schweife ab.

Nach knapp 6 Stunden Fahrtzeit erreichten wir dann Paris, wo es am Stade de France vorbei in Richtung Hotel ging. Witzig finde ich ja, dass sie das Stade de France mitten in eine Wohnsiedlung gebaut haben. Ich will gar nicht wissen, was für ein Chaos dort herrscht, wenn da mal ein Spiel stattfindet, wenn man im normalen Verkehr dort schon nur im Schritttempo voran kommt. Aber irgendwann erreichten wir doch unser Hotel und nach einem kurzen Tête-à-tête an der Reception ging es auch schon auf die Zimmer. Man muss es ja nicht verstehen, warum man bei der Reservierung des Hotels eine Kreditkartennummer angibt, wenn man vor Ort eh zahlen muss, weil die nicht in der Lage sind, das Geld abzubuchen. Aber gut. Nach kurzem Aufenthalt im Hotel ging es dann vom Hotel zum Treffpunkt der Borussen am Eiffelturm. Wir waren noch nicht ganz aus der U-Bahnstation „École Militaire“ heraus, da hörte man schon den ersten Fangesang. Und das Bild, was einem geboten wurde, als man zum ersten Mal den Platz unter dem Eiffelturm zusehen bekam war einfach genial. Nur Dortmunder soweit das Auge reicht. Einfach faszinierend. Und auch die fliegenden Getränkeverkäufer dürften hoch erfreut gewesen sein ob der Menschenmasse vor dem Eiffelturm, die auch noch fleißig Bier tranken. Auf Grund der hohen Preise machte ich mich aber lieber auf den Weg, mal einen Laden zu suchen, wo man günstiger an Getränke kommt und siehe da: In einer Seitenstraße wurde man fündig. Schnell mit ein paar Getränken eingedeckt und dann wieder zurück zum Eiffelturm, von wo es dann auch schon Stadion gehen sollte.

Scheinbar hatte man in Paris jedoch nicht damit gerechnet, dass der BVB so eine Masse mobilisiert und lies uns erstmal laufen. Unter Einsatz von reichlich Pyrotechnik und lautstark ging es also erstmal unter dem Blitzlichtgewitter der Touristen in Richtung École Militaire. Ich lasse einfach mal ein paar Videos sprechen, auch wenn diese nicht wiederspiegeln können, wie viele Leute es tatsächlich waren.

httpv://www.youtube.com/watch?v=q4ihrPvb4ig

httpv://www.youtube.com/watch?v=o26qosKCpV0

© Marc Q. - The Dudes Dortmund
© Marc Q. - The Dudes Dortmund

Leider gibt es so einer großen Masse auch immer wieder Idioten, die sich nicht benehmen können. So wurden Autos mit Aufklebern beklebt und an Häuserwände uriniert. Auch wenn die Autos in Frankreich ziemlich übel aussehen, muss man diese nicht mit Aufklebern versehen oder die anderweitige beschädigen. Immerhin ist man Gast einem anderen Land und durfte sich glücklicherweise ohne die Exekutive bisher frei bewegen. Dies fand jedoch ein jähes Ende an besagter U-Bahnstation an der Nähe es Eiffelturms, als man gestoppt wurde und Gerüchten zu Folge allesamt in die U-Bahn sollten. Irgendwann gaben die Ordnungshüter, meiner Meinung nach sichtlich überfordert mit der Situation, nach und ließen die Masse laufen. Da ich noch etwas an der Haltestelle verweilte und mit diversen TU’lern und Jubos dann mit der Bahn gefahren bin weiß ich nicht, wie die Masse zum Stadion gekommen ist. Auf jeden Fall ging es dann in Richtung Prinzenpark nach einer kurzen Wartezeit.

Dort angekommen wurden die Fans dann getrennt, indem diejenigen mit Karten für den Gästeblock eine andere Route nehmen mussten als der Rest. In Paris hat man wohl schlechte Erfahrungen mit Fußballfans, so dass man 3, in Worten drei, Kontrollstellen passieren musste. Die ersten 2 Kontrollstellen dienten nur zur Blockkontrolle, am 3. Punkt standen dann die französischen Ordnungshüter mit voller Mannstärke. Mannschaftswagen, Wasserwerfer (bestimmt einer dieser neuen „sanften“ Wasserwerfer) und Fahrzeuge, mit denen man wohl eher in den Vororten brennende Autos verschieben sollte. Es war auf jeden Fall alles da, was man so zur Verfügung hatte in Paris. Ich hatte das Glück, sehr früh am Stadion zu sein, so dass ich auf einen gute gelaunten Polizisten traf, der auch noch der deutschen Sprache mächtig war, so das wir ein kurzes Gespräch führten. Andere hatten nicht das Glück und bekamen die Lockerheit der Polizei an der „Tränengaspistole“ zu spüren. Da ich nicht dabei war, kann ich dazu nicht viel mehr sagen, jedoch sahen einige nachher im Stadion sehr übel aus und die Erzählungen muss es eine völlig überzogene Aktion gewesen sein.

