75 Stunden, 2 Welten.

Fußball ist bekanntlich ein schnelllebiges Geschäft. Spieler wechseln den Verein und dürfen ihr  1. Spiel für den neuen Klub dann direkt gegen den alten Arbeitgeber bestreiten. Oder Trainer trainieren in einer Saison 2 Bundesligisten. Das sind mitunter die negativen Aspekte dieser Schnelllebigkeit.  Aber es gibt auch positive Seiten. Diese erlebten alle, die es mit dem BVB halten. Gestern noch ein Spiel zum abgewöhnen und 3 Tage später ein Spiel wie in besten Meistertagen.  Aber der Reihe nach.

Am vergangenen Samstag spielte der BVB bekanntlich gegen die alte Dame Hertha BSC und verlor völlig verdient mit 1-2 gegen eine gut eingestellte Hauptstadttruppe. Was sich schon zuvor gegen Leverkusen und streckenweise gegen Nürnberg angedeutet hatte, wurde gegen Berlin mehr als offensichtlich. Es fehlte an Tempo, Kreativität und Zug zum Tor. Die Außenverteidiger Schmelzer und Pisczcek wurden immer wieder in aussichtslose 1 gegen 1 Duelle geschickt, statt die eigentlichen Stärken, schnelles Umschalten und hohes Tempo, auszunutzen. Wo in den letztem Jahr noch lange Bälle in den freien Raum von Sahin, Hummels oder Subotic gespielt wurden, versuchte man es gegen die Hertha immer mit Kurzpässen und vornehmlich durch die Mitte. Dies stellte den Aufsteiger vor keine großen Probleme im defensiven Bereich. Hinzu kamen noch unglaublich Fehlpässe im Spielaufbau und gravierende Fehler vor dem 0-1. Den Rest seht ihr in der Statistik.

Etwas mehr als 3 Tage später war dann der Arsenal Football Club zu Gast zum 1. Champions League Spiel der glorreichen Borussia seit 8 Jahren. Europapokalabende sind immer etwas komisch. Entweder sie sind von der Stimmung total komisch, weil auf der Südtribüne mal eben über 10.000 fehlen. Oder die Stimmung ist überragend, weil man einen großen Gegner zu Gast hat und das eigene Team zeigt, dass es auch mal solchen Spielern und Mannschaften mithalten kann. Gestern sorgten Mannschaft und Fans für letzteres. Untermalt von einer wunderschönen Choreo zeigte die Borussia einen Fußball, den man auch in der letzten Saison bewundern konnte und zur Meisterschaft führte. Die Flügelspieler Schmelzer und Pisczcek wurden mit Dampf die Linien langgeschickt statt in sinnlose Zweikämpfe im Mittelfeld verwicktelt. Kagawa und vor allem Götze zeigten in der Mitte immer wieder gute Ansätze und Pässe in die Spitze. Einziges Manko: Torchancen wurden nicht genutzt und in Halbzeit 2 meiner Meinung nach zu sehr versucht, die Murmel ins Tor zu tragen. Das Tor fiel dann natürlich auch bezeichnender Weise durch einen Distanzschuss von Perisic, der damit wohl endlich seinen Platz in der ersten Elf bekommen dürfte. Großkreutz ist aktuell einfach nicht in Form.

Und sonst so?

Das Gastspiel des FC Arsenal in Dortmund hat sowohl bei den britischen Medien wie auch bei den Spielern der Gunners bleibenden Eindruck hinterlassen. So sagte der Torhüter der Gunners, Wojciech Szczęsny: It was one of the best atmospheres I’ve experienced in my career, but this is the kind of game you like to play in.”

Die britische Tageszeitung „The Telegraph“ schrieb: „It was the least that Borussia deserved, such was their relentless attacking and endless backing of their wonderful fans, but up in the smart seats, a certain Frenchman winced in frustration. […] Dortmund attacked the end containing their most passionate fans, who kept singing, kept drumming and kept believing […] Borussia’s splendid fans kept up their vocal support; this was real support, all the way round this perfect ground, a reminder to all architects that stadia contain the best atmosphere when built like ravines.“

Und im Live-Ticker der gleichen Zeitung schrieb der Autor dann noch: „Absolutely amazing scenes on the gigantic Südtribüne stand behind the goal. A gigantic display of yellow and black glittery stripes with a crown that’s roughly the size of my house behind the goal. I don’t want to go overboard, but I think that’s upstaged the Champions League theme tune!“

Aber genug der Selbstbeweihräucherung. Denn jeder weiß: Von alleine kommt die Stimmung nicht und sie war auch schon mal schlechter.

Jäger und Gejagte (5. Spieltag)

FCA – LEV: Nicht überraschend.Augsburg weiterhin auf dem richtigen Weg.

FCB – SCF: Bayern kurz vor der Meisterschaft. Einziger Nachteil: Für Kantersiege gibt’s auch nur 3 Punkte. Mal sehen, wie sie gegen den S04 spielen.

FSV – TSG: Karnevalsverein gegen Traditionsverein. Man kann auch sagen: Pest gegen Cholera.

VfB – H96: Irgendwie sind mir die Stuttgarter nicht unsympathisch. Weiß der Geier warum.

BMG – FCK: Oha Kaiserslautern, da dürfte so langsam der Stuhl von Kurz wackeln. Fänd ich aber nicht schlecht, hab ich doch im Tippspiel genau diesen Trainer auf der Abschussliste ganz oben.

SVW – HSV: Feine Bude von Pizarro zum 2-0. Werder wie früher ärgster Verfolger der Bayern. Und was letztes Jahr noch scheiße war (Schaaf und Allofs) ist nun super (weil Werder nicht den marktüblichen Mechanismen erlegen ist). Deutsche Pressearbeit halt.

Köln – FCN: Wie immer in Köln. Ein Sieg gefolgt von einer schwachen Darbiertung. Jeckyll und Hyde lassen grüßen.

WOB – S04: Ein Spiel als Synonym für eine Saison von Rangnick: Klasse Start mit Ambitionen nach ganz oben, dann den Gegner kommen lassen und zum Ende hin ganz schwach. Am Sonntag kommen die Bayern, mal sehen, was daraus wird.

Aussicht:

Am Sonntag spielt der BVB in Hannover. Die letzten Spiele dort waren alles andere als Langweiler. Gespannt darf man vor allem auf die Aufstellung der Borussia im defensiven Mittelfeld sein. Denn neben dem gesperrten Kehl, den ich mit Ausnahme der 2-3 Fehlpässe gegen Arsenal gar nicht schlecht fand, fehlt leider auch Bender auf Grund einer Verletzung. Bleiben noch da Silva, Gündogan und  Leitner. Wirklich ideal ist das nicht. Aber mal sehen, was Klopp so aus dem Hut zaubert.

 

2 Antworten auf „75 Stunden, 2 Welten.“

  1. Tja entweder du hast dich verkuckt oder bei nem anderen Tippspiel auf Kurz getippt, aber ich fürchte ich muss dich enttäuschen, du hast auf Herrn Hecking als ersten arbeitslosen Trainer gesetzt. Kurz hatte nur einer auf der Liste – ich natürlich; aber ich fürchte der HSV handelt schneller, da staubt aber zum Glück dann niemand Punkte für ab 😉

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