Im Stadion selber bot sich dann ein toller Anblick, waren doch mindestens die Hälfte aller Anwesenden zum Anpfiff in Schwarz und Gelb gekleidet. Zur Stimmung im Stadion zitiere ich mal den Spielbericht von Sg.de, der trifft den Nagel auf den Kopf, auch wenn ich der Meinung bin, dass die Pariser nicht so schlecht waren. Wenn die Ultragruppen alle dagewesen wären auf Pariser Seite hätte die uns in Grund und Boden gesungen, denn die Akustik ist dort wirklich sehr gut.

Dort erreichte man schon vor dem Spiel eine beachtliche Lautstärke, als zum „Heißmachen“ der Paris-Anhänger, neben „Mambo No. 5“ und anderen kultigen Hits, „Go West“ eingespielt wurde und „Olé, jetzt kommt der BVB“ von den Rängen schallte. Der Stadionsprecher hielt uns anscheinend für zu laut und er wusste sich nicht besser zu helfen, als noch ein paar Dezibel mehr aus den Boxen klingen zu lassen. Das wirkte schon ziemlich hilflos.

In drei Gruppen waren die BVB-Fans an diesem Abend aufgeteilt, denn neben dem offiziellen Gästeblock F hatte sich der Großteil über den Heimverein mit Karten für die Blöcke H und J eingedeckt. Hier fragt man sich wirklich, warum Paris St. Germain seinen Gästen selbst auf Nachfrage kein größeres Ticketkontingent zur Verfügung gestellt hat. Zumal der Kick mit 20.000 Zuschauern lange nicht ausverkauft war. Einigen schwatzgelben Fans wäre die Ticketbeschaffung so vielleicht etwas leichter gefallen. Im Stadion störte sich niemand mehr daran, im Gegenteil. Die Dreiteilung wurde als Anlass genommen, einen Wechselgesang zu starten, bei dem aus jeder Ecke des Stadions sauber aneinander gereiht ein Buchstabe unseres wundervollen Vereinskürzels „B-V-B“ ertönte. Das machte wirklich Laune und auch sonst war das, was von den Rängen des Prinzenparks kam, wirklich laut und hörenswert, so dass eine kleine supporttechnische Durststrecke gegen Mitte der ersten Halbzeit wirklich verzeihlich ist.

Einzig und allein drei gezündete Pyrofackeln trübten das überzeugende Bild des Dortmunder Anhangs, hatte der BVB doch im Vorfeld bekannt gegeben, Vorkommnisse dieser Art nicht weiter tolerieren zu wollen. Von den Pariser Fans – verfeindete Gruppen suchte man im Stadion erwartungsgemäß vergeblich – kam außer Dauerfähnchenschwenken nix Vernehmbares.

Nachdem Spiel gab es eine Blocksperre im Gästesektor, die sehr ruhig von den meisten Fans akzeptiert wurde, sieht man mal von 3-4 Leuten ab, die sich ein bisschen mit der französischen Polizei und dem einsamen Ordner anlegten. So überflüssig diese Blocksperren auch sind, so unverständliche finde ich es, dass die Leute schon nach 5 Minuten pöbeln. Man gewinnt damit sowie nichts. Und nach gut 15 Minuten ging es dann auch schon raus aus dem Stadion (ich hatte zuvor Befürchtungen, dass die Blocksperre länger dauert und man so die letzte Metro zum Hotel nicht bekäm). Ob diese Blocksperre nun unsere „Sicherheit“ diente oder man einfach ein bisschen Entlassung den der Metrostation Porte d’Auteuil haben wollte, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf jeden Fall ging es relative stressfrei nach dem Spiel wieder in Richtung Hotel. Warum man jedoch nicht mit der Eintrittskarte nach dem Spiel die Metro nutzen kann, wissen wohl nur die Franzosen. So war das Chaos natürlich groß, weil fast jeder noch ein Ticket kaufen musste.

Am nächsten Morgen nach einer erholsamen Nacht ging es dann entspannt auf den Heimweg nach Deutschland. Von Paris im Sonnenschein durchs verregnete Belgien bis ins windige Venlo brauchten wir knapp 5 Stunden. Von Venlo bis in Münsterland dann noch mal lässige 3 Stunden, so dass wir gegen 18 Uhr wieder im heimischen und natürlich verregneten Münsterland ankamen.

Fazit: Es war ein toller Tag und – sieht man von ein paar kleinen Fehlern ab – eine klasse Visitenkarte, die wir Fans in Paris hinterlassen haben. Selbst die große französische Sportzeitung L’Équipe wusste das in ihrer Printausgabe zu würdigen.

sehr selten,in der modernen geschichte des psg,kamen so viele gegnerische fans in den park so als würde man ein territorium erobern.und nie,diese saison,war der park von so einer atmosphere erfüllt worden.trotz der gesänge der 7000 fans,die zu ihrer unterstützung gekommen sind,hat die stärkste offensive der bundesliga(23 tore) keinen anderen schlüssel gefunden,in beiden spielen,als der elfmeter von sahin am 21. oktober. ……

am ende heisst es noch dass paris,nachdem sie die letzte riesenchance von uns überstanden haben,ihre serie von ungeschlagenen heimspielen auf 12 ausgebaut haben.wenn man die gesänge,die den park nach spielende eingenommen haben,hörte,erwachte der eindruck dass nur die deutschen fans zeugen dieser serie gewesen sind.

Quelle

Eine Antwort auf „A Paris, pour l’amour“

